Sachsen hat die geringste Kaiserschnitt-Rate

4. Oktober 2017

Die »Sächsische Zeitung« meldet:

In Sachsen entbinden im Bundesvergleich die wenigsten Frauen per Kaiserschnitt. Weniger als jede vierte im Krankenhaus Gebärende wurde im vergangenen Jahr der Operation unterzogen, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte.


Die Grüne Jugend protestiert: Diese Meldung ist hetero-normativ-sexistisch. Sie unterschlägt, dass auch Männer mittels Kaiserschnitt Kinder gebären können. Außerdem wurde ist der Begriff »Bund« nationalistisch und Vergleiche zwischen den Bundesländern sind wettbewerbsorientierte Kackscheiße. Die Meldung ist neu zu formulieren:

In Sachsen entbinden einige Gebärend_e per Kaiser_innen_Schnitt. Jede_s vierte im Krankenhaus Gebärend_e wurde im vergangenen Jahr der Operation unterzogen, wie das Amt am Mittwoch mitteilte.


Die AfD-Sachsen kommentiert:

Die niedrige Rate der Kaiserschnitte in Sachsen zeigt die enge Verbundenheit zwischen natürlicher Heimat und natürlicher Geburt. Jede sächsische Frau sollte mindestens drei Kinder ohne Kaiserschnitt zur Welt bringen. (Und Frauke Petry sollte samt all ihren Kindern schnellstens aus Sachsen verschwinden.)


Mehrere Studierende der Hochschule für Bildende Künste fanden sich auf dem Neumarkt zur spontanen Brecht-Performance »Der Schoß ist fruchtbar noch« zusammen.


Die Tagesschau meldete am Abend:

Wie eine Untersuchung der Heinrich-Böll-Stiftung zeigt, lehnen die Sachsen moderne Geburtstechniken aufgrund latenter Fortschrittsängste und starker rechtsradikaler Tendenzen weitgehend ab.

[Danke an Helge!]


Der Tagesspiegel-Journalist Matthias M. kommentiert:

Die niedrige Rate der Kaiserschnitte in Sachsen ist letztlich ein Ergebnis der selbstgefälligen und rückwärtsgewandten CDU-Politik. Die zivilgeburtlichen Gruppen müssen mit viel mehr Geld gefördert werden. Das ist aber letztlich nur in einer #R2G-Koalition unter Führung der Linkspartei möglich.


Das Göttinger Institut für Geburtsforschung soll nun die niedrige Rate der Kaiserschnitte in Sachsen im Auftrag der Ostbeauftragten der Bundesregierung untersuchen. Man einigte sich auf die Befragung von 15 Erstgebärenden in drei alternativen Geburtshäusern, die keine Kaiserschnitte durchführen. Es bestünde weiterer Bedarf an Fördergeld, sagten die Forscher_innen am Rande einer Pressekonferenz.


Bleibt am Ende Claudias Frage:

Sollten Sachsen sich weiter vermehren dürfen?


Es kommen noch Ideen für Ergänzungen. Sie werden unter dieser Anmerkung eingefügt.


Ministerpräsident Tillich hat auf die niedrige Rate der Kaiserschnitte in Sachsen reagiert. Er sagte im Deutschlandfunk, man dürfe »nicht allein den Weg über die Mitte gehen«. Tillich:

Gehen Sie mal davon aus, dass die sächsische Union das Ziel hat, in diesem Ranking auch 2019 an der Spitze zu stehen.


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Die AfD ist im Osten stark, aber sie wäre auch ohne den Osten in den Bundestag gekommen

2. Oktober 2017

Die nackten Zahlen zum Abschneiden der AfD in Ostdeutschland und Westdeutschland zeigen: Die AfD hat im Osten doppelt so viel Zuspruch wie im Westen. Im Westen sind es ca. 11 Prozent, im Osten ca. 22 Prozent.

Tatsache ist aber auch, dass die AfD ohne eine einzige Ost-Stimme in den Bundestag gekommen wäre. Dafür hätten allein die im Westen erzielten Stimmen gereicht.

Um das zu zeigen, muss man nur die Anzahl der gültigen AfD-Stimmen im Westen ins Verhältnis zur Anzahl der gesamtdeutschen gültigen Stimmen setzten.

Die AfD hat deutschlandweit etwa 5,9 Millionen gültige Stimmen bekommen, davon etwa vier Millionen im Westen und etwa 1,9 Millionen im Osten. Insgesamt wurden 46,4 Millionen gültige Stimmen abgegeben.

Bezieht man nun die vier Millionen gültigen AfD-Stimmen im Westen auf die Gesamtzahl der gültigen Stimmen, erhält man einen Anteil von etwa 8,7 Prozent.

Damit ist bewiesen, dass die AfD auch ohne eine einzige Zweitstimme aus dem Osten in den Deutschen Bundestag eingezogen wäre. Und daraus ergibt sich, dass man in beiden Landesteilen nach Ursachen suchen sollte.


Ein Klick auf das Bild vergrößert die Ansicht:


Datenquelle zum Anklicken: Bundeswahlleiter/Bundestagswahl 2017



Warum ich gern im Buchhaus Loschwitz einkaufe, obwohl ich die Ansichten der Eigentümerin nicht teile

1. Oktober 2017

Der MDR hat an diesem Wochenende einen Beitrag veröffentlicht, in dem die Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen zu Wort kommt. Sie ist über die Stadtteile Loschwitz und Blasewitz hinaus eine bekannte Dresdner Persönlichkeit, weil sie gemeinsam mit ihrem Mann das mehrfach ausgezeichnete Buchhaus und Kulturhaus Loschwitz führt.

In dem MDR-Beitrag geht es unter anderem um Susanne Dagens Wahlentscheidung für die AfD. In einem früheren Interview zeigte sie Verständnis für die Pegida-Bewegung:

Susanne Dagen: Ich sympathisiere mit denen, die seit zwei Jahren auf die Straße gehen. Wenn die Auseinandersetzung mit diesem Phänomen und das Ringen um Verständnis Pegida-nah ist, dann bin ich es. 2011 ist »Empört euch« von Stéphane Hessel erschienen, da haben alle gejubelt.

Die Zustimmung zur AfD und zu Pegida kann ich nicht teilen: Die AfD ist für mich nicht wählbar und die Reden der Pegida sind für mich erst recht nicht akzeptabel. Doch in einer freien, demokratischen Gesellschaft ist Frau Dagens Meinung so legitim, wie es jede andere Meinung auch ist. Die AfD ist eine zu Wahlen zugelassene demokratische Partei und die Pegida hat das Demonstrationsrecht.


In der zivilisierten Kommunikation stehen die Argumente einer jeden Person gegen die Argumente der Kontrahenten – Kontroversen müssen im fairen Wettkampf ausgetragen werden. Verpönt sind hier Angriffe gegen die Person: gegen die Hautfarbe, die Figur, das Geschlecht oder das Alter.

Diese Regeln sind nicht immer leicht einzuhalten: Kontrahenten werden zuweilen auch als Ideologen, Demagogen, Lobbyisten oder »alte weiße Männer« bezeichnet. Das geht dann an die Grenze zwischen der Argumentation in der Sache und der Argumentation gegen die Person.

Eine gravierende Grenzverletzung war in der Kommunikation bisher immer die Argumentation gegen die Existenz. Don Alphonso schreibt im Blog der FAZ:

Es wird gefährlich, wenn es nicht mehr um politische Argumente und Lösungen für das Land geht, sondern um die verbale Ausgrenzung der Feinde, die Verleumdung ihrer Geschichte, Herkunft und ihres sozialen Umfelds, das in Kollektivhaftung genommen wird.

Boykottaufrufe und Boykotte sind Äußerungen und Handlungen gegen die berufliche oder gesellschaftliche Existenz eines Menschen. Wenn wir allgemein akzeptieren, dass eine Diskussion nicht bis zum Angriff auf den Kernbereich des Menschen getrieben werden darf, dann ist auch der Boykottaufruf gegen eine Buchhandlung keine einfache Meinungsäußerung mehr.

Gegen den Boykottaufruf führe ich deshalb nicht das Argument an, dass die Buchhandlung ein unglaublich breites kulturelles, politisches und gesellschaftliches Sortiment anbietet. Gegen den Boykottaufruf spricht vielmehr schon das Prinzip, dass Reaktionen auf unliebsame Meinungsäußerungen nicht den Kernbereich der Existenz treffen dürfen.


Ergänzung 1 (Quelle: FAZ, Ende des Artikels):

Eine große Mehr­heit der Deut­schen von 73 Pro­zent ist dafür, die AfD im Bun­des­tag wie jede an­de­re Par­tei zu be­han­deln. Das zeigt eine Um­fra­ge des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts Emnid für „Bild am Sonntag“. 25 Pro­zent der Be­frag­ten spra­chen sich da­ge­gen aus