Von Kühen und Milch

2. Mai 2012

Seit vielen Jahren wird in den Schulen und im Netz ein Artikel weitergereicht, in dem die Wirtschaft am Beispiel des Bauern mit den zwei Kühen erklärt wird. Es ist an der Zeit, den Artikel fortzuschreiben.


Vor dem Auftauchen der Piraten war alles ganz einfach: Ein Bauer besitzt zwei Kühe. Die Milchindustrie kauft die Milch auf. Der Bauer nimmt das Geld, kauft den Kühen Futter und saniert seinen Stall.

Die Milchindustrie verarbeitet die Milch, füllt sie in Verpackungen ab und verteilt sie im ganzen Land. Die meisten Kunden bezahlen ihre Milch. Aber manche Kunden denken: Warum sollte ich bezahlen, wenn es morgen sowieso neue Milch gibt?

Die Milchindustrie lässt nun die Kunden verfolgen, die sich ihre Milch aus dem Milchladen mitnehmen, ohne zu bezahlen. Dabei verdächtigt sie zeitweise alle Milchtrinker. Im Milky Feedback stellen die Piraten fest: Die Milchindustrie ist die Wurzel allen Übels.

Ein Pirat gibt sich im Fernsehen nachdenklich: Die Kühe sind anscheinend Urheber der Milch. Wir wissen das alles noch nicht so genau. Wir sind noch in der Findungsphase. Aber die Kühe werden auch irgendwie zurechtkommen, wenn es keine Milchindustrie mehr gibt. Darauf eine Club-Mate!

Die Piraten beschließen: Die Milch wird kostenlos via Milk-Sharing verteilt. Die Bauern dürfen für ihre Kühe um Spenden aus dem Milk-Funding bitten. Dafür entwirft Julia Schramm eigens einen Milkr-Button.

Fünf Jahre später: Die Piraten kommen an die Regierung. Das Abfüllen von Milch in Flaschen und Tetrapacks wird wirksam verhindert. Die Menschen haben das Recht auf ein bedingungsloses Grundeinkommen und können so viel Milch trinken, wie sie wollen.

Alle müssten eigentlich glücklich sein. Doch das Milk-Funding hat nie so richtig funktioniert: Der Milkr-Button wurde auf den meisten Rechnern geblockt und jeder dachte, dass doch der Nachbar zahlen könnte.

Nach kurzer Zeit haben die Kühe kein Futter mehr, die Ställe brechen zusammen und die Bauern wandern aus. Die letzten Milchvorräte werden sauer. Die Piraten zucken mit den Schultern und trinken noch eine Club-Mate.


Ergänzung: Hier ist ein Link zu einem der vielen Artikel, die das Original verbreiten. Es gibt viele Variationen …


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Google Street View kommt …

12. August 2010

und die Stadt Dresden reagiert! [Edit: ich wurde darauf hingewiesen, dass die Bilder schon fertig sind. Ich habe mich wohl vom Hype um die Veröffentlichung ablenken lassen. Die Kritik an der »Verfügung über das Wochenende« bleibt trotzdem stehen.] — Denn wenn Google kommt, will man sich als rechtschaffene Stadt auf keinen Fall blamieren. Da muss es ordentlich aussehen. Also erlässt man eine

Allgemeinverfügung zur Beseitigung/Unterlassung widerrechtlich angebrachter bzw. aufgestellter Werbeanlagen oder Werbeträger im öffentlichen Straßenraum der Landeshauptstadt Dresden.

Können Sie das in einem Zug fehlerfrei vorlesen, ohne dabei Luft zu holen? Dann bewerben Sie sich um einen Job in der sympathischen Straßen- und Tiefbaubürokratie der Landeshauptstadt Dresden.

Jedenfalls stand diese Allgemeinverfügung am 5. August im Amtsblatt und »gilt am 6. August 2010 als bekannt gegeben«, wie es im Amtsdeutsch so schön heißt.

Der 6. August war ein Freitag. Und nun raten Sie mal, wann der Bürger mit dem Beseitigen und Unterlassen fertig sein sollte? Bis zum 9. August 2010, 10.00 Uhr. Das war der darauffolgende Montag. Sportlich, sportlich …

Die im öffentlichen Straßenraum der Landeshauptstadt Dresden (einschließlich der durch die Stadt führenden Bundesfernstraßen) widerrechtlich angebrachten bzw. aufgestellten Werbeanlagen oder Werbeträger (z. B. Veranstaltungswerbung, Wahlwerbung, Hinweisschilder, Wegweiser für Firmen, Gewerbeausübungen u. a.) sind vom Eigentümer und/oder Verursacher bis zum 9. August 2010, 10.00 Uhr zu beseitigen.

Aber wenn man das nicht geschafft hat, dann gibt es trotzdem noch eine Möglichkeit:

Gegen diese Allgemeinverfügung kann innerhalb eines Monats ab Bekanntgabe Widerspruch eingelegt werden. Der Widerspruch ist schriftlich oder zur Niederschrift bei der Landeshauptstadt Dresden einzulegen.

Das ist übrigens die selbe Stadtverwaltung, die zur Förderung des Tourismus ein Luxushotel in bester Lage mit Bußgeld belegt hat, weil da ein roter Teppich vor der Tür lag. Später haben sie sich dann geschämt:

am Abend kroch das Rathaus unter eben jenen Roten Teppich und schickte den Straßenamtschef Reinhard Koettnitz vor, der ein Einsehen mit dem Hilton hatte: „Da ist die Satzung wohl etwas zu korrekt ausgelegt worden. Ich denke, wir finden mit dem Hotel eine Regelung, dass der Teppich bleiben kann.“

Aber diese Satzung gilt natürlich weiterhin und Sonderregelungen sind immer Kann-Bestimmungen. Mal ehrlich: wenn man das Bild im verlinkten Artikel sieht, dann weiß man: Google darf so etwas Verbotenes nicht zu sehen bekommen. Wenn das jemand findet!


Die Ausgaben des Dresdner Amtsblatts gibt es als PDF unter dresdner-amtsblatt.de — aber nicht mit direktem Link, wie es sonst im Internet meist üblich sein soll. Weit gefehlt!

Man darf sich das Amtsblatt 30-31/2010 in einem PHP-Formular aussuchen und man kann es nicht direkt verlinken. Wo kämen wir denn da hin, wenn das alle machen würden? [Edit: Das ist abhängig vom Browser und von der PDF-Anzeige.] Aber wozu gibt es Google? Hier findet man die betreffende Ausgabe ;-)