Untier des Jahres?

Auf der Wissenschaftsseite der FAS vom 08.01.2017 ist ein kurzweiliger Artikel erschienen, in dem diverse »Tiere des Jahres« vorgestellt werden. Wir erfahren etwa, dass die Blindschleiche zum Kriechtier des Jahres gekürt wurde und dass die Spalten-Kreuzspinne nun Spinne des Jahres ist.

Bisher ist aber noch niemand auf die Idee gekommen, ein Untier des Jahres zu küren: Tiere können weder gut noch schlecht handeln, weder gut noch schlecht sein.

Als gestern das »Unwort des Jahres« vorgestellt wurde, gab es wie in jedem Jahr wütende Proteste gegen die Idee, ein solches Wort überhaupt zu benennen. Schließlich seien doch alle Worte unserer Sprache gleich. Würde man ein Wort zum Unwort erklären, käme das einem Redeverbot und einer Einschränkung der Meinungsfreiheit gleich. Man konnte fast den Eindruck gewinnen, dass da ein Untier des Jahres über unsere Sprache herfällt.

Natürlich sind alle Wörter gleich. Aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass bestimmte Wörter im Verlauf der Geschichte belastet wurden. Es ist auch bekannt, dass Wörter Handlungen auslösen und Schaden anrichten können.

Also darf man Wörter bewerten. Aber kann man sie verbieten? Die Initiatoren der Wahl zum »Unwort des Jahres« haben keinerlei direkte oder indirekte Macht, ein Wort zu verbieten. Sie können allenfalls Denkanstöße geben.

Denkanstöße sind auch mit den »Tieren des Jahres« verbunden: dabei geht es etwa um Lebensräume, um Erkenntnisgewinn in der Forschung und um die Ausbreitung der Arten. Aber niemand ist gezwungen, sich mit den diesjährigen Sandbienen, Libellen, Mäusen oder Eulen zu befassen.

Ebenso ist niemand gezwungen, sich mit dem Unwort des Jahres zu befassen. Wer aber politisch denkt und mit Sprache zu tun hat (und wen betrifft das nicht?), der hat am Tag der Bekanntgabe einen Anstoß, sich mit dem Wort zu befassen.

Man kann sich über die Kommission ärgern, wenn sie etwa Fachbegriffe auswählt, die sie falsch verstanden hat oder in einen falschen Zusammenhang stellt. Beispiele für solche Fehlleistungen waren »Humankapital« und »Entlassungsproduktivität«. Es gab auch ein Unwort des Jahres, das allenfalls anekdotische Evidenz hatte: »betriebsratsverseucht«. Dieser Begriff war der Öffentlichkeit bis zum Tag seiner Wahl völlig unbekannt.

Es gibt also in mehrfacher Hinsicht Anlass zur Kritik an der Auswahl der Unworte. Aber in manchen Jahren landet die zuständige Kommission auch einen Treffer. Dann gibt sie einen Denkanstoß zu einem Wort mit großer Sprengkraft, das auch tatsächlich (wieder) genutzt wird.

»Volksverräter« ist zweifellos ein Wort, das seine Bedeutung nur in totalitären Systemen wie dem Nationalsozialismus und dem Stalinismus entfalten kann: Volksverrat ist ein Gesinnungsverbrechen, das für Schauprozesse nach der Art des Volksgerichtshofs der Nazis benötigt wird.

Wenn also heute bei Demonstrationen »Volksverräter« skandiert wird, dann setzen die Demonstranten offenbar voraus, dass es wieder solche Prozesse geben sollte. Dass demokratisch gewählte Politiker für ihren »Verrat« vor ein Volksgericht gehörten. Ob manche dabei an einen neuen Roland Freisler denken und andere nur mitbrüllen?

Demokraten müssen sich auf der einen Seite für die Meinungsfreiheit einsetzen. Demonstrationen sollten nicht verboten werden, nur weil auf ihnen vergiftete Worte gebrüllt werden. Auf der anderen Seite müssen sie aber auch wissen, welche Bedeutung diese Worte haben und wie sie in den beiden Diktaturen der deutschen Geschichte verwendet wurden.

Man liest in den sozialen Medien nicht selten »Memes« und Sprüche gegen die sogenannten »Volksverräter« und es ist erschreckend, mit welcher Absolutheit diese Meinungen vertreten werden. Es gibt für die Absender nur noch »Volk« und »Verräter«.

Die diesjährige Bekanntgabe des »Unworts« sehe ich deshalb als Denkanstoß. Wer dazu bereit und in der Lage ist, kann Einfluss auf die Verwendung von Worten nehmen. Niemand muss das tun. Aber es kann ein kleiner Beitrag zum Erhalt der Demokratie sein.

Man sollte das »Unwort des Jahres« also einerseits tiefer hängen: Es ist nicht mit einem Verbot und nicht mit Zensur verbunden. Ebenso ist auch keines der »Tiere des Jahres« im Jahr 2017 über die anderen Tiere gestellt. Man kann sich aber auf den gemeinsamen Nenner einigen: Es sind Denkanstöße für die Sprache in unserer sozialen Umwelt und für die Tiere in unserer natürlichen Umwelt.


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20 Antworten zu Untier des Jahres?

  1. geneigter Leser sagt:

    Vielen Dank für den ausgewogenen Kommentar!

  2. Wertung durch Assoziation, „guilt through association“ – gut, irgendwelche Assoziationen hat jeder. Aber muß man Assoziationen zu gewissen Wörtern derart zementieren? Die Leute, die da besonders darauf herumreiten, hinterlassen nicht selten verbrannte Erde und auch totalitaristische Denkverbote.

    Alleine den Anspruch, Kontrolle über Bedeutung und Assoziation ausüben zu wollen, halte ich für hochgefährlich. Ein Beispiel ist das von George Orwell erfundene „Newspeak“. Solche Anwandlungen hört man von rechts wie von links und man kann sie am besten bei Linksextremen beobachten. Ziel ist es, mit erlaubtem und verbotenem Vokabular zu manipulieren.

    Ich selbst habe für das Wort „Volksverräter“ keinen nationalsozialistischen Kontext und auch keine Volks-Gerichtshof-Assoziationen. Dennoch, wenn man den Amtseid unserer Politiker mit deren Handeln vergleicht, dann könnte man schon auf den Gedanken kommen, dieses inkriminierte Wort anzuwenden.

    Denn der Souverän wird verschaukelt, genasführt, belogen und … ja … auch verraten – von denen, die er eigentlich gewählt hat, damit sie seine Interessen vertreten. Von Leuten, die eigentlich die freiheitlich-demokratische Grundordnung schützen sollen, sie aber in Realität immer mehr aushöhlen.

    Die Wortwahl der Protestierenden mag sehr unglücklich gewählt sein, weil sie bei manchen Leuten Assoziationen zu sehr dunklen Zeiten weckt – aber ist sie sachlich falsch?

    • stefanolix sagt:

      Zum Begriff des Verrats und zum Souverän hat @werwohlf schon einiges geschrieben. Das Volk ist in mehrere Fraktionen (diverse Befürworter und diverse Gegner der gegenwärtigen Politik) gespalten und die Regierung kann somit allenfalls einen Teil des Volkes verraten.

      Ich möchte noch richtig stellen, dass ich auf keinen Fall alle Anwender des Begriffs »Volksverräter« mit NS-Gedankengut assoziieren wollte. Das liegt mir fern.

      Es ist zu vermuten, dass ein harter Kern von Neonazis von einem neuen Volksgerichtshof träumt, aber bei der großen Mehrheit der Demonstranten kommt m. E. einfach eine tiefe Enttäuschung und auch Wut über die Verhältnisse zum Ausdruck. Sie rufen »Volksverräter« und denken in diesem Moment nicht über die Bedeutung im historischen Sinne nach.

      Manchmal ist man ja als Mensch sogar zu 50% mit den Befürwortern und zu 50% mit den Gegnern einverstanden. Je nach Politikfeld. Ich bin auf mehreren Politikfeldern enttäuscht von Fehlentscheidungen, sehe auch viele Risiken, sehe aber gleichzeitig auch, dass es diesem Land immer noch relativ gut geht.

  3. Werwohlf sagt:

    Die Wortwahl der Protestierenden mag sehr unglücklich gewählt sein, weil sie bei manchen Leuten Assoziationen zu sehr dunklen Zeiten weckt – aber ist sie sachlich falsch?

    Ja. An wen wird „der Souverän“ denn „verraten“?

    „Verrat“ setzt (böse) Absicht voraus und auch einen konkreten Adressaten, der sie dann ausnutzt. Schon das wären angesichts dessen, was wir wissen, reichlich mutige Annahmen – die zudem in Konkurrenz zu Erklärungsansätzen stehen, die das Verhalten der so Angegriffenen weit besser erklären.

    Und „der Souverän“, „das Volk“ sind extrem heterogene Einheiten. Egal, was du oder ich zu etwas meinen, es wird meist immer genug Menschen geben, die das Gegenteil als richtig ansehen – und auch die sind dann „Souverän“, sind „Volk“. Es sei denn, man befleißigte sich Ausgrenzungsstrategien, die nicht nur historisch in unguter Erinnerung sind, sondern auch und gerade heute wieder in Mode zu kommen scheinen – siehe diverse Boykottaufrufe und andere halb-staatliche Versuche, unliebsame Meinungen aus der Öffentlichkeit auszuschließen.

    Wie man es dreht und wendet: Der Begriff „Volksverräter“ ist analytischer Schrott, der nur mit rhetorischer Tötungsabsicht eingesetzt wird.

    • stefanolix sagt:

      Auf jeden Fall Zustimmung und Dank zu den Ausführungen über den Verrat. Allenfalls könnte man (ich tue das nicht!) eine Konstruktion »Verrat am Amtseid« schaffen. Aber es ist klar, dass der Amtseid eher symbolisch gemeint ist und dass selbst ein erwiesener Verstoß gegen den Amtseid ja gar nicht strafbar wäre.

      Es bleibt dabei: In der Demokratie werden schlechte Regierungen bei Wahlen bestraft. Es ist zu vermuten, dass die jetzige Regierung oder eine ähnliche Konstellation immer noch »wiedergewählt« werden würde. Es sind also bei weitem nicht genügend Wählerinnen und Wähler der Meinung, dass die Regierung sie »verraten« hat (oder sie sehen keine Alternative).

      PS: Ich habe mich heute gefragt, wie wir es eigentlich in der DDR 1989 geschafft haben, ohne solche Begriffe auszukommen. Vermutlich war das Grundwissen über Diktaturen doch besser als heute.

      • E-Haller sagt:

        Ich weiß nicht – als „Denkanstoß“ sehe ich diese Kür nicht. Die Begründung der Jury ist lasch und schwingt vor allem mit der Nazikeule. Wenn man sich die Liste der Worte seit Beginn der „Wahl“ (ich tue mich mit dem Begriff etwas schwer) so anschaut, dann stelle ich seit den letzten 3 Worten eine neue Ausrichtung fest: vorher kann man sie überwiegend als medien- oder politikkritisch einordnen (Ausnahme: Opfer-Abo, war aber irrelevant) – somit also eher Top-Down. Seit drei Jahren gibt es eine Umkehrung und Begriffe aus dem Volk werden als „gehen garnicht“ gemarkert.

        Ein wirklicher und hochaktueller Denkanstoß wäre z.B. gewesen, sich mal mit „Postfaktisch“ oder „Fake-News“ KRITISCH auseinanderzusetzen. Also mit der Suggestion, es gäbe eine bekannte Wahrheit (i.d.R. bekanntgegeben von Regierung und Presse) und alles Gegenteilige wäre Lüge. Die jüngere Geschichte ist voller Gegenbeispiele, was aber vollständig ignoriert wird.

        Nochmal zu Volksverräter: auch der Aussage, Volksverrat ginge in einer Demokratie nicht, muss ich widersprechen. Zur Begründung reicht mir ein Stichwort: Griechenland. Aber gut – das ist vielleicht auch keine Demokratie mehr, sondern eher eine Kolonie (ich könnte jetzt wieder auf Norbert Häring verlinken).

      • stefanolix sagt:

        Das interessiert mich: Wer hat in Griechenland wen verraten? Meinst Du Syriza, die Sozialdemokraten, die Konservativen oder die Oligarchen als »Verräter«?

      • E-Haller sagt:

        Tja, los ging es wohl deutlich vor Syriza (obwohl es lt. deiner Aussage ja immer diverse Befürworter und diverse Gegner der gegenwärtigen Politik gibt, so dass ein Verrat nicht möglich ist.). Nimmt man aber das 2015er Referendum als Ausdruck des Willens des Volkes, so ist ein gewisser „Verrat“ durch Syriza/ das Parlament doch zumindest theoretisch gegeben.

        Dem gegenüber steht, dass es vollkommen egal ist, wer die nächsten Jahrzehnte in Griechenland „gewählt“ wird – die wesentlichen Inhalte der Politik werden von aussen bestimmt.

        Letztlich ist Griechenland zumindest ein Beispiel für den Verrat der europäischen Idee.

      • Michael_DD sagt:

        Umgang mit dem Amtseid und Verrat an einer Idee

        stefanolix sagt:
        Allenfalls könnte man (ich tue das nicht!) eine Konstruktion »Verrat am Amtseid« schaffen. …
        Aber es ist klar, dass der Amtseid eher symbolisch gemeint ist und dass selbst ein erwiesener Verstoß gegen den Amtseid ja gar nicht strafbar wäre.
        Es bleibt dabei: In der Demokratie werden schlechte Regierungen bei Wahlen bestraft.

        Nun, Sie haben es nicht getan, aber einen Eid kann man brechen, erneuern, bekräftigen, widerrufen. Aber Semantik ist manchmal kompliziert.
        Leider ist es so, daß der Eid heute bei einigen Politikern wohl nur noch symbolische Bedeutung hat. Dabei wäre es gut, wenn eine Frau Merkel bei schwerwiegenden Entscheidungen den Wortlaut ihres Eides geprüft hätte. Und ein Justizminister der sich hinstellt und tönt „Es gibt kein Grundrecht auf innere Sicherheit“ ist m.M.n. eine krasse Fehlbesetzung.
        Aber : in den USA gibt es das Impeachment und im Bundestag den Mißtrauensantrag..

        E-Haller sagt: Dem gegenüber steht, dass es vollkommen egal ist, wer die nächsten Jahrzehnte in Griechenland „gewählt“ wird – die wesentlichen Inhalte der Politik werden von aussen bestimmt.
        Letztlich ist Griechenland zumindest ein Beispiel für den Verrat der europäischen Idee.

        Es ist zwar OT, aber zum ersten Satz: Wenn´s so einfach wäre hätte Griechenland wohl schon lange ein funktionierendes Katasteramt.
        Das zweite ist eine steile Behauptung. Wer hat denn z.B. die europäische Idee der Solidarität verraten mit einem Leben auf Pump?! Erinnert sei daran, daß sich die Hellenen dazu mit gefakten Zahlen in den Euroklub gemogelt haben.

      • E-Haller sagt:

        Zum Leben auf Pump gehören immer zwei – einer, der gibt und einer der nimmt. Wenn der Geber sich nicht ausreichend von der Bonität bzw. der Zuverlässigkeit der hinterlegten Sicherheiten überzeugt, ist der Ausfall eigentlich sein Problem.

        Ob sich Griechenland nun reingemogelt hat oder reingemogelt wurde (mit freundlicher Unterstützung durch Goldman Sachs und JP Morgan), ist eine weitere Feinheit der Betrachtung.

        In der Phase der massiven Kreditaufnahme wurde die Regierung jedenfalls darin bestärkt, auf dem richtigen Weg zu sein. Unter anderem so hat es das Land ja in die Top-Ten der Waffenimporteure geschafft…wovon u.a. Deutschland profitiert.

        Das Volk hat seine Konsequenzen gezogen und die Regierung,welche Mist gebaut hat, abgewählt. Und jetzt? Muss es auf ewig bluten?

      • UweC sagt:

        Zum Leben auf Pump gehören immer zwei – einer, der gibt und einer der nimmt. Wenn der Geber sich nicht ausreichend von der Bonität bzw. der Zuverlässigkeit der hinterlegten Sicherheiten überzeugt, ist der Ausfall eigentlich sein Problem.

        Das wäre mir neu, dass ein Gläubiger seine Ansprüche verliert, weil er die Bonität des Kreditnehmers nicht richtig geprüft hat.

      • Michael_DD sagt:

        [Kommentar auf Wunsch des Absenders gelöscht (Formatierungsproblem).]

      • Michael_DD sagt:

        Goldman Sachs + JPMorgan hatten Glück, die deutsche Rüstungsindustie eine relativ magere Ausbeute und Tsipras Einsicht in die Notwendigkeite

        E-Haller sagt: Zum Leben auf Pump gehören immer zwei –

        … und zur Kreditaufnahme und zur Verwendung desselben vor Allem Verantwortung.
        Die Schuldenkrise Griechenlands war 2014/2015 das Thema in den Medien und wurde kontrovers diskutiert. Für E-Haller ist jedoch alles ganz einfach:
        Griechenland wurde quasi von Goldman Sachs und JP Morgan in den Euroklub hineingelobt und Deutschland bestärkte es bei der massiven Kreditaufnahme, damit es dann deutsche Waffen kauft. Dazu ein paar Fakten.
        In der Liste Griechenlands größte Gläubiger fehlen Goldman Sachs und JP Morgan. Da ist das Kreditgeschäft an denen wohl vorbeigegangen. Pech gehabt möchte man meinen oder doch besser Glück – aus heutiger Sicht?!
        Griechenlands Rüstungsausgaben betrugen lange Zeit ca. 10Mia €/a und sank dann auf ca. 6Mia €/a, wohl als Auswirkung der Krise. Griechenland kaufte in Deutschland Rüstungsgüter für geschätzt 12 Mia €. Das entspricht 3% der oben ausgewiesenen Kreditsumme oder anders gesagt : Die Ausbeute der deutschen Rüstungsindustrie, gemessen am großen Kuchen, ist mager.
        Man fragt sich wo der große Rest geblieben ist. Eine Antwort gibt hier ein Historiker.

        E-Haller sagt: Das Volk hat seine Konsequenzen gezogen und die Regierung, welche Mist gebaut hat, abgewählt. Und jetzt? Muss es auf ewig bluten?

        Nun, die Regierung, welche Mist gebaut hat gibt es nicht wenn man sich diese Liste der griechischen Regierungen ansieht – Im Schnitt seit 2000 alle zwei Jahre eine neue und damit eine Abfolge von gescheiterten Reformen und neuen Krediten.
        Und Tsipras, welcher mal wie folgt angetreten war

        Die beiden griechischen Parlamentswahlen im Mai und Juni 2012 standen im Zeichen eines möglichen Sieges der „Koalition der radikalen Linken“ (Syriza) von Oppositionsführer Alexis Tsipras, der versprochen hatte, alle Reformen rückgängig zu machen, die Griechenland von seinen Geldgebern auferlegt worden waren, dazu die Sparpolitik zu beenden und bereits erhaltene Kredite nicht zurückzuzahlen. Seinerzeit scheiterte Tsipras mit diesen Versprechen, denn stärkste Kraft wurde in beiden Wahlen die konservative „Nea Dimokratia“ (ND), …

        siegte erst 2015 mit einem moderaterem Programm, muß sich aber den Realitäten beugen und erhält neue Gelder:

        Mai 2016 – Griechen sparen und bekommen Geld
        Das griechische Parlament stimmt Kürzungen und Steuererhöhungen zu und ebnet damit den Weg für die Auszahlung von 10,3 Milliarden Euro an Hilfsgeldern.

        Das soll es dann aber auch von mir dazu gewesen sein, bevor die griechische Schuldenkrise sich hier zur seitlichen Arabeske auswächst und damit im Thema völlig OT wird.

      • E-Haller sagt:

        Das schmerzt ja schon fast.

        @ Uwe: Kreditausfallrisiko, Bonitätsprüfung, Umschuldung, Schuldenschnitt, Insolvenz: alles schöne Begriffe ohne Sinn, weil „Schulden sind für immer…“. Alles klar!

        @ Michael: Was genau sollen nochmal die beiden Institute auf der Hauptschuldnerlisten machen? „Ach Mist, jetzt sind wir auf unsere eigenen Lügen reingefallen!“???

        Weiterhin heißt „u.a.“ – „unter anderem“, soll heißen, die Aufzählung ist nicht abschließend. Danke für die Zahl: 3% finde ich erstaunlich hoch, ich vermute mal, sie stimmt nicht.

        Empfehlung: einfach mal Harald Schumachers Filme zur Schuldenkrise anschauen.

        Ich komme jedenfalls ins Zweifeln, wie die Strategie, alles verkaufen zu lassen, was Gewinn abwirft, langfristig zur Schuldentilgung beitragen soll…

    • Michael_DD sagt:

      @stefanolix,
      Ich hatte Sie zweimal per eMail um die Löschung der Doublette vom 14.01.2017 – 20:05 hier im Thema gebeten. Ergebnislos. Habe ich Erfolg auf diesem Weg? Wenn Ja, dann bitte auch dieses löschen.

      • stefanolix sagt:

        Guten Morgen! Bei mir sind keine E-Mails von Deiner Adresse angekommen. Ich schaue mal bei GMX im Web-Interface in den Untiefen des dortigen Spam-Ordners nach.

  4. Beobachter sagt:

    Seit 1933 fallen die Entscheidungen der unabhängigen Justiz genauso im Sinne ihrer politischen Auftraggeber aus wie die Publikationen der unabhängigen Wissenschaft.
    Vor diesem Hintergrund wäre es ein Wunder, wenn sich das Gremium ausgerechnet in den Zeiten des Niedergangs dem Propagandaauftrag verweigert hätte.

    Natürlich ist Volksverräter keine intellektuelle oder rhetorische Glanzleistung. Nur hat das wenig mit Wissenschaft, jedoch viel mit Propaganda zu tun, wenn das Wort aus dem Kontext rausgelöst wird.

    Es macht schon einen Unterschied, ob das Unwort in einer wissenschaftlichen Arbeit als „Argument“ verwendet wird oder zur rituellen Selbstvergewisserung bei einer Massenveranstaltung.

    Zumal die Volksverräter-Rufer moralisch haushoch über ihren Gegnern stehen, die nicht nur in der übelsten Weise beleidigen und verleumden, sondern dazu noch prügeln und brandschatzen. Was interessanterweise weder die Jury noch die Politik noch die Medien noch die Justiz (keine Angst, ich werde nicht auf Oberstaatsanwalt [Name musste hier entfernt werden] verweisen) sonderlich aufregt.
    Genaugenommen gar nicht.

    Ein paar abgefackelte Auto, ein paar gebrochene Knochen, ein paar zersplitterte Fensterscheiben – das ist nicht der Rede wert.

    Aber Volksverräter.

    Natürlich kann man das Volksverräter kritisieren. Nur stellt sich über die Jahre die Frage, warum die Verunwortung tendenziell immer gegen die Andersdenkenden geht und nie gegen die Machthaber, obwohl sich dort auch so einiges finden ließe.
    Spontan fallen mir ein
    – Einzelfall
    – Differenzieren
    – Fachkräfte
    – Hatespeech
    – Fakenews
    – Nazi
    – Mischpoke
    – Transformationsverlierer
    – Dunkeldeutschland
    – Pack
    Diese Worte liegen in der heute üblichen Verwendung auf der Ebene von Volksverräter. Bis jetzt hat sich das Gremium dazu noch nicht geäußert.
    Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

    • stefanolix sagt:

      Es stimmt, dass dem Gremium viele Leute zuhören, weil die Medien das »Unwort« meist übernehmen und die Begründung ohne großes Hinterfragen verbreiten.

      Aber die Wahlentscheidungen der Leute in diesem Gremium haben nicht mehr Gewicht als unsere Wahlentscheidungen. Und ich glaube auch nicht, dass ihr Einfluss auf die Entscheidungen anderer Leute allzu hoch ist. Es ist m. E. eher ein Predigen zu Bekehrten.

      Ich stimme dem Unwort 2016 aus einer kritischen Distanz eher zu, so wie ich frühere Unworte aus derselben Distanz auch mal vehement abgelehnt habe. Die meisten Unworte waren mir ehrlich gesagt gleichgültig.

      Was man von dem Gremium m. E. nicht erwarten kann, ist eine Expertise zu einer ganzen Liste von Wörtern. Du kannst ihnen nicht vorschreiben, mit welchem Thema sie sich zu befassen haben ;-)

    • Beobachter sagt:

      Seit 1933 fallen die Entscheidungen der unabhängigen Justiz genauso im Sinne ihrer politischen Auftraggeber aus wie die Publikationen der unabhängigen Wissenschaft.

      So streng ist die Justiz gar nicht.
      `Seit vorgestern darf man ungestraft die Türken als Köterrasse bezeichnen.
      Wer hätte das gedacht?

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