Schwarz ist Würde

Nivea hat mit dem Slogan »White is Purity« (»Weiß ist Reinheit«) geworben und diese Werbung nach Protesten einer kleinen aktivistischen Minderheit zurückgezogen. Die FAZ kommentiert die Reaktion des großen Kosmetikherstellers:

»Kaum haben die Kritiker das Wort Rassismus buchstabiert, kassiert Nivea eine harmlose Deo-Werbung ein.«

Bei der Beurteilung hilft ein Perspektivwechsel: Ist es für mich beleidigend, wenn direkt nach der Nivea-Werbung ein Modelabel mit »Schwarz ist Würde« wirbt? Oder wenn sehr viele Hersteller ihr Produkt in der Werbung als »jugendlich« anpreisen?

Offensichtlich kann ich doch an meinem Alter nichts ändern und meine Hautfarbe nicht wechseln. Würde ich jeder Werbung eine böse Absicht unterstellen, müsste ich mich permanent angegriffen fühlen.

Eine vernünftige Reaktion auf aggressiv auftretende Aktivisten kann nur so aussehen: Möglichst viele sachliche Argumente dagegen setzen. Die angegriffenen Unternehmen unterstützen oder (wenn notwendig) auch sachlich kritisieren.

In einer pluralistischen Gesellschaft gilt: Radikale Aktivisten haben eine Meinung unter vielen. Als Personen haben sie Meinungsfreiheit und Menschenwürde. Aber wir dürfen uns von ihnen nicht aufzwingen lassen, wie wir zu reden und zu leben haben.

Mit der Menschenwürde ist immer auch ein Schutz der Aktivisten verbunden: radikale Feministinnen oder radikale »Reinheitswächter der Sprache« (FAZ) dürfen nicht sexistisch, rassistisch oder in ihrer Persönlichkeit beleidigt werden.

Eine Lehre aus den Konflikten der letzten Jahre, Monate und Wochen ist: Es reicht nicht, wenn wir das als vernünftige Menschen selbst unterlassen. Zum Widerstand gegen den aggressiven Aktivismus gehört auch ein Widerstand gegen aggressive Umgangsformen.



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4 Responses to Schwarz ist Würde

  1. Im Wäschesektor ist Weiß schon immer Reinheit – ich verstehe dieses Zurückweichen vor radikalen Kleingruppen auch nicht!

    • stefanolix sagt:

      Wenn es wenigstens eine öffentliche (argumentativ geführte) Diskussion gegeben hätte!

      Man kann über Einwände gegen die Werbung reden. Man kann über Argumente für die Werbung reden. Aber man darf nicht einfach zurückweichen.

      Hier liegt auch eine Verantwortung der Medien, die viel verantwortungsbewusster über Relevantes schreiben und Irrelevantes weglassen müssen.

  2. Dirk sagt:

    Ich kriege das mit der Werbung nicht mehr so richtig mit (Alterserscheinung).
    Wenn ich mich recht erinnere, gab es früher Slogans
    Wäscht weißer als weiß„,
    Mit zwei weißmachern
    und ähnliches. War das auch alles rassistisch?

    Es gibt Waschmittel für Buntwäsche. Bunt ist politisch korrekt.
    Darf ich heutzutage noch Waschmittel für Weißwäsche ins Körbchen legen, oder oute ich mich damit als Nazi?

    Meistens ist die Schokolade braun. Das ist politisch korrekt, es harmoniert mit der staatlich verordneten Überlegenheit der braunen Herrenrasse über das weiße Untermenschentum.
    Aber was ist mit weißer Schokolade, wird die bald verboten?

    Darf ich Kaffeesahne in den brauen Kaffee kippen?

    Warum gibt es immer noch weiße Milch?

    Da ist noch viel Handlungsbedarf. Und wer das jetzt als Satire oder Übertreibung sind, der sollte dran denken, dass in Merkel-Deutschland die Realität die Satire noch immer überholt hat.

  3. UweC sagt:

    Eine vernünftige Reaktion auf aggressiv auftretende Aktivisten kann nur so aussehen: Möglichst viele sachliche Argumente dagegen setzen.

    Habe ich früher auch gedacht. Typischer Fall von Denkste.
    Diese Typen sind einer rationalen Argumentation unzugänglich.
    Als einziges Mittel sehe ich heute, einen drauf zu setzen.
    Das Reichspropagandaministerium muss so viele Sprachregelungen rausgeben, dass man es einfach nicht mehr leben kann.

    Es könnte klappen, langsam nageln die sich selbst die Tür zu.

    Jahrelang hat die Nomenklatura die Andersdenkenden als Nazis diffamiert.
    Nun ist Erdogan auf den Zug aufgesprungen (warum auch nicht) – und siehe, auf einmal spielen die Nazi!-Krakeeler die beleidigte Leberwurst. Bouffier versteigt sich sogar darauf, die CDU-Methoden als „Besonders perfide und unerträgliche Eskalation“ zu werten. Die „geradezu inflationäre Verwendung des Nazi-Vergleichs“ sei eine „Verhöhnung der Opfer der Nazi-Diktatur“.

    Sieh mal an, Genosse B.
    Schön dass Sie das auch so sehen, die Pegida-Gegner betreiben durch die „geradezu inflationäre Verwendung des Nazi-Vergleichs … eine Verhöhnung der Opfer der Nazi-Diktatur“.
    Ob die jetzt damit aufhören, diese Schwachköpfe?

    Wir werden das beobachten.

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