Tu es!

13. Mai 2010

Es wird hier kaum jemanden überraschen: der Autor dieses kleinen Blogs zieht heute nicht durch die Biergärten. Das hat ganz viele gute Gründe. Aber der wichtigste Grund ist: ich nutze den Himmelfahrtstag gern, um meine Gedanken zu ordnen. Natürlich nicht alle. Aber irgendwo muss man ja anfangen.

In letzter Zeit habe ich viel über Arbeit nachgedacht.

Eigentlich begann alles im Januar. Aus recht unerfreulichen Gründen musste ich plötzlich extrem viel arbeiten. Ich habe mich abends oft mit dem Spruch »was dich nicht umbringt, macht dich härter« getröstet, aber ich konnte natürlich in 70-Stunden-Wochen nicht wirklich über das Thema Arbeit nachdenken. Diese Phase dauerte fast ein ganzes Quartal. Aber im Hinterkopf bohrte es … und manchmal braucht man einen Denkanstoß.

Ende April ging es in einer Diskussion beim Neustadt-Geflüster um die Fotoausstellung »Dresden im Netz«. Die Ausstellung entstand im Rahmen einer Arbeitsgelegenheit (AGH). In dieser Arbeitsgelegenheit sollten junge Erwachsene unter Anleitung fotografieren lernen und sich gleichzeitig (wieder) an den Alltag des Arbeitslebens gewöhnen. Kommentator Torsten stieg in die Diskussion mit den Worten ein:

Vielleicht geht es dabei gar nicht um die Fotos, sondern darum, eine Disziplinarmaßnahme als Kunst zu verkaufen?

und er hat auch im weiteren Verlauf der Diskussion immer wieder den Zwangs-Charakter der Arbeitsgelegenheit betont. Das ist eine von vielen Meinungen, die man dazu haben kann. Man kann auch über Effektivität und Effizienz solcher Maßnahmen nachdenken — aber das soll heute gar nicht mein Thema sein. Denn diese Maßnahme ist nun schon fast vorbei und wenn man der Teilnehmerin Jenny glauben darf, hat es ihr eine Menge gebracht.

Ich bin also von einer ganz anderen Seite an die Sache herangegangen. Ich habe mir die Bilder angesehen und an meine eigenen Bilder gedacht. Und dann kam mir dieser Beitrag aus einem Fotoblog in den Sinn, in dem einfach daran erinnert wird: Du kannst mit jedem Foto besser werden. Du kannst aber nicht besser werden, wenn du nicht fotografierst.

Martin Gommel (der Autor des Fotoblogs) zitiert: Put the hours in, do it for long enough, and magical, life transforming things happen eventually. Sure, that means less time watching TV, Internet surfing, going out to dinner, or whatever. But who cares? ~Hugh MacLeod [Quelle]

Als ich den Artikel gelesen hatte, war mir klar: so wie Martin schreibt und zitiert jemand, dem die Arbeit richtig Spaß macht. Im Gegensatz dazu standen die Kommentare von Torsten. Er war davon überzeugt, dass den jungen Leuten die Arbeit an dem Fotoprojekt als »Disziplinarmaßnahme« keinen Spaß gemacht haben kann.

Und dazwischen stand ich. Ich arbeite sehr gern. Aber es gibt natürlich auch Tage, an denen mich der Arbeitsumfang fast erschlägt oder an denen Routineaufgaben mich fast zu Tode langweilen.

Wenn ich meine eigenen Fachmanuskripte in der zweiten Autorkorrektur lese, dann kann ich den Text eigentlich nicht mehr sehen. Ich arbeite eigentlich schon am nächsten Text oder an Zeichnungen oder an Grafiken. Trotzdem ist hier die größte Konzentration gefragt, denn der Setzer kann ja Fehler gemacht haben, die im ersten Durchlauf noch nicht vorhanden waren.

Arbeit macht also an jedem Tag Spaß und ist gleichzeitig an jedem Tag »Disziplinarmaßnahme«. Hannah Arendt spricht in »Vita activa« von den drei Grundtätigkeiten Arbeiten, Herstellen und Handeln. Und darüber würde ich gern an anderer Stelle weiterschreiben …


Warum ich keine Bücher mehr empfehle

12. Dezember 2009

Ich habe es wieder getan. Ich habe wieder jemandem ein Buch empfohlen, ich habe mich wieder auf eine Diskussion eingelassen und ich habe mich wieder geärgert.

Das Buch beginnt mit einem Zitat des Gleichnisses von der zerbrochenen Scheibe. Darin geht es um einen Bäcker, dem ein Lausbub die nagelneue Scheibe eingeworfen hat. Seine Nachbarn wollten ihn trösten: wenn niemals Scheiben zu Bruch gingen, so sagten sie, dann hätten doch die Glaser nichts zu tun und die Wirtschaft bliebe am Boden.

Doch der Bäcker sagte: »Ich wollte mir für das Geld eigentlich ein Paar Stiefel kaufen. Das kann ich mir jetzt nicht mehr leisten. Wer fragt denn nach dem Schuster?« — Und die Verständigen unter seinen Nachbarn kamen so zu dem Schluss: wenn ein Wert zerstört wird, ist das unter dem Strich immer ein Verlust für die Volkswirtschaft.

»Ha!« sprach der junge Mann, dem ich das Buch empfohlen habe, »dieses Gleichnis ist ein ganz großer Mist«.

»Oh«, dachte ich. »Was wird er nun mit dem Buch tun?«

»Ja«, sagte er, der Unsinn sei doch offenkundig: »Der Bäcker hortet das Geld und kassiert vielleicht sogar Zinsen. Und Zinseszinsen! Und wohin das führt, sieht man ja an der Krise des Finanzsystems.«

Nun hatte er mich erwischt.

»Nein«, sagte ich. »Die Krise des Finanzsystems hat damit nichts zu tun. In dem Gleichnis geht es darum, dass der Bäcker sein Geld für etwas anderes ausgeben möchte. Er will nicht spekulieren und er will sein Geld auch nicht horten.«

»Aber viele horten ihr Geld«, wandte er ein, »und wenn jemand die Scheibe einwirft, werden sie wenigstens gezwungen, etwas für die Wirtschaft zu tun.«

»Warum sprengen wir dann dem Bäcker nicht das ganze Haus in die Luft?«

»Aber das ist doch übertrieben!«, protestierte er. »Dann müsste der Bäcker ja einen Kredit aufnehmen. Das Geld für die Scheibe kommt vielleicht über mehrere Stationen doch noch zum Schuster. Wir kurbeln doch damit die Wirtschaft an!«

»Wäre es also gerecht, wenn der Glaser ein paar Lausbuben für das Einwerfen von Scheiben bezahlen würde?«, fragte ich.

Doch er war mit seinen Gedanken schon wieder einen Schritt weiter und nun gab er mir den Rest: »Das ist doch nur ein Beispiel, das diese Neoliberalen immer verwenden!«

»Das weiß ich nicht«, sagte ich und wandte mich meiner Arbeit zu, »ich habe noch nie einen getroffen« ;-)


Im Jahr 2009 wurden in Deutschland hunderttausende Scheiben zerstört: jedes abgewrackte zehn Jahre alte Auto hatte vier oder sechs Scheiben. Vielleicht gibt es noch nicht die richtigen Gleichnisse …



Der Pinguin als Retter

2. Oktober 2009

Bei einem australischen Energieversorger hat der Linux-Pinguin für die Rettung aus einer sehr kritischen Situation gesorgt. Nachdem alle Windows-Systeme durch einen Virus lahmgelegt waren, holte das Unternehmen die Linux-Rechner aus der Entwicklungsabteilung und es ging wieder aufwärts ;-)

Ich habe den Mitarbeitern in Versorgungsunternehmen schon einige Male über die Schulter geschaut und ich muss sagen: im technischen Bereich spricht nichts für Windows, aber sehr viel für Linux/Unix. Diese Begebenheit scheint das zu bestätigen. Nur sollte man damit nicht warten, bis es kracht. Eine Migration will gut überlegt sein.


Glücksbringender Stahlgießer

12. September 2009
Gießer (Stahlwerk Gröditz)

Gießer (Stahlwerk Gröditz)


Bäume in Kassel-Wilhelmshöhe

8. September 2009

können schon mal eingepackt sein, wie dieser Baum gegenüber dem ICE-Bahnhof:

Es war nicht Christo, sondern ein Café-Besitzer …

Es war nicht Christo, sondern ein Café-Besitzer …

(Update: dieses Bild in einer großen Version) oder interessante Äste ausbilden, wie dieser Baum vor dem Schloß:

Interessante Form …

Interessante Form …

Wenn man schon seit fünf Uhr auf den Beinen ist, will man wenigstens noch ein paar Fotos von der (beruflichen) Reise bloggen.


Unvorhersehbar

29. April 2009

Ich soll ein Manuskript bewerten, in dem gleich am Anfang folgende Zeilen zu finden sind:

Die Entwicklung auf dem wirtschaftlichen und sozialen Sektor wird zunehmend unvorhersehbarer. Die konjunkturellen Schwankungen treten in immer kürzeren Abständen auf und die internationale Konkurrenz, aber auch die internationale Zusammenarbeit wird immer intensiver.

Soll man darüber lachen oder weinen?

Notiz: Sei misstrauisch, wenn das Wort »zunehmend« schon im ersten Absatz eines Textes auftaucht.