Schmalbarts »Beobachter«: Neuer Name – mehr Substanz?

Schmalbart hat seine Seite »Beobachter Völkischer« still vom Netz genommen und führt das Projekt unter einen neuen Namen fort: Die Seite heißt nun »Vox Populisti«. Von dieser Ankündigung will man heute nichts mehr wissen:

Heute startet „Beobachter Völkischer“, der sich mit Medienangeboten und Akteuren aus dem Umfeld von Populisten befasst.

Neues Spiel – mehr Glück? Ich habe mir einen der neuen Artikel angeschaut:

Breitbart: Merkel lanciert Falschmeldung bei Besuch im Weißen Haus


Was ist geschehen?

In einer Pressekonferenz aus Anlass ihres USA-Besuchs verwendete Bundeskanzlerin Angela Merkel für die TTIP-Verhandlungen zwischen der EU und den USA das Wort »bilateral« im Sinne von »zweiseitig« .

Der US-Präsident Donald Trump verwendet das Wort »bilateral« dagegen nur im Sinne der Verhandlung zwischen zwei Nationalstaaten. Für ihn ist TTIP ein multilateraler Vertrag.


Was macht Breitbart daraus?

Breitbart nimmt die Position des US-Präsidenten ein und unterstellt Angela Merkel in der Überschrift eines Beitrags »fake news« (im Sinne Trumps bedeutet das: »Merkel liegt falsch«):

Merkel Floats Fake News at Trump Presser: TTIP Deal is ‘Bilateral’

Breitbart kann sich außerdem die Spitze nicht verkneifen, dass die EU-Kommission auf der anderen Seite des Verhandlungstischs nicht demokratisch gewählt sei.

Im Artikel gibt Breitbart die Position des US-Präsidenten so wieder, wie man sie auch anderswo lesen kann. Man bezieht auch noch Marine Le Pen ein, die man in Trumps Lager wohl als natürliche Verbündete sieht.


Wie lautet das Fazit?

Für jemanden, der nur Überschriften liest, ist Breitbarts Titel ein Aufreger und eine Irreführung. Wer aber den Text liest, wird in Kurzform über die Positionen der Trump-Seite informiert – und das ist ja der Sinn eines Meinungsartikels in einem Meinungsmedium.

Die Methode funktioniert so: erst Klickbait mit einem Aufreger, dann einseitige Information. Sie ist hässlich und es ist legitim, dass »Vox Populisti« daran Kritik übt.

Diese Methode hat Breitbart allerdings nicht exklusiv. Nach diesem Prinzip arbeiten fast alle politisch-aktivistischen Kampagnen: gegen TTIP, für den Brexit, gegen Glyphosat, für mehr Umverteilung – und wie sie sonst noch heißen. In jedem Lager.

Was geschehen ist, wird wieder geschehen, was man getan hat, wird man wieder tun: Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Zwar gibt es bisweilen ein Ding, von dem es heißt: Sieh dir das an, das ist etwas Neues – aber auch das gab es schon in den Zeiten, die vor uns gewesen sind. [Quelle: Prediger 1, Verse 9 und 10]

Letztlich hat auch Schmalbart selbst mit dem Titel »Beobachter Völkischer« diese Methode angewendet, wie hier bereits kritisiert wurde. Es wäre also hilfreich, wenn »Vox Populisti« über die tatsächliche Methode und nicht über den Einzelfall aufklären würde.

Aber immerhin wurde die Assoziation konservativer Medien wie »Achse des Guten«, »Tichys Einblick« und »Weltwoche« mit dem »Völkischen Beobachter« der NSDAP stillschweigend beendet. Man muss sich auch an kleinen Dingen freuen.


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6 Responses to Schmalbarts »Beobachter«: Neuer Name – mehr Substanz?

  1. Cesar Augustus sagt:

    Die Methode funktioniert so: erst Klickbait mit einem Aufreger, dann einseitige Information. Sie ist hässlich und es ist legitim, dass »Vox Populisti« daran Kritik übt.

    1. Man kann von einem Magazin eben nicht erwarten, alle Seiten abzudecken. Dafür gibt es verschiedene Magazine, damit diese alle Seiten abdecken können. So funktioniert unser Pluralismus.
    Sich jetzt an nicht-linken Online-Publikationen aufzuhängen erscheint mir etwas scheinheilig.
    Aber da sind auch knallharte materielle Interesse im Spiel, die doofe Konkurrenz aus dem Netz muss ausgeschaltet werden.
    2. Das mit den Klickbait ist ’ne Seuche, aber es funktioniert. Was nützt es auch, die besten Artikel zu schreiben, die dann keiner lesen wird?

    • stefanolix sagt:

      Man müsste an dieser Stelle wirklich mal den Sprachgebrauch in DE und den USA untersuchen.

      Ich sehe bisher, dass »Fake-News« in Deutschland im Sinne von »bewusst lancierte Falschmeldung« verwendet wird.

      Ich vermute, dass Donald Trump und Breitbart inzwischen pauschal alles als »Fake News« bezeichnen, was ihnen nicht in den Kram passt (auch wenn es mehrere Interpretationen einer Angelegenheit geben kann).

      Wenn meine Vermutung richtig ist, dann gibt es nicht nur zwei Bedeutungen von »bilateral«, sondern auch von »Fake News«.

  2. Leser sagt:

    Die Schmalhirne haben sich vollständig eingeigelt in ihrer Filterblase. Totaler Realitätsverlust.

    Unter dem verlinkten Artikel hatte ich (mit Nick TakeoffLive) darauf hingewiesen, dass der MDR wieder mal den Fake-News-Klassiker gebracht hat.
    Der Link funktioniert. Auf den Link klicken bringt die aktuelle auf Twitter gemeldete Fake-News.
    Dort ist auch das Datum zu sehen: 2:13 AM – 11 Mar 2017

    Was mag der Grund sein für die abartige Antwort von D. Grimmboldt?
    Verlogenheit kommt eigentlich nicht in Frage. So wahnsinnig ist doch keiner, so dumm zu lügen, dass die Lüge schon beim ersten Mausklick auffliegt.

    Es sei denn, er lebt unter dem Einfluss von bewusstseinsveränderten Drogen.

    • stefanolix sagt:

      Vielleicht hat er das Datum wirklich nicht gesehen. Das kann ja passieren. Was mich sehr stark beunruhigt, ist seine Antwort zu den Toten. Entweder er hat überhaupt keine Ahnung, was damals passiert ist – oder er versteht gar nicht, was wir ihm sagen wollen.

      Aber auf der anderen Seite: Wenn man die Anhängerschaft von Chemtrails oder anderen Verschwörungstheorien sieht – dort werden ja auch keine abweichenden Fakten mehr zur Kenntnis genommen. Es ist also kein Einzelfall.

      Und das Breitbart-Beispiel zeigt, dass die Trump-Anhängerschaft nun wirklich auch nicht differenziert.

      • Leser sagt:

        „Was mich sehr stark beunruhigt, ist seine Antwort zu den Toten. Entweder er hat überhaupt keine Ahnung, was damals passiert ist – oder er versteht gar nicht, was wir ihm sagen wollen.“

        Ich tippe auf entweder.

      • Demonstrant sagt:

        “Entweder er hat überhaupt keine Ahnung, was damals passiert ist – oder er versteht gar nicht, was wir ihm sagen wollen.

        Auf Comedy Central kam gerade eine Persiflage auf die Seriosität und Sachkenntnis der Schmalbärte.
        Southpark, Der Treibhauseffekt (ab 2:39)
        Tom, ich befinde mich derzeit 10 Meilen außerhalb von Beaverton, ohne ins Stadtzentrum vordringen zu können.
        Uns liegen noch keine Berichte über Todesfälle vor, aber wir sind der Meinung, dass die Zahl der Todesopfer in die Abermillionen reichen könnte.

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