Aktionsradio

20. Februar 2011

Militante Aktionen brauchen einen militanten Sound. Militante Aktionen brauchen Rechtfertigung. Militante Aktionen setzen voraus, dass der Gegner verächtlich gemacht wird.

Herzlich Willkommen! Mit’m Pflasterstein
Holst du die Bullen, kann’s auch mal ein Mollie sein.
Weil — nehmt ihr uns die Häuser ab,
hauen wir euch die City platt!
Ich spür schon jetzt den Duft von Barrikaden

Weil aber auch ein coloRadio-Redakteur weiß, dass der »Duft der Barrikaden« eventuell falsch aufgefasst werden könnte, wurden die Barrikaden stümperhaft übersprungen. Es wurde dorthin gesprungen, wo die Militanten die Unterstützung »vom Pizzaladen« bekommen. Aber die Zielgruppe kennt ja ihre Musik. Hier ist das Original des Liedes. Mit solcher Musik soll eine Rechtfertigung für Gewalt geschaffen werden. Mit solcher Musik soll der Gegner Polizei verächtlich gemacht werden.

Ich appelliere an alle friedlichen Demonstranten aus Dresden: Es braucht Mut, sich gegen Nazis auf die Straße zu stellen. Es braucht noch mehr Mut, sich kritisch mit der eigenen Seite auseinanderzusetzen. Habt diesen Mut! Macht Coloradio klar, dass militanter Sound niemals die Unterstützung einer friedlichen Aktion sein kann.

Die Musik der Militanten ist nicht für friedliche Blockaden gedacht. Die Gewalt der Linksextremen war in diesem Jahr so schlimm wie noch nie. Distanziert Euch von der Gewalt auf der Straße und distanziert Euch von der Gewalt aus dem Lautsprecher!

Coloradio fordert Mittel aus Steuern und Abgaben. Coloradio bittet um Spenden und betont, dass Spenden steuerlich absetzbar sind. Ich fordere eine Offenlegung der kompletten Sendemitschnitte vom 13. und 19. Februar. Wenn sie so stolz auf das tolle Aktionsradio sind, dann dürfte das ja kein Problem sein. Dann können sich unabhängige Leute mit den Mitschnitten befassen. Vielleicht habe ich mich ja verhört, als die Polizei als »Sixpacks« diffamiert wurde. Doch ein Beispiel von gestern habe ich noch:

Aus dem Weg, Kapitalisten,
Die letzte Schlacht gewinnen wir
Schmeisst die Knarre weg, Polizisten,
Die rote Front
Und die schwarze Front sind hier.

Das war ja gestern nicht zu übersehen.


Nachdem ich über Stunden die Berichterstattung und die Kommentare verfolgt hatte, kam mir die PR-Mitteilung der Sprecherin im Vorfeld des 13. Februar wie ein Hohn vor:

Ausserdem wird coloRadio am 13. und am 19. Februar schneller als jede Nachrichtenagentur sein und bietet damit kritischen Journalisten eine gute Arbeitsgrundlage.

Aber gern. Wo sind die Mitschnitte? Ich bin kritisch und brauche eine gute Arbeitsgrundlage ;-)



ColoRadio: Die Kritik als Chance

17. Januar 2010

Ich habe in den letzten Tagen zum Thema coloRadio sehr schnell dazugelernt und mein Interesse an coloRadio ist gewachsen.

ColoRadio braucht eine breitere Unterstützung und Akzeptanz. Unterstützung und Akzeptanz können aber nur durch nachhaltige Veränderungen erreicht werden. Wenn der Träger sich eindeutig zu dem Ziel »Politische Meinungsvielfalt im freien Radio« bekennen würde, dann könnte coloRadio gegenüber der Politik punkten.

Bisher hat sich coloRadio nach außen politisch parteilich dargestellt. Aufgrund dieser Parteilichkeit ist in der Öffentlichkeit der Eindruck entstanden, dass bei coloRadio nur linke Themen und linke Ideologie eine Chance haben. ColoRadio-Macher und Sympathisanten des Senders haben diese Position der Parteilichkeit in öffentlichen Diskussionen vertreten.

Inzwischen gibt es Signale einzelner coloRadio-Vertreter. Sie sagen sinngemäß: »Lege ein Konzept vor und mache eine Sendung. Es können auch liberale Themen sein. Mach einfach.«

Doch das sind einzelne Stimmen und Außenstehende können sehr schwer einschätzen, wie verlässlich diese Aussagen sind. Es ist definitiv nicht damit getan, dass Hals über Kopf ein außenstehender Blogger mal schnell eine Alibi-Sendung macht. Man kann nicht den dritten oder vierten Schritt vor dem ersten tun.

Aus meiner Sicht ist noch vieles unklar und ich bin für eine offene Diskussion, die ich mit folgenden Fragen einleiten würde:

1. Welcher Anteil der Verantwortlichen steht wirklich hinter dem Angebot der Öffnung für neue Angebote? Ist das die Mehrheit? Kann man sich auf Zusagen verlassen?

2. Wie kann die Meinungsvielfalt gesichert werden, wenn aus dem Kreis der bisherigen Hörer gegen »neue« Beiträge protestiert wird? Werden die neuen Angebote dann aus dem Programm genommen?

3. Welche Regeln sollen in Zukunft für vorgefertigte Beiträge aus externen Quellen [Organisationen, Parteien, Lobby-Organisationen, Radiosender] gelten? Entscheidet darüber der Moderator einer Sendung oder die Redaktion?

4. Wer genehmigt oder untersagt Sendungen? Gelten Sendeverbote aus der Vergangenheit weiter?



Die Podiumsdiskussion des Linken Radios

13. Januar 2010

Ich habe gerade die Podiumsdiskussion über coloRadio gehört. Ich muss ehrlich sagen, dass ich gestern nicht zu der Veranstaltung kommen konnte, weil ich unter sehr hohem Druck arbeite — es hätte mich sonst interessiert. Ich muss aber ebenso ehrlich sagen, dass ich im Nachhinein nicht unglücklich darüber bin. Denn es war keine Diskussion. Doch dazu später.

Wer meine Position nicht kennt, für den ist sie hier ganz kurz zusammengefasst: Ich bin politisch neutral. Ich stehe für Pluralismus und ich fordere Pluralismus innerhalb eines freien Radios. Ich kritisiere dezidiert die politisch linksdogmatische Ausrichtung des Senders coloRadio.

Ich bin einer der tausenden 1989er, die seit dem 08. Oktober 1989 in Dresden für Pluralismus und Freiheit demonstriert haben. ColoRadio ist in seinem jetzigen Zustand weder pluralistisch noch frei. Auch die Veranstaltung war einseitig. Sie wirkte an einigen Stellen plump inszeniert.

Gab es auf der Podiumsdiskussion unterschiedliche Meinungen?

Kritik an coloRadio war ganz am Rande zu hören und sie wurde sehr interessant inszeniert. Eine Teilnehmerin namens Conny stellte sich als Macherin einer Sendung vor und gab in einem vorbereiteten Statement aus dem Publikum sinngemäß »konservative Kritik« an coloRadio wieder. Ich zitiere so gut wie möglich aus dem Mitschnitt ab 41:40.

(man sagt) coloRadio sei kein freies Radio, sondern linksalternatives Radio. Vielleicht stimmt das. Aber es ist ein freies Radio. Es wird kontrovers diskutiert, wenn irgendwelche Parteien, egal ob Linke oder Grüne oder CDU, Werbung machen wollen. Das wird vehement abgelehnt. Da wird wirklich Wert darauf gelegt, dass das ein freies Radio ist.

Diese »Kritik« ist konstruiert, das Wesentliche ist geschickt weggelassen.

Die wesentliche Kritik ist: coloRadio will in seiner jetzigen Form überhaupt keinen Pluralismus. Die Macher geben das ja auch mehr oder weniger offen zu. Sie übernehmen oft vorgefertigte politische Beiträge aus der linken Szene. Sie liegen mit ihren Kommentaren etwa in einem Dreieck zwischen Chavez, Castro und [Karl Eduard von] Schnitzler. Conny setzte fort:

Leider finden sich aber auch wenig »andere« Leute die Radio machen. Das finde ich so schade. Wir suchen immer wieder Leute, die bereit sind. Wir laden auch immer wieder Leute ein von den verschiedensten Parteien … Wenn man dann auch dazu noch in ein Klischee gedrängt wird … (*seufz*)

Die einseitige Ausrichtung ist — bei aller Schönheit der Krokodilstränen — kein Klischee. Das ist die Realität. Grundsätzlich alle politischen Themen werden bei coloRadio einseitig aus linksextremer oder linksdogmatischer, bestenfalls aus linksalternativer Sicht behandelt. Dazu werden immer wieder vorgefertigte Beiträge eingesetzt, die mit Dresden gar nichts zu tun haben — beispielsweise aus dem Angebot von attac.

Das Angebot zum Mitmachen an »Andere« ist ja ganz offensichtlich auch nicht ernst gemeint. Der wortführende coloRadio-Macher sprach ganz am Ende eine »Einladung« aus und verhöhnte fast im selben Atemzug den bekanntesten Dissidenten (der ist übrigens selbst eher links und bei coloRadio an linken Hardlinern gescheitert). Diesen Hohn und Spott empfand ich beim Hören als unverschämt (ich war ja nicht dabei). Man muss auf nicht auf jemanden drauftreten, der schon vor der Tür liegt.

Kamen in der Diskussion Kritiker zu Wort?

In der Podiumsdiskussion wurden zwei FDP-Zitate »aus der Konserve« gesendet. Sie nahmen weniger als sechzig Sekunden Sendezeit ein. Sie waren völlig aus dem Zusammenhang gerissen und wurden lächerlich gemacht.

Es wurden im Rahmen der ganzen Sendung auch ca. fünf extrem kurze CDU-Zitate gesendet, insgesamt sicher weniger als zwei Minuten! Man kann sie im Mitschnitt kaum verstehen. Ich empfand sie als (absichtlich?) akustisch verzerrt. Bemerkung eines coloRadio-Verantwortlichen dazu: »Wir senden die Slapsticks immer mal in unseren Magazinen«.

Die Meinung der anderen wurde auch auf der Podiumsdiskussion bestenfalls als Slapstick inszeniert. Die Argumente der Kritiker wurden als Strohpuppen aufgebaut, damit man darauf besser einschlagen konnte. Es war insgesamt eine Selbstvergewisserung der linken Radiomacher. Es war eine Plattform für die immer gleiche Forderung: linke Propaganda auf Kosten der Gemeinschaft senden zu können.

Wer soll coloRadio finanzieren?

Kurz vor dem Ende kam natürlich wieder die Frage, wo man noch Geld einsammeln könnte, wenn es kein Steuer- oder Gebührengeld gibt. Ich habe einen Vorschlag an coloRadio: Lasst Euch doch ganz ehrlich von attac und von anderen linken politischen Kräften finanzieren. Da müsste doch genug Geld in der Kasse sein.

Und hört endlich damit auf, den Begriff »Freiheit« zu strapazieren. Frei wärt Ihr, wenn Ihr Pluralismus im Programm hättet. Frei hättet Ihr diskutiert, wenn auf Eurer Diskussion wirklich Kritiker zu Wort gekommen wären — und nicht als verzerrt abgespielter Slapstick oder als Strohpuppe!

PS: In der Sendung ist gegen Ende die Behauptung enthalten, dass auch andere Meinungen zu Wort gekommen seien. Jemand klopfte sich dafür »hörbar« auf die Schulter. Es sind aber andere Meinungen nur verzerrt und lächerlich gemacht worden — und das ist ein Unterschied.

Ich finde es ja völlig in Ordnung, dass Linke Radio machen und dass sie sich für den Fortbestand ihres Senders einsetzen. Aber diese massiv zutage tretende Intoleranz beim Umgang mit der Meinung Andersdenkender — die kann und will ich nicht akzeptieren.


Hier ist ein Mitschnitt als ogg-Datei.


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