Über die Erregung öffentlicher Ergüsse

Ich bitte im Voraus um Verständnis, dass ich heute mit dem Erreichen von Peak #Omagate etwas sarkastisch werden muss. Aber anders lässt sich das nicht mehr aushalten.

Mit einer gewissen Verzögerung hat sich Sascha Lobo in seiner heutigen Kolumne zu den Vorgängen rund um #Omagate und Connewitz zu Wort gemeldet. Er prägt darin den Begriff »Praecox-News« oder »Vorzeitiger Nachrichtenerguss«. Nun ist – um das etwas feuchte Bild auch zu verwenden – ein verzögerter Erguss sicher besser als ein vorzeitiger. Aber ist Sascha Lobos Kolumne auch inhaltsreicher?

Eigentlich stand ja das Urteil der meisten Medien ja schon fest: Die bösen Rechten haben das #Omagate organisiert und die böse BILD hat die Erregung noch verstärkt.

Um das Narrativ von der Erregungswelle der bösen Rechten zu stützen, engagierte der WDR zwei Aktivisten Analysten und ließ sie zu dem gewünschten Ergebnis kommen. Bereits vorher hat der SPIEGEL etwas Ähnliches versucht und die beiden Autorinnen hatten nicht unbedingt Glück mit ihrer Beweisführung. Sascha Lobo hat es klugerweise vermieden, diese Ergüsse zu erwähnen. Er schreibt:

Die #Umweltsau ist überhaupt nur groß geworden, weil NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und die »Bild«-Zeitung auf den Zug der Empörung aufgesprungen sind. Der wiederum von Rechten angeschoben oder initiiert worden sein mag – an dem sich aber schon kurze Zeit später eine Vielzahl verschiedener Leute mit unterschiedlichem politischen Hintergrund beteiligt hat.

Mit dem Link in seinem Text ruft er Martin Hoffmann als Experten auf, der uns in einem betont sachlichen und analytischen Thread dankenswerterweise beschrieben hat, wie #Omagate überhaupt entstanden ist. Kostprobe:

Denn kurz darauf kriechen die ersten (meist rechten) Twitterer aus ihren Löchern und kritisieren den Auslöser in drastischen Worten. Sie greifen dabei oft zu Beleidigungen und schiefen, aber drastischen Vergleichen – und setzen damit den Ton für die weitere Debatte.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mir kann man ja mit diesem Tiervergleich »aus den Löchern kriechen« nahezu jedes schiefe Argument verkaufen. An einer anderen Stelle seiner Twitter-Expertise postuliert Martin Hoffmann:

»Spätestens jetzt steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ganz gezielt rechtes Astroturfing über Telegram, Discord & Co. organisiert wird.«

Und wer braucht schon Belege, wenn er Wahrscheinlichkeiten haben kann? – Es entbehrt nicht einer gewisse Ironie, dass sich Sascha Lobo gleichzeitig gegen vorzeitige Erregungsergüsse positioniert und solche Meinungsäußerungen verlinkt. Damit haben wir nun aber endgültig Peak #Omagate erreicht und können uns wichtigeren Dingen zuwenden.


2 Responses to Über die Erregung öffentlicher Ergüsse

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