Sachsen hat die geringste Kaiserschnitt-Rate

Die »Sächsische Zeitung« meldet:

In Sachsen entbinden im Bundesvergleich die wenigsten Frauen per Kaiserschnitt. Weniger als jede vierte im Krankenhaus Gebärende wurde im vergangenen Jahr der Operation unterzogen, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte.


Die Grüne Jugend protestiert: Diese Meldung ist hetero-normativ-sexistisch. Sie unterschlägt, dass auch Männer mittels Kaiserschnitt Kinder gebären können. Außerdem wurde ist der Begriff »Bund« nationalistisch und Vergleiche zwischen den Bundesländern sind wettbewerbsorientierte Kackscheiße. Die Meldung ist neu zu formulieren:

In Sachsen entbinden einige Gebärend_e per Kaiser_innen_Schnitt. Jede_s vierte im Krankenhaus Gebärend_e wurde im vergangenen Jahr der Operation unterzogen, wie das Amt am Mittwoch mitteilte.


Die AfD-Sachsen kommentiert:

Die niedrige Rate der Kaiserschnitte in Sachsen zeigt die enge Verbundenheit zwischen natürlicher Heimat und natürlicher Geburt. Jede sächsische Frau sollte mindestens drei Kinder ohne Kaiserschnitt zur Welt bringen. (Und Frauke Petry sollte samt all ihren Kindern schnellstens aus Sachsen verschwinden.)


Mehrere Studierende der Hochschule für Bildende Künste fanden sich auf dem Neumarkt zur spontanen Brecht-Performance »Der Schoß ist fruchtbar noch« zusammen.


Die Tagesschau meldete am Abend:

Wie eine Untersuchung der Heinrich-Böll-Stiftung zeigt, lehnen die Sachsen moderne Geburtstechniken aufgrund latenter Fortschrittsängste und starker rechtsradikaler Tendenzen weitgehend ab.

[Danke an Helge!]


Der Tagesspiegel-Journalist Matthias M. kommentiert:

Die niedrige Rate der Kaiserschnitte in Sachsen ist letztlich ein Ergebnis der selbstgefälligen und rückwärtsgewandten CDU-Politik. Die zivilgeburtlichen Gruppen müssen mit viel mehr Geld gefördert werden. Das ist aber letztlich nur in einer #R2G-Koalition unter Führung der Linkspartei möglich.


Das Göttinger Institut für Geburtsforschung soll nun die niedrige Rate der Kaiserschnitte in Sachsen im Auftrag der Ostbeauftragten der Bundesregierung untersuchen. Man einigte sich auf die Befragung von 15 Erstgebärenden in drei alternativen Geburtshäusern, die keine Kaiserschnitte durchführen. Es bestünde weiterer Bedarf an Fördergeld, sagten die Forscher_innen am Rande einer Pressekonferenz.


Bleibt am Ende Claudias Frage:

Sollten Sachsen sich weiter vermehren dürfen?


Es kommen noch Ideen für Ergänzungen. Sie werden unter dieser Anmerkung eingefügt.


Ministerpräsident Tillich hat auf die niedrige Rate der Kaiserschnitte in Sachsen reagiert. Er sagte im Deutschlandfunk, man dürfe »nicht allein den Weg über die Mitte gehen«. Tillich:

Gehen Sie mal davon aus, dass die sächsische Union das Ziel hat, in diesem Ranking auch 2019 an der Spitze zu stehen.


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3 Responses to Sachsen hat die geringste Kaiserschnitt-Rate

  1. Klaus W. sagt:

    Herrlich, bitte viele Fortsetzungen/Erweiterungen!

  2. Demonstrant sagt:

    Schöne Satire.

    Weg von der Satire, es gibt einen ersten Hintergrund. Jede Operation ist mit einem Operationsrisiko verbunden.
    Zum Kaiserschnitt und anderen Eingriffen eine (ja, so was gibt es auch) sehenswerte Reportage der ARD

    Operieren und kassieren – Ein Klinik-Daten-Krimi

    http://www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokumentation/Operieren-und-kassieren-Ein-Klinik-Dat/Das-Erste/Video?bcastId=799280&documentId=43636430

    • stefanolix sagt:

      Selbstverständlich soll der Ernst nicht zu kurz kommen. Viele Expertinnen und Experten sagen, dass die natürliche Geburt der Normalfall sein sollte. So gesehen – abseits aller Ironie und Satire – sind die Frauen und die Kliniken/Geburtshäuser in Sachsen also recht vernünftig.

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