Plädoyer für einen handwerklich guten Journalismus

Die Zeitschrift Cicero veröffentlichte gestern einen Gastbeitrag [Link] des Rechtsanwalts Georg Strate, der in den sozialen Netzwerken viel Aufmerksamkeit, Widerspruch und Zustimmung erhalten hat. Strate bezieht sich darin auf Georg Restles Beitrag »Plädoyer für einen werteorientierten Journalismus« [Link].

Aufmerksamkeit, Widerspruch und Zustimmung wurden nicht zuletzt dadurch verstärkt, dass in dem Artikel das Wort »haltungsbesoffene Redakteure« vorkommt. Das ist in der Tat ungehörig: Man sagt als kultivierter Mensch natürlich »haltungstrunken« oder »haltungsberauscht« ;-)

Aufmerksamkeit, Widerspruch und Zustimmung hätte der Cicero-Gastbeitrag aber aus ganz anderen Gründen verdient: Gastautor Georg Strate schreibt streckenweise an Georg Restles Artikel vorbei und projiziert seine eigenen Urteile hinein. Das Wort »Haltung« kommt in Georg Restles Artikel nicht vor und für Strates Urteil

[Georg Restle] maßt sich und der journalistischen Zunft an, zu bestimmen, welche Haltung die einzig ›richtige‹ wäre und in der Folge Kollegen mit der ›falschen‹ Haltung aufs Abstellgleis zu befördern.

gibt es keine belastbare Grundlage. Georg Restles Artikel muss hart kritisiert werden, weil er als Führungskraft ein falsches Vorbild für die Journalisten des WDR entwirft. Aber er muss auch fair kritisiert werden. Zu Beginn seines Artikels schreibt Restle

Die Forderung an uns klingt dabei immer gleich: Objektiv sollen wir gefälligst sein, neutral und ausgewogen – als sei die Wahrheit ein Schatz in tiefer See, der nur noch gehoben werden muss.

Nun kann ich nicht beurteilen, welche Forderungen Georg Restle zu hören bekommt. Aber es ist unplausibel, wenn er den Kritikern die Vorstellung von einem »Schatz in tiefer See« unterstellt, nur um nachher ausführen zu können:

Es ist eine klare, einfache Vorstellung und sie würde uns die Arbeit erheblich leichter machen – nur der Wahrheit, oder was viele darunter verstehen, kämen wir damit wohl kaum näher.

Warum ist das unplausibel? Weil jeder vernünftige Mensch weiß, dass die reine Wahrheit ein Ideal ist, das niemals erreicht werden kann. Aber wir wissen auch, dass eine Medaille zwei Seiten und ein Würfel sechs Flächen hat. Und wir erwarten, dass Journalisten über beide Seiten der Medaille und über mindestens fünf Flächen des Würfels berichten.

Indem Georg Restle ein unerreichbares Ideal der reinen Wahrheit darstellt, senkt er sehr geschickt die Anforderungen an den Journalismus: Wenn das Ideal sowieso nicht erreicht werden kann, muss man sich folglich ein anderes Ziel setzen. Dieses neue Ziel lautet bei Restle aber nicht »Lasst uns jede Medaille einmal umdrehen und jeden Würfel aus mindestens fünf Perspektiven betrachten!«.

Georg Restles Ziel lautet vielmehr: Lasst uns »werteorientiert« und »nicht neutral« berichten. Das bedeutet: Es hängt nur noch von den Werten des Journalisten ab, ob er die Medaille umdreht und ob er den Würfel aus mehreren Perspektiven betrachtet. Bevor Restle dieses Ziel begründet, wirft er in seinem Artikel eine weitere Nebelkerze:

Wo sich fast jeder, der über einen Facebook- oder Twitter-Account verfügt, als Medium begreift und Meldungen sich im Millisekundentakt über die Welt ergießen, gleichrangig, ungeprüft und sofort tausendfach kommentiert, kommt Journalismus an seine physischen und psychischen Grenzen – und wird zunehmend manipulierbar.

Tatsache ist: Die meisten Äußerungen und Kommentare werden nur von ganz wenigen Menschen beachtet, weil ihre Absender keine Reputation haben und keine Interessenten (Follower) binden. Nur wenige Medien haben eine nennenswerte Reichweite und damit einen nennenswerten Einfluss.

Aber zur Manipulierbarkeit des Journalismus gibt es gerade heute ein sehr schönes Beispiel. In den Nachrichten des Deutschlandfunks und in vielen anderen Medien wurde vermittelt: Gesetzliche Krankenversicherungen bieten nach einer Studie oft bessere Leistungen als die privaten Krankenkassen.

Meldungen über eine Studie im Auftrag der Grünen (Klick auf das Bild vergrößert die Ansicht).

Tatsächlich handelt es sich um eine Auftragsstudie der Grünen, die am heutigen Morgen (28.12.2018) gar nicht veröffentlicht war. Sekundärquelle war ein Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland [Link], den man nur aufmerksam lesen musste, um die Schwächen der Studie zu erkennen.

Die Redaktionen hätten die Medaille also einfach nur umkehren müssen, um die Qualität der Studie und die Botschaft der Grünen zumindest zu hinterfragen. Nach Georg Restle wäre aber folgendes Vorgehen »wertorientierter Journalismus«: Wer gesetzliche Krankenkassen für wertvoller als private Krankenkassen hält und wer die Chancen der Grünen befördern möchte, wird als Journalist die Kehrseiten der Studie natürlich nicht hinterfragen. Denn mit Recherchieren macht man sich bekanntlich nicht nur die schönsten Geschichten kaputt, sondern man kann auch an die Grenzen der eigenen Werteorientierung stoßen.

Ich will hier nicht unterstellen, dass die deutschen Medien am Morgen des 28.12.2018 aus reiner Werteorientierung weitgehend dasselbe geschrieben haben. Möglich sind auch die Erklärungen Zeitdruck, Bequemlichkeit und Abhängigkeit von Agenturmeldungen. Aber an diesem Beispiel kann man gut zeigen, welche Gefahr darin liegt, wenn niemand mehr Wert auf die von Georg Restle gescholtene Objektivität legt. Restle beschreibt die Gefahr, dass

[…] Journalisten im Neutralitätswahn nicht mal mehr wahrnehmen, wenn sie längst zum verlängerten Arm derer geworden sind, die mit ihrem ständigen Beharren auf journalistischer Objektivität nur ihre eigene Agenda oder ihre eigenen Geschäftsinteressen im Sinn haben.

Das Beispiel der Studie über die Krankenkassen zeigt, wie wichtig diese obskure »Objektivität« ist: Mit der beauftragten Studie wollen die Grünen ihre Agenda (Gesetzliche Krankenversicherung und Bürgerversicherung) gegen die Private Krankenversicherung durchsetzen. Ein »werteorientierter Journalismus« lässt das so durchgehen, weil das bestellte und gelieferte Ergebnis der Studie zweifellos bestimmten Werten entspricht. An der Objektivität orientierter Journalismus schaut sich dagegen beide Seiten an und hinterfragt vor allem die Interessen der Auftraggeber der Studie. Georg Restle schrieb am 27.12.2018 auf Twitter ergänzend:

»Haltung rechtfertigt keine Lügen. Im Gegenteil: Journalistische Haltung setzt Wahrhaftigkeit voraus.« [Link]

Aber es geht hier gar nicht um den Gegensatz zwischen Wahrheit und Lüge. Es geht um das Weglassen eines Teils der Wahrheit, es geht um das Umdrehen der Medaille. Die Journalisten, die heute unkritisch über die Krankenkassenstudie berichtet haben, lügen ja keineswegs – sie lassen nur entscheidende Informationen weg. Der Deutschlandfunk verlas heute Morgen:

Gesetzliche Krankenversicherungen bieten nach einer Studie oft bessere Leistungen als die privaten Krankenkassen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion, die dem Redaktions-Netzwerk Deutschland vorliegt. Danach wird selbst bei den teuren Premium-Tarifen der privaten Versicherer rund ein Viertel der Mindestanforderungen nicht erfüllt. Bei den gesetzlichen Kassen sind es nur drei Prozent. [Link]]

Was der Deutschlandfunk berichtet, ist keineswegs gelogen. Was aber fehlt: Wer hat die Mindestanforderungen festgelegt? Nach welchen Kriterien wurden die verglichenen Leistungen ausgewählt? Wie viele Leistungen gibt es insgesamt und wie viele davon wurden in die Studie einbezogen? Wie können sich privat Versicherte im Gegensatz zu gesetzlich Versicherten ihre Leistungen zusammenstellen? Wo sind eventuell die privaten Versicherungen besser? Und wie sehen die Beiträge im Vergleich aus? [Ergänzung am 29.09.2018: Link zur politischen Zusammenfassung der Auftragsstudie bei der Grünen-Bundestagsfraktion]

Georg Restle stellt sich und den Journalisten die Frage:

Die Frage lautet also, ob wir das wirklich wollen: nur abbilden, was die Kampagnenführer aus Staats-, Partei- oder Konzernzentralen multimedial verbreiten?

Die Antwort lautet: Viele Journalisten tun leider genau das! Sie verbreiten »Studien«, sie verbreiten die Antworten auf geschickt gestellte »Kleine Anfragen« der Opposition, sie verbreiten Pressemitteilungen der Interessengruppen. Entweder tun sie es aus »Wertorientierung« oder sie tun es aus Bequemlichkeit oder sie müssen es wegen des Zeit- und Leistungsdrucks tun.

Deshalb muss das Plädoyer lauten: Journalisten sollen aus ihren Möglichkeiten das Beste machen. Sie dürfen sich nicht an ihren persönlichen Werten orientieren, sondern sie müssen die Medaille wenigstens anheben, um zu schauen, was auf der anderen Seite verborgen sein könnte.

Abschließend noch ein Zitat, das die Intelligenz der Leserinnen und Leser, der Journalistinnen und Journalisten und im Grunde auch Georg Restles Intelligenz beleidigt:

»Und meinen wir wirklich, neutral und ausgewogen zu sein, wenn wir nur alle zu Wort kommen lassen, weil die Wahrheit schließlich immer in der Mitte liegt? Und wenn die Mitte immer weiter nach rechts wandert, liegt die Wahrheit eben bei den Rechten? Und wenn die Mitte verblödet, bei den Blöden?«

[…]

»Nein, mit einem solchen Verständnis von Journalismus will ich nichts zu tun haben, auch weil die Wahrheit höchst selten in der Mitte liegt – schon gar nicht in Zeiten des millionenfachen Geblökes der ›sozialen‹ Netzwerke.«

Kein vernünftiger Mensch hat jemals behauptet, dass die Wahrheit in der Mitte läge und dass jeder blökende Blöde zu Wort kommen müsse. Kein vernünftiger Mensch hat jemals die Position vertreten, dass dieses Zerrbild objektiven Journalismus darstelle. Das ist ja noch peinlicher als das nachgeschobene Carolin-Emcke-Zitat

»Das Mantra vom ›Wir versuchen nur darzustellen, was ist‹ zeugt keineswegs von selbstkritischer Objektivität, sondern von selbsthypnotischer Verantwortungslosigkeit.«

Es spricht (um zum Ende zu kommen) noch ein weiteres wichtiges Argument gegen »werteorientierten Journalismus«: Wer legt eigentlich die Werte fest? Heute sind unter Journalisten bestimmte grüne und soziale Werte hoch im Kurs. Eine maßgebliche Journalistin der ARD bejubelte ganz im Sinne der richtigen »Werteorientierung« die Stimmung auf einem Grünen-Parteitag und das neue Führungsduo der Grünen.

Aber in der DDR bekamen Journalisten andere Werte vorgegeben. Im heutigen Ungarn sind es für die Mehrheit der regierungsorientierten Journalisten noch einmal ganz andere Werte. Auch wenn sich beide Beispiele in vielerlei Hinsicht unterscheiden: Die Erfahrung zeigt, dass sich die meisten Journalisten den Werten der Regierung oder den Werten der Mehrheit anschließen. Wenn solche Zeiten anbrechen, ist jedes Stück handwerklich guter Journalismus Gold wert. Werteorientierte Haltung bekommt man dagegen hinterhergeworfen.

Was ich damit sagen will: Werte können sich schnell ändern, aber handwerklich guter Journalismus ist ein Wert an sich. Nur eine Minderheit der Journalisten hinterfragt heute noch mit ökonomischem und technischem Sachverstand komplexe Themen wie die Energiewende, die Verkehrswende oder die Geldpolitik. Sich dagegen »werteorientierte« Geschichten in der Art eines Claas Relotius auszudenken, ohne Recherche und Hintergrundwissen – das macht keine Arbeit. Man bekommt dafür Journalistenpreise und ein großes Lob von Georg Restle.


Ergänzung 1: Diesen Beitrag kannte ich beim Schreiben leider nicht: Georg Restle und das Verschwinden der Öffentlichkeit von Lucas Schoppe. Er erschien kurz nach dem auslösenden Beitrag von Georg Restle.


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16 Responses to Plädoyer für einen handwerklich guten Journalismus

  1. Werwohlf sagt:

    Kein vernünftiger Mensch hat jemals behauptet, dass die Wahrheit in der Mitte läge und dass jeder Blöde zu Wort kommen müsse. Kein vernünftiger Mensch hat jemals die Position vertreten, dass dieses Zerrbild objektiven Journalismus darstelle. Das ist ja noch peinlicher als das nachgeschobene Carolin-Emcke-Zitat

    Das ist des Restles Kern. Er weiß nämlich schon, wo die Wahrheit liegt: grundsätzlich auf seiner Seite. Und wer etwas anderes behauptet, ist eben ein „Blöder“. Deswegen kann er leider nicht anders und nur seine Meinung berichten.
    Emcke sagt dankenswerterweise, woher dieser Wind weht und wandelt leicht das Glaubensbekenntnis der Postmodernisten ab: Es gibt keine Wahrheiten! Ungesagt: Denn alles sei eine Machtfrage. Was wiederum hinausläuft auf: Sag mir, wo du stehst! Haltung!

    Es ist wichtig, sich vor Augen zu halten, dass das längst nicht mehr nur die obskure Sichtweise alter Marxisten ist, sondern sich in den Blasen der üblichen verdächtigen, akademischen Zirkel als Mainstream durchgesetzt hat, unbemerkt vom Rest der Welt, aber mittlerweile ständig in diese hinein wirkend.

    Der Irrtum vieler Rechter ist, diesen Journalisten Regierungshörigkeit zu unterstellen, denn in Wirklichkeit tun sie das, was sie tun, aus tiefster Überzeugung, so dass die entsprechende Kritik auch völlig an ihnen abperlt.

    Es gibt aus meiner Sicht zwei Frontlinien gegen die Demokratie, der 1990 noch viele Ostdeutsche aus Überzeugung beitreten konnten: einmal der Drang zu immer mehr Zentralismus, mit der Zwischenstation EU und dem Endwunsch Weltregierung (völlig absurder Humbug, aber wahnsinnig populär), und dann eben die postmodernen Angriffe gegen alles, was bislang als Wahrheit gelten konnte, weil es wissenschaftlichen Kriterien genügt, wenn es nicht in die Weltsicht der SJW-„Aktivisten“, sorry: „AktivistInnen“, hinein passt. Bei ersterem spielen zum Glück die anderen Europäer nicht mit, aber der letztere Unfug hat praktisch alle westlichen Gesellschaften befallen und ließe sich nur durch Austrocknung der von diesen Leuten genutzten Geldtöpfe beseitigen.

    • stefanolix sagt:

      Fazit: Wenn werteorientierter Journalismus solche Artikel wie den zitierten von Georg Restle hervorbringt, dann möchte ich bitte nur noch die andere Seite sehen.

      Mir ist aber über Nacht noch etwas anderes eingefallen. In der Wirtschaft gibt es diverse Methoden, um einen Sachverhalt von allen Seiten zu analysieren. Man muss diese Methoden nicht alle gut finden und nicht immer werden sie richtig eingesetzt. Aber im Kern ist das noch ein Konflikt zwischen handwerklich gutem und werteorientierten Journalismus. Man kann es an einem prominenten Beispiel zeigen.

      Werteorientierter Journalismus vertritt: Aufgrund der Erderwärmung müssen wir in möglichst kurzer Zeit auf 100 % »erneuerbare Energiequellen« umsteigen. Er verbreitet die Informationen, die dieser Lösung dienlich sind.

      Handwerklich guter Journalismus fragt:

      1. nach den technischen Chancen, nach der Realisierbarkeit und den Risiken, nach dem Wirkungsgrad der technischen Lösungen;

      2. nach der Methodik zur Einführung neuer bzw. zur Ersetzung alter Elektroenergieerzeugung;

      3. nach dem Management der Energiewende durch Staat, Bundesländer, Kommunen und Unternehmen;

      4. nach den Wechselwirkungen mit der natürlichen Umwelt sowie mit dem europäischen und weiteren Ausland;

      5. nach den sozialen Auswirkungen auf die Menschen: Wem wird genommen und wem wird gegeben, mit welchen Konsequenzen für Individuum und Gesellschaft;

      6. nicht zuletzt: nach der richtigen Messung, Datenerhebung und Statistik.

      • Michael_DD sagt:

        stefanolix sagte: Es spricht … noch ein weiteres wichtiges Argument gegen »werteorientierten Journalismus«: Wer legt eigentlich die Werte fest? Heute sind unter Journalisten bestimmte grüne und soziale Werte hoch im Kurs. … In der Wirtschaft gibt es diverse Methoden, um einen Sachverhalt von allen Seiten zu analysieren. Man muss diese Methoden nicht alle gut finden und nicht immer werden sie richtig eingesetzt. Aber im Kern ist das noch ein Konflikt zwischen handwerklich gutem und werteorientierten Journalismus.

        Was spricht gegen einen Journalismus, der sich in den Auseinandersetzungen dieser Zeit auf Werte beruft, wie sie im GG geschrieben stehen, der sich auf die jüdisch-christlichen Wurzeln des Abendlandes beruft?! Leider wird in dieser Tradition das Römische Recht vergessen, welches unsere Rechtsauffassung stark, im positiven Sinne, beeinflußte. Dieser Journalismus ist nicht automatisch handwerklich schlecht.
        Wie benennt man eigentlich den Journalismus einer Anja Reschke, die mutig kommentierend offene Türen einrennt und einen neuen Aufstand der Anständigen forderte? Oder den von Professorin Krone-Schmalz (ab 8:00min), welche ungeniert die Annexion der Krim wegredet?

      • Demonstrant sagt:

        „Was spricht gegen einen Journalismus, der sich in den Auseinandersetzungen dieser Zeit auf Werte beruft, wie sie im GG geschrieben stehen,“

        Aber genau das tun sie ja, diese in journalistischer Mimikry daherkommenden Propaganda-Aktivist_I*nnen.
        Alle singen das Loblied des GG Art. 1.
        Die kriegen sich allesamt nicht ein vor Menschenwürde und Würde des Menschen.

        Fachübergreifend. Nicht nur die journalistischen, auch alle anderen Sauereien werden mit GG Art. 1 begründet.
        Dublin-Abkommen?
        Aufenthaltsgesetz?
        Aufgaben der Bundespolizei?
        GG Art. 16a (2)?
        Sch. drauf. Über allem thront die Menschenwürde.
        Und die Würde des Menschen.

    • Michael_DD sagt:

      stefanolix : Sich dagegen »werteorientierte« Geschichten in der Art eines Claas Relotius auszudenken, ohne Recherche und Hintergrundwissen – das macht keine Arbeit. Man bekommt dafür Journalistenpreise und ein großes Lob von Georg Restle.

      Apropos Journalistenpreise, Vera Lengsfeld beschreibt Vorgänge um die Wahl eines Jury-Mitgliedes.

  2. Herr M. sagt:

    Ich denke nicht, dass „haltungsbesoffen“ ein falscher Begriff ist. Trunken würde man noch positiv deuten können, besoffen nicht mehr. Wenn man also diese Einstellung negativ bewertet, dann ergibt Besoffenheit deutlich mehr Sinn. Ich empfinde das nicht als ungehörig, aber ich bin zugegebenermaßen auch nicht das Ziel der Kritik. Im Übrigen kann man das auch einfach nur als Replik auf Restles „Neutralitätswahn“ verstehen. Quid pro quo.

    Auch den zweiten Kritikpunkt kann ich nicht nachvollziehen. Ob Restle den Begriff Haltung benutzt oder nicht, ist für die Beurteilung wenig relevant. Restles Geplapper von „Werten“ läuft auf eine Haltung/Einstellung hinaus, die er ja auch selbst definiert: mutige und entschiedene Humanisten soll(t)en Journalisten sein. Wenn das nicht der Ruf nach der richtigen Haltung ist, was ist es dann? Es ist der Ruf nach Journalismus, dem die richtige Ideologie – und der Humanismus ist eine Ideologie – zugrunde liegt.

    Einzig die Aussage, dass Kollegen mit der falschen Haltung dann aufs Abstellgleis befördert würden, lässt sich aus Restles Text nicht direkt ableiten. So weit hergeholt finde ich das aber auch nicht. Ich erinnere mich da an die freie Mitarbeiterin (Psychologin?) irgendeines Provinzblattes, die dort nicht mehr schreiben darf, weil sie die „falsche“ Meinung zu einer Schwulenhochzeit hatte.

    Ich halte es jedenfalls für sehr viel unwahrscheinlicher, dass ein Journalist entlassen oder gar nicht erst eingestellt wird, wenn – neben dem Handwerk – die einzigen Anforderungen Objektivität und Neutralität sind.

    • stefanolix sagt:

      Ich sehe hier die Konkurrenz zweier Grundprinzipien: »Sagen, was ist« (Aufklärung der Leser) und »Sagen, was zu den Werten passt« (Lenkung der Leser). Die Werte müssen aber nicht notwendigerweise aus einer politischen Haltung oder Ideologie abgeleitet sein.

  3. daucus sagt:

    Ich finde, man kann sich allzuviel Kleinklein sparen.

    Es ist wie meistens. es wird vordergründig nicht darauf abgehoben, dass das Gesagte nicht stimmt, sondern ‚dass man das doch so nicht sagen darf‘.

    Sie können mit einem schwer gläubigen Prediger jeglicher Schattierung nicht über Aufklärung, ideologiefreie Weltbetrachtung whatever reden: Es wäre für die Katz.

  4. Demonstrant sagt:

    Restles Machwerk wurde Anfang Juli veröffentlicht, Hadmut Danisch hat es bereits am 5. Juli auseinandergenommen (Matschjournalismus). Daneben noch Lucas Schoppe (von dem ich bis jetzt nichts wusste, danke für den Link), das war es schon so gut wie, viel mehr haben es gar nicht bemerkt.

    Seitdem die Relotius-Fakes rausgekommen sind melden sich immer mehr Leute die zugeben, dass sie es schon immer gewusst haben.

    Strate. Er geriert sich gern als Ritter des Rechts. Allerdings gibt es in seiner Vita auch so Sachen wo einem [Editiert: Keine hier nicht beweisbaren Unterstellungen in dieses Blog tragen!] einfällt (selbstverständlich zu Unrecht und in totaler Verkennung der Sach- und Rechtslage, nur damit das klar ist).

    Strate hat den Restle offenbar nur als Brett zum Aufspringen auf den Relotius-Zug genommen. Wahrscheinlich hat er erst den Text zu Relotius verfasst und danach die Restle-Einleitung an den Anfang geklebt.

    Was Strate schreibt ist nicht originell (inhaltlich waren andere schon Tage vorher so drauf), aber auch nicht falsch.
    Zwar hat Restle im verlinkten Artikel „Haltung“ nicht verwendet, doch er kommt zweifellos aus dem Haltungsmorast, in dem Propagandaaktivistin Anja-Reschke ihr Unwesen treibt und in dem die mehrfach preisgekrönte Golineh Atai ins Restle-Horn stößt:
    Wir unterrichten das unter anderem unseren eigenen Volontären. Und machen uns dabei Gedanken, wie Themen gesetzt und Wirklichkeiten geschaffen werden.

    Wirklichkeiten schaffen.

    Da kann man nicht meckern, im Sinne von Restle & Gen. hat der Claas hat den Auftrag erfüllt.
    Übererfüllt.

  5. Michael_DD sagt:

    Manipulierbarkeit + Manipulierung, Freiwilligkeit + Meldepflicht

    stefanolix sagte: Aber zur Manipulierbarkeit des Journalismus gibt es gerade heute ein sehr schönes Beispiel. In den Nachrichten des Deutschlandfunks und in vielen anderen Medien wurde vermittelt: Gesetzliche Krankenversicherungen bieten nach einer Studie oft bessere Leistungen als die privaten Krankenkassen.

    Hervorhebung von mir.
    Diese Meldung habe ich in der Tageszeitung überflogen und eingeordnet unter „na und, …“. I.Ü. fühle ich mich in DD als Kassenpatient gut versorgt ; auch mit Fachärzten.
    Es gibt schlimmeres. Nach den Demos in Chemnitz sprach der Regierungssprecher Seibert von „Hetzjagden auf Ausländer“. Diese Falschaussage im Plural plapperte Merkel nach und mindestens die halbe Medienlandschaft übernahm. Als Maaßen, der Chef des Verfassungsschutzes dem widersprach, wurde er gefeuert. Das nenne ich einen Skandal! Das Ganze erinnert mich an einen ähnlichen Fall, wenn auch eine Nummer kleiner (*).
    Das Gegenstück zur Manipulierbarkeit des Journalismus ist Manipulierung mittels Journalismus. Dazu ein Beispiel im Kontext Migration.
    Es ist bekannt, daß die Mehrheit der Flüchtlinge ohne Papiere, dafür aber zu 99% mit Smartphone ankommen. Deshalb hat das BAMF in 2017 begonnen, diese auszulesen zwecks Feststellung der Herkunft. Im Juli 2018 schrieb die SZ:

    Flüchtlinge – Auswertung von Handys bringt kaum Nutzen
    Nur in etwa 100 Fällen hätten sich in den neun Monaten seit September 2017 Hinweise auf Widersprüche ergeben zwischen den Handydaten und den eigenen Angaben der Asylsuchenden. Zum Vergleich: In diesem Zeitraum wurden rund 230 000 Asylanträge entschieden.

    Zum Vergleich hätte die SZ die Anzahl der ausgelesenen Handys bringen müssen.
    Der Hintergrund dieses SZ-Artikels ist die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der auskunftsfreudigen Ulla Jelpke (MdB, Die Linke): In der erweiterten Pilotierungsphase für das Auslesen von Datenträgern von September 2017 bis zum 27. Mai 2018 wurden 14 943 Datenträger ausgelesen. Der Prozentsatz der auf Anfrage des Entscheiders durch den Volljuristen bereitgestellten Auswertungen beläuft sich im Mittel auf etwa 33 Prozent. Von allen Auswertungen stützen ca. ein Drittel die Aussagen der Antragsteller, in ca. 2 Prozent ergaben die Auswertungen widersprüchliche Angaben, die verbleibenden Auswertungen (ca. 65 Prozent) ließen hinsichtlich Identität und Herkunft keinen relevanten Informationsgehalt erkennen.
    Mit anderen Worten :
    – 14.943 Datenträger ausgelesen
    – 33% davon ausgewertet, sind 4931
    – von 4931 sind ca. 2% widersprüchlich
    – das sind die 100 !!
    Es gab in der reformfreudigen bundesdeutschen Pädagogik mal statt Mathematik das Fach Mengenlehre. Aus der Ferne habe ich davon soviel verstanden, daß die Besitzer der 14 943 ausgelesenen Datenträger eine Teilmenge der o.e. 230.000 Asylantragsteller darstellen. Das sind ca. 6%. In der Statistik gibt es den Begriff der Grundgesamtheit. Es ist absolut unzulässig die 100, welche aus der Grundgesamtheit 14.943 stammen, auf die 230.000 entschiedenen Asylanträge zu projizieren. Um die Wirksamkeit von Auslesungen zu prüfen, müßte man wissen und vergleichen, wieviel Asylbetrüger wurden bei den entschiedenen 230.000 Asylanträgen herausgefischt, ohne Daten-Auslesung. Man muß auch wissen, daß die Auslesung auf der Basis der Freiwilligkeit beruht.
    Das Ganze habe ich hier gefunden: Fassen wir die Fakten zusammen, diesmal die echten: Die große Mehrheit der Schutzbegehrenden meldet sich hierzulande ohne Pass oder vergleichbare Dokumente. Anfang 2016 waren es nach Angaben der Bundespolizei fast 80 Prozent. Laut BAMF-Schätzungen von Anfang 2017 sind es im Mittel ungefähr 60 Prozent, die ohne ein Identifikationsdokument Asyl oder Flüchtlingsschutz beantragen. Genaue Zahlen gibt es nicht, weil das BAMF dieses Merkmal statistisch nicht erfasst.
    Unglaublich.
    Hier das Kontrastprogramm für die, die schon länger hier leben, genannt Meldepflicht : Bei einem Wohnungswechsel/Umzug in Dresden drohen mir 1.000 € Bußgeld, wenn ich diesen nicht innerhalb von 14 Tagen der Behörde melde.
    (*) Ich habe mich immer gewundert, wieso die charmante Katrin Huss des MDR plötzlich weg vom Fenster war. Hier ist die Erklärung.

  6. Demonstrant sagt:

    Das Wort »Haltung« kommt in Georg Restles Artikel nicht vor“

    Nicht nur Strate hat in Restles Artikel eine Haltung gesehen.
    Auch ein anderer hier wohlbekannter, durchaus seriöser Autor hat sich in einer Replik auf die Restle-Suada auf eine mutmaßliche Haltung kapriziert

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