Unbequemes

31. Dezember 2016

Im Sommer 2016 habe ich mir das Buch »Die neuen Deutschen. Das Land vor seiner Zukunft« von Marina und Herfried Münkler gekauft. Gestern habe ich einen Tag in der Sauna genutzt und einen großen Teil des Buchs in einem Zug gelesen. Warum erst gestern?

Ich habe das Buch im Sommer noch im eingeschweißten Zustand weggelegt, weil mich die Vermarktung irritiert hat: nach meiner Wahrnehmung wurde es als Begründung für die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung »verkauft«.

Ein zweites Mal habe ich das Buch ungeöffnet weggelegt, als Herfried Münkler mit dem Spruch »Große Teile des Volkes sind dumm« nicht gerade um Sympathiepunkte warb. Ich muss also zugeben, dass ich das Buch gestern mit einer gewissen Voreingenommenheit in die Hand genommen habe.

Er hat aber in dem Interview auch etwas gesagt, was ich richtig fand:

Nehmen wir mal das Beispiel Kompromissbildung. Je mehr einer Bevölkerung, einer Bürgerschaft an Politik partizipieren, desto mehr haben einen Sinn für Kompromisse, wissen das zu schätzen. Populismus ist unter anderem auch, das ist keine erschöpfende Definition, eine Verachtung gegenüber dem Kompromiss.

Somit stand es unentschieden und ich habe mit einem gewissen Grundoptimismus gesagt: Wenn man ein Buch ohnehin gekauft hat, dann kann man es auch lesen.


Das Autorenpaar ist inzwischen aus vielen Interviews bekannt: Prof. Dr. Marina Münkler ist Literaturwissenschaftlerin an der TU Dresden. Prof. Dr. Herfried Münkler ist Politikwissenschaftler an der HU Berlin.

Das Buch besteht aus vier großen Kapiteln und einem sehr umfangreichen Quellenverzeichnis. Etwas vereinfacht: Das erste Kapitel ist eine Einführung in das Thema, dann folgen zwei Kapitel zur Analyse der historischen und gegenwärtigen Migrationsbewegungen und schließlich folgt der Ausblick in die Zukunft.

Ich habe zuerst die beiden Analyse-Kapitel gelesen und fand viele Gedanken wieder, die ich mir als politisch denkender Bürger und politikwissenschaftlicher Laie auch gemacht habe – aber in einer hochkonzentrierten Form, mit Quellenangaben, mit (für mich) neuen Zusammenhängen und mit vielen Anreizen zum Weiterdenken. Das war wirklich ein Gewinn.

Marina und Herfried Münkler schreiben prägnant. Man spürt, dass an den Formulierungen gründlich gearbeitet wurde. Verglichen mit vielen anderen aktuellen Büchern aus dem Regal »Politik« ist dieses Buch sprachlich sehr gut.

Das Buch liest sich in weiten Teilen nicht wie ein gewöhnliches politisches Sachbuch, sondern wie eine gründliche geisteswissenschaftliche Arbeit. Es ist für die Zielgruppe der gebildeten Bürger verfasst. Man kann es nicht einfach nebenher lesen.


Das Buch dürfte den Befürwortern völlig offener Grenzen und den Befürwortern einer Abschottung Deutschlands zu gleichen Teilen weh tun. Man muss es unvoreingenommen und ohne Illusionen lesen. Die Probleme werden an vielen Stellen wie mit dem Seziermesser offengelegt – und das liest sich nicht immer angenehm. Der Zustand der EU wird etwa so schonungslos offengelegt, dass man sich fragt: Wie soll diese Staatengemeinschaft jemals wieder zu einer gemeinsamen Politik kommen?

Die Autoren betrachten die folgenschweren Entscheidungen zur Grenzöffnung 2015 und konfrontieren dabei sowohl die Kritiker als auch die Anhänger Angela Merkels mit unbequemen Wahrheiten.

In einer ziemlich harten, aber zum Teil auch gerechten Rezension wurde das Buch als »Katechismus der Einwanderungs-Befürwortung« bezeichnet: Das ist es nicht. Freilich muss man eine dicke Haut haben, wenn man es als Kritiker der aktuellen deutschen Flüchtlingspolitik zu Ende lesen will.

Genau entgegengesetzt argumentierte die taz: Sie sah das Autorenehepaar vom linken »Klassenstandpunkt« als Vertreter einer Elite, die es ja sehr leicht hätten, von anderen mehr Verantwortung zu fordern. Immerhin kommt Autor Jan Feddersen zu dem Ergebnis: »Die Streitschrift der Saison, optimistisch und ungemütlich zugleich.«


Für mich als wertorientierten Bürger in der Mitte der Gesellschaft ist das Buch zum einen eine Art Gradmesser, auf welche Weise man Probleme ansprechen »darf« und mit welchem Hintergrundwissen man aus der Mitte der Gesellschaft nach allen Seiten argumentieren kann. In dieser Hinsicht ist es ein Gewinn, der weit über den Aufwand des Lesens hinausgeht.

Zum anderen sind viele Stellen auch eine Herausforderung zum Widerspruch und zum Nachdenken über Fehlendes. Die Geschehnisse in Sachsen werden etwa recht einseitig und manchmal nur auf der Grundlage der ersten vorliegenden Informationen betrachtet. Hier hätte ich mir die Gründlichkeit gewünscht, die die Autoren in der wissenschaftlichen Hintergrundarbeit an den Tag gelegt haben.


Kritiker des Buchs haben bemängelt, dass die Lösungsvorschläge der Autoren falsch seien und dass sie eine zu optimistische Sicht auf die 2014 bis 2016 Zugewanderten hätten. Das mag sein. Aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass der Redaktionsschluss für das eigentliche Manuskript im März oder April 2016 gewesen sein dürfte, wenn man noch Zeit für Lektorat, Satz und Druck kalkuliert.


Zurück zur eingangs zitierten Bemerkung Herfried Münklers »Große Teile des Volkes sind dumm.« Wenn man sich die Leserbriefe in der Dresdner Lokalpresse nach dem Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt anschaut, könnte man im ersten Ansatz formulieren: Große Teile des Volk sind vorschnell in ihrem Urteil.

»Das Volk« sieht auf den Leserbriefseiten mehrheitlich Angela Merkel in direkter oder mindestens indirekter Verantwortung, was zum voreiligen Urteil führen könnte, dass da nur Populisten und deren Opfer am Werk seien.

Man muss die Leserbriefe aber zweimal lesen: zuerst mit dem Hintergrundwissen der Münklers und dann noch einmal aus der Sicht der Absenderinnen und Absender. Die Absenderinnen und Absender der Leserbriefe beschäftigen sich mit den Problemen auf ihrem jeweiligen Wissensstand und mit ihrem jeweiligen Hintergrund. Sie sind deshalb aber nicht »dumm«. Sie können (Bereitschaft vorausgesetzt) dazulernen. Das ist die Aufgabe politischer Bildung.

Ich wünsche mir für 2017, dass Marina und Herfried Münkler etwas mehr von dem verstehen, was »das Volk« bewegt. Ich wünsche mir für 2017, dass wir alle bereit sind, über Zusammenhänge länger nachzudenken und unser Grundlagenwissen zu stärken. Das gilt auch für die Absenderinnen und Absender der Merkel-kritischen Leserbriefe, die in diesen Wochen eine einzige Ursache für ein hochkomplexes Problem sehen.

Denn die einseitige Schuldzuweisung an die Merkels, an die EU, an die Eliten, an die »Lügenpresse« – aber auch an die Sachsen und an die »Populisten« – die wird auch 2017 falsch sein. Wir brauchen im Gegenteil ethische Grundsätze, Offenheit, Toleranz, Bereitschaft zum Dazulernen und eben auch unbequeme Bücher.


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Tania Kambouri »Deutschland im Blaulicht«

12. Oktober 2015

Wenn ein Buch schon wenige Tage nach seinem Erscheinen polarisiert, kann das mehrere Ursachen haben. Es kann sich um ein hochbrisantes Thema handeln, für das die Zeit reif war. Das Buch kann von radikalen Interessengruppen vereinnahmt oder bekämpft werden. Nicht zuletzt kann der Konflikt auch in der Person des Autors oder der Autorin angelegt sein.

Tania Kambouris »Deutschland im Blaulicht« polarisiert zweifellos – und dabei spielen alle genannten Ursachen eine Rolle. Gerade deshalb sollte das Buch gelesen und diskutiert werden: Es ist sachlich geschrieben, es hat mehr Stärken als Schwächen, es bietet mehr richtige als falsche Lösungen an.


Glaubwürdigkeit


Wenn »Whistleblower« aus dem Inneren einer Organisation berichten, müssen wir ihnen bis zu einem gewissen Grad vertrauen. Wir vertrauen z B. Edward Snowdens Aussagen und Daten. Wir vertrauen den Inhalten der brisanten Dokumente, die bei Wikileaks zum Download angeboten werden. In beiden Fällen müssen wir uns darauf verlassen, dass keine gefälschten Daten hinzugefügt und dass die Informationen nicht verzerrt wurden.

Auch den Erfahrungsberichten in Tania Kambouris Buch müssen wir als Leser bis zu einem gewissen Grad vertrauen. Mein Eindruck: Im Buch, in der Talkshow und in den Interviews tritt sie sehr ruhig und sachlich auf. Sie verwendet keine polarisierenden Worte oder Parolen. Sie setzt auf Differenzierung und Deeskalation.

Tania Kambouri steht mit beiden Beinen auf dem Boden des demokratischen Rechtsstaats. Sie plädiert mehreren Stellen des Buches für einen ungeteilten Rechtsstaat und gegen eine separate Rechtsprechung in Parallelgesellschaften. Sie argumentiert mit den Werten unseres Grundgesetzes. Sie stellt sich gegen Doppelmoral und Diskriminierung. Deshalb halte ich sie für glaubwürdig, obwohl ich nicht alle Argumente und auch nicht alle Lösungsvorschläge unterschreiben würde.


Die Realität des Streifendienstes in Bochum


Stark ist das Buch überall dort, wo Tania Kambouri in sachlichen Sätzen und anhand vieler Beispielen beschreibt, was sie im Polizeidienst erlebt hat: Sie wird in Bochum aus bestimmten Migrantengruppen heraus offen verachtet und diskriminiert, weil Mitglieder dieser Gruppen eine Frau im Polizeidienst nicht akzeptieren.

Die Missachtung kann in der Verweigerung der Kooperation, in üblen Schimpfworten, im übergriffigen Anfassen, durch Anspucken oder in Form körperlicher Gewalt zum Ausdruck kommen. Tania Kambouri beschreibt menschenverachtende Verhaltensweisen, die sich in bestimmten Migrantengruppen gehäuft und wiederholt gezeigt haben.

Die Beschreibungen sind ausdrücklich nur ein Ausschnitt aus dem gesamte Polizeialltag in Deutschland. In anderen Bundesländern und in anderen Großstädten können die Schwerpunkte anders aussehen. Die Autorin konzentriert sich auf die Gebiete, die ihr vertraut sind.

Das Buch ist gerade in den persönlichen Erfahrungsberichten mutig: Es ist sehr schwer, offen darüber zu reden, wenn man als Mensch so missachtet und angegriffen wird. Damit ist ja seitens der Angreifer eine Erniedrigung beabsichtigt.

Es ist auch nicht einfach, zu beschreiben, wie man als Mensch wahrgenommen wird. Die Autorin könnte nach ihrem Aussehen aus Südeuropa, aus der Türkei oder auch vom Balkan stammen. Sie schreibt an einer Stelle über die Wahrnehmung von Migranten: »Dann gehen die Schubladen in unseren Köpfen schneller auf, als wir uns dagegen wehren können …«.


Eingrenzung der problematischen Gruppen


Problematische Gruppen in einer Gesellschaft müssen ohne pauschale Vorverurteilung beschrieben werden. Tania Kambouri betont an mehreren Stellen des Buches, dass sie gegen niemanden einen Generalverdacht in die Welt setzen will. Vor allem Selbst- und Paralleljustiz können aber aus ihrer Sicht in unserer Gesellschaft nicht akzeptiert werden.

Sie grenzt die problematischen Gruppen so gut wie möglich ein – es sind vor allem stark patriarchalisch und traditionell geprägte Zuwanderer muslimischer Prägung. Probleme gibt es in ihrem Arbeitsbereich auch mit einer Minderheit der Zuwanderer vom Balkan und aus Osteuropa. Die Autorin schreibt im Vorwort [Hervorhebung von mir]:

Das soll keine Pauschalverurteilung sein und schon gar keine rassistische Vorverurteilung aufgrund der Herkunft oder des Glaubens, aber es ist schlichtweg eine Tatsache, dass manche Bevölkerungsgruppen bei bestimmten Verhaltensmerkmalen und Straftaten überrepräsentiert sind. […] Die erste Frage lautet jedoch immer, warum es zu einer Straftat kam und wie man sie in Zukunft verhindern kann. Und wenn der Migrationshintergrund bei der Beantwortung dieser Fragen von Bedeutung ist, wird er erwähnt.

Dieses Versprechen löst die Autorin in der Tat ein, wenn sie im Buch das Verhalten der problematischen Gruppen bewertet. Sie sucht nach Ursachen und findet sie in (zum Teil) archaischen Vorstellungen von Ehre, Männlichkeit, Patriarchat und Familie. Sie konstatiert eine »Verachtung des Staates« und weist darauf hin, dass diese Verachtung auch bei »Neonazis und anderen Extremisten« zu finden sei.

Die Autorin geht sehr ausführlich auf das Problem der Paralleljustiz ein. Sie beschreibt, wie sogenannte Friedensrichter auch Fälle des Strafrechts beeinflussen: durch eigenmächtige Urteile, Beeinflussung von Zeugen oder Schweigedruck.

Die Erlebnisse aus dem Polizeialltag werden ergänzt durch Berichte aus dem täglichen Leben in Bochum – mit traditionell-muslimisch geprägten und zum Teil archaisch denkenden Menschen. An mehreren Stellen des Buches kommen bizarre und inakzeptable »Normen« des Zusammenlebens in traditionell-muslimisch geprägten Gemeinschaften an den Tag: Jungen dürfen ihre Schwestern schlagen, Lehrerinnen haben Jungen nichts zu sagen, eine Mutter musste sich sogar vom eigenen Sohn (der noch ein Kind war) maßregeln lassen. Zitat:

Ganz abgesehen davon, dass es schwer ist, mit solchen Kindern Unterricht für eine ganze Klasse zu gestalten: Was soll aus diesen Kindern werden, wenn sie mit solchen Ansichten ganz selbstverständlich aufwachsen?

Wichtig ist mir der Hinweis: Es geht aus dem Buch zwar hervor, dass es moderne, gebildete, aufgeklärte Muslime gibt. Es wird aber zu wenig darauf eingegangen, wie man sie vielleicht als Verbündete gegen die Rückständigkeit gewinnen kann.


Abgrenzungen


Tania Kambouri grenzt sich namentlich gegenüber der AfD, gegenüber Pegida und gegenüber Thilo Sarrazin ab. Die Abgrenzung gegenüber Sarrazin glückt nicht ganz überzeugend:

Ich bin wahrlich kein Befürworter von Sarrazins Thesen, die zum Teil richtig bizarr sind, wenn sie mit ihren Intelligenz-Vererbungstheorien mehr oder weniger stark an Eugenik oder Rassenlehre erinnern – dennoch spricht er negative Entwicklungen an, die schlicht und ergreifend wahr sind.

Die Frage der Vererbung von Intelligenz wird wissenschaftlich untersucht und es spricht einiges dafür, dass Begabungen und Fähigkeiten vererbt werden. Diese Frage hat aber nichts damit zu tun, dass Sarrazin bestimmten ethnischen Gruppen pauschal eine höhere Intelligenz oder einen größeren Fleiß zuschreibt.

Direkt nach dieser Abgrenzung schreibt sie, dass ihr der ehemalige Berliner Lokalpolitiker Heinz Buschkowsky »wesentlich näher« stünde und dass sie ihm am liebsten antworten würde: »Bochum ist überall«. Das ist allerdings zu hinterfragen: Neukölln und Bochum »sind« z. B. nicht Dresden oder Leipzig. In den beiden sächsischen Großstädten gibt es schwerpunktmäßig ganz andere Probleme – auf der einen Seite die gewalttätigen Teile der Pegida und auf der anderen Seite die gewalttätigen Linksautonomen.


Tania Kambouris Bewertungen und Schlussfolgerungen


Viele der Tatverdächtigen und Täter sind noch sehr jung – ob es nun um Bochum, Berlin, Dresden oder Leipzig geht. In Sachen Jugendstrafrecht steht Tania Kambouri am ehesten der ehemaligen Jugendrichterin Kirsten Heisig nahe. Sie plädiert für ein zeitiges Einbeziehen der Eltern und der Schulen und gegen langes Abwarten.

An einigen Stellen des Buches werden Statistiken zitiert, aber es fehlen leider die Quellenangaben. Wenn »die Zahl gefährlicher und schwererer Körperverletzungsdelikte von 2003 bis 2012 um 24 % zugenommen hat«, »die Hälfte der Tatverdächtigen unter 21 Jahre alt ist« und »Männer türkisch-arabischer Herkunft dominieren« – dann hätte ich als Leser gern eine nachprüfbare Quelle.

Wenn Tania Kambouri eine Stärkung des gesamten Rechtsstaats, mehr Zivilcourage, eine neue Integrationspolitik, eine bessere personelle und materielle Ausstattung der Polizei und eine bessere Bildung fordert, kann man ihr nur zustimmen. Sie begründet diese Forderungen sachlich mit den Ergebnissen ihrer eigenen Beobachtung. Sie grenzt sehr gut ab, wo Toleranz notwendig und wo Null-Toleranz angebracht ist.

Wenn sie allerdings für die Vorratsdatenspeicherung plädiert, wird nicht deutlich, wie man damit auch nur eines der angesprochenen Probleme lösen soll. Die folgende Argumentation ist leider eine der Schwächen des Buches:

Auch beim Thema Vorratsdatenspeicherung sollten wir nicht auf eine Katastrophe warten. Wenn im Verdachtsfall auf Telefonverbindungen und andere Informationen (etwa der Migrationshintergrund) zurückgegriffen werden könnte, wäre das für die Ermittlungsarbeit sowie das Vermeiden weiterer Straftaten oft von großer Hilfe. […] Für einen günstigeren Handytarif geben jedoch viele Bürger freiwillig mehr Daten preis, als für eine bessere Präventionsarbeit und Strafverfolgung nötig wäre.


Tania Kambouris Auftritt in der Sendung »Maischberger«


Bis Anfang Oktober 2016 wird die Sendung »Maischberger« mit Tania Kambouri noch in der ARD-Mediathek verfügbar sein. Die Autorin wird nach 31:15 min als Gast in die Sendung eingeführt. Auch wenn Jakob Augstein ihr und anderen Beteiligten auf sehr unangenehme Weise ins Wort fällt: Es lohnt sich, Tania Kambouris ersten Auftritt anzuschauen.

In einem Bericht aus »Der Westen« wird Tania Kambouri zu ihrem Auftritt und zu Jakob Augsteins Dazwischenreden mit dieser kühlen Antwort zitiert:

Dass der linke „Spiegel“-Kolumnist Jakob Augstein sie da anging, hat sie indes weggesteckt. „Er kennt die Straße nicht. Deswegen kann ich ihn in dieser Sache nicht ernstnehmen“, entgegnet sie trocken. Sie selbst sei couragiert. „Ich kann mich durchsetzen auf der Straße“, versichert sie mit einer Überzeugung in der Stimme, die etwaige Zweifel sofort erstickt.


Die Reaktion der Bochumer LINKEN


Die LINKE in Bochum lehnt das Buch mit Hilfe billiger Strohmann-Argumente ab. In ihrer Mitteilung wird der Inhalt des Buchs stark verzerrt und simplifiziert. Man wirft Tania Kambouri offenen Rassismus vor. Zitat aus der Mitteilung der Bochumer LINKEN:

Ihre Aussagen, nach denen es besonders Muslime seien, denen es an Respekt vor der Polizei fehle, ist eine pauschale Verunglimpfung der etwa 30.000 Bochumer Muslime, darunter AkademikerInnen, ArbeiterInnen, SchülerInnen und Selbstständige.

Ich habe das Buch ja nun sehr gründlich gelesen – eine Pauschalverurteilung der 30.000 Bochumer Muslime oder der Bochumer Migranten insgesamt kommt definitiv nicht vor. Im Gegenteil:

Die meisten hier lebenden Migranten sind hart arbeitende Menschen. Sie haben sich vorbildlich integriert, respektieren das Land und die Gesetze, Regeln und Normen, ohne dabei ihre Herkunft und Identität zu verleugnen. So soll es auch sein. [Zitat vom Beginn des ersten Kapitels.]

Für die LINKE hat der Einsatz der »Rassismuskeule« den Vorteil, dass man über das Buch nicht mehr reden muss. Das können wir uns als Gesellschaft aber nicht leisten. Wenn wir den demokratischen Rechtsstaat aufrechterhalten wollen, darf es keine Parallelgesellschaften geben, in denen unser Recht gar nicht mehr oder nur noch teilweise akzeptiert wird.


Tania Kambouri und der feministische Buchversand


Zum Schluss noch eine Ironie der Geschichte. Das Buch »Deutschland im Blaulicht« ist ja das Werk einer engagiert berufstätigen Frau, die selbstbestimmt und selbstbewusst auftritt. Eigentlich müsste doch nun eine große Solidarität aus dem feministischen Lager spürbar sein – geradezu ein #Aufschrei gegen die Diskriminierung Tania Kambouris als Frau und Migrantin.

Bei der Recherche für diesen Beitrag am Morgen des 11. Oktober fand Google das Buch noch auf der Seite eines feministischen Buchversands. Eingeordnet war es beim feministischen Buchversand laut Googles Cache noch am 09. Oktober unter:

  • Arbeit & Beruf
  • Frauenleben weltweit
  • Feminismus & Emanzipation
  • weitere Themen: Sexismus

Wenn Sie den folgenden von Google gefundenen Link anklicken oder bei dem Buchversand nach dem Namen der Autorin suchen, werden Sie sehen, dass es dort nicht mehr verfügbar ist. Der Buchversand lehnt nach eigener Aussage im Bestellgeschäft ausschließlich »sexistische, rassistische oder Gewalt verherrlichende Publikationen« ab. Das offensichtliche Auslisten des Buchs ist dann wohl die Anwendung des Prinzips »feministische Filterblase« …


Ein sehr persönliches Fazit


Ich wünsche dem Buch eine weite Verbreitung und ich wünsche mir, dass es die richtigen Leute lesen. Ich wünsche mir, dass die Autorin (vielleicht mit einem berufsbegleitendem Studium) aufsteigt – damit sie mehr Überblick und mehr Einfluss bekommt. Sie kann sich sicher auch im höheren Dienst oder in der Politik durchsetzen, wenn sie es will – und das kann ein Gewinn für unsere Gesellschaft sein.


Fortlaufend ergänzt: einige weitere Stimmen zum Buch.

  1. Bericht in der »WELT«
  2. Bericht über Buch und Talkshow in »Der Westen«
  3. Vorstellung der Autorin im WDR
  4. Ein Interview im DLF als MP3-Podacst
  5. Ein aktuelles SAT1-Interview zu Flüchtlingen via Youtube