Schmalbarts Strategie

Das Netzwerk »Schmalbart« bezeichnet sich als »Netzwerk von Menschen, die etwas gegen Populismus unternehmen wollen«. In einem lesenswerten Interview im Deutschlandfunk wurde das Netzwerk gestern vorgestellt.


Schauen wir uns an einem Beispiel an, wie Schmalbart bisher agiert. Der Dialog ist sprachlich leicht bearbeitet, um ihn lesbar zu machen. Das Original finden Sie hier auf Twitter.

Der Publizist Dushan Wegner fragt den Account der Initative »Schmalbart«

Wo nehmen Sie eigentlich das Geld her?

Schmalbart antwortet:

Bisher sind es 82 Privatpersonen. Und unsere Mitglieder kommen aus dem ganzen Bundesgebiet.

Dushan Wegner fragt zurück:

Wie viele [davon sind in der] SPD?

Schmalbart antwortet:

Sie haben einen Fav von Tatja Festerling, Glückwunsch!


Was ist aus diesem Dialog erkennbar? Zum einen die Strategie des Ablenkungsmanövers: Schmalbart will auf die Frage nicht antworten, also wird das Thema gewechselt. Es gibt dafür die schöne Metapher »einen roten Hering werfen«.

Zum anderen sieht man das typische Reaktionsmuster politischer Kampagnen aller Seiten: Ich verwende etwas gegen meinen Kontrahenten, das er nicht beeinflussen kann. In diesem Beispiel ist es die Zustimmung einer dritten Person, aus der Schmalbart eine Verbindung konstruiert.

In der Folge haben andere Beteiligte mehr oder weniger sachlich gegen diese willkürliche Konstruktion protestiert. Schmalbart hat auf wenige Einwände geantwortet. Eine Antwort soll noch herausgegriffen werden:

Ja, Selbstbeobachtung ist schwierig, blinder Fleck. Die Resonanz auf eigenes Handeln erste Reflexion.

Hier wird die Diskussion auf eine Meta-Meta-Meta-Ebene verschoben, die mit dem eigentlichen Dialog nichts mehr zu tun hat. Twitter ist bekanntlich eine offene Plattform, auf der jeder Account jedem anderen Account widersprechen oder zustimmen kann. Deshalb sind auch solche Antworten sinnfrei:

Nein, das sagt aus, dass Ihnen Festerling zugestimmt hat bei Ihrem Tweet gegen uns. Wenn Ihnen das nicht zu denken gibt …

Schmalbart geht in seinen Antworten nicht darauf ein, aufgrund welcher sachlichen Zusammenhänge man dort Dushan Wegner mit Tatjana Festerling assoziiert hat. Eine Zustimmung Dushan Wegners zu Aussagen Tatjana Festerlings, die ja ein Indiz für eine Verbindung wäre, wird nicht belegt.


Vorläufiges Fazit: Die bisherige Gesprächsführung des Accounts @Schmalbart1 ist für mich keine Motivation, dieser Initiative Geld zu spenden oder sie ideell zu unterstützen. Ich werde sie aber sachlich und kritisch begleiten.


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3 Responses to Schmalbarts Strategie

  1. Gereon sagt:

    Was ist an Populismus denn eigentlich schlecht?
    Die Antwort auf diese Frage wird seit Jahrzehnten umgangen.

    Denn das Ergebnis würde folgendermaßen aussehen:

    Etwas als Populismus zu brandmarken und das Wort mit einem negativen Hintergrund zu versehen, ist das Mittel einer geringen Minderheit, die der Mehrheit ihre Ideologie aufzwingen will (und aufzwingt).
    Und diese Minderheit hat nie bewiesen, dass diese Ideologie zum Vorteil für die Mehrheit , das Land oder an sich ist.
    Im Gegenteil. Es führte immer nur zum Vorteil für einen geringen Teil dieser Minderheit.
    Und überall, wo diese Ideologie zur Anwendung kam, hat sie unermesslichen , kaum wiedergutzumachenden Schaden angerichtet. Immer. Es gibt kein Gegenbeispiel.
    Also: Was ist gut daran? Warum kann man so argumentieren? Nahezu unwidersprochen?

    • Werwohlf sagt:

      Was ist an Populismus denn eigentlich schlecht?
      Die Antwort auf diese Frage wird seit Jahrzehnten umgangen.

      Eigentlich nicht. Schlecht am Populismus ist das Vorgaukeln allzu einfacher Lösungen, was dann wiederum die dem Problem angemessenen Handlungen zu gefährden droht.

      Allerdings sind so gut wie alle Parteien mehr oder weniger populistisch – das Problem ist also nicht die negative Belegung des Begriffs, sondern dass er nur selektiv und ausgrenzend angewendet wird, so, als seien die eigenen Vorschläge immer frei davon.

      Bisherige Populismus-Leuchttürme unter Merkel: Mindestlohn, Mietpreisbremse, Energiewende, Rente mit 63. Und man tue auch nicht so, als sei die zwischenzeitlich von Merkel akzeptierte „No Borders“-Position nicht drastisch vereinfachend.

      Aber der Populimus, den man selbst gut findet, ist ja immer keiner ;-)

  2. Gerlinde sagt:

    Heisst das ‚uebersetzt‘: ich gruende selbst ein ‚Netz’/Plattform und dann ‚kann mich Keiner‘ dort?
    … und Geld koennte man damit auch noch machen/er(be)schwindeln?
    Btw.: ein gutes ‚Neues‘ noch nachtraeglich; hoffe, Du hast noch kein Sauerkraut gegessen (= bis dahin ist ’nachtraeglich‘ angeblich erlaubt) ;-) :-D

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