Der Tod ist eine ernste Sache …

Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich mich zu einem Artikel aus dem Kulturteil der »Dresdner Neuesten Nachrichten« vom 08.08.2012 äußern soll. Ich will mit Fragen von Leben und Tod immer respektvoll umgehen. Aber andererseits kann eine falsche Information nicht unwidersprochen bleiben.

Ausriss Fukushima

Ausriss aus dem Kulturteil
der »Dresdner Neuesten Nachrichten« vom 08.08.2012.

Es ist bekannt, dass die letzten verbliebenen Atomanlagenarbeiter in Fukushima etwas nahezu Übermenschliches geleistet haben: Sie sind in der Nähe der Reaktoren geblieben und haben unter schwierigsten Bedingungen die ersten Reparaturen durchgeführt. Sie haben mit ihrer Arbeit schlimmere Auswirkungen der Erdbebenkatastrophe verhindert. Aber sie leben. Man kann nicht einfach in die Zeitung schreiben, dass diese 50 Menschen mit ihrem Leben bezahlt haben.


Vermutlich geht es auf einen dpa-Bericht zurück, in der die Künstlerin (richtig oder falsch?) zitiert wird:

Dass Wasser allerdings auch Tod und Zerstörung bringen kann, zeigt die niederländische Künstlerin Sandra Collée. Mit »Fukushima 50« hat sie 50 unbekannten Männern ein Denkmal gesetzt, die nach dem Tsunami versuchten, die Kernschmelze in dem japanischen Atomkraftwerk aufzuhalten. »Dafür haben sie ihr Leben gegeben, das hat mich sehr bewegt«, erklärt Collée. Gemalt sind die Porträts auf weißen Bettlaken – weil die Männer in dem verseuchten Reaktor tagelang nur auf Bettlaken schliefen.

Das Werk »Fukushima 50« in der Ausstellung in der Saloppe.


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12 Antworten zu Der Tod ist eine ernste Sache …

  1. tuuli22 sagt:

    Yep, über diese Stelle war ich im besagten Artikel auch gestolpert. Ich bin gerade in der Kultur tätig, und hatte damit unmittelbar zu tun. Allein, es steht mir nicht zu, die Arbeit des Kollegen infrage zu stellen, wenn ich mir nicht 100%ig sicher bin, und das war ich in diesem Fall nicht. Es nachzuprüfen hätte Zeit gekostet, die ich nicht hatte. Hm, ich denke, die Künstlerin meinte es ursprünglich so, dass diese Männer ihr Leben riskierten – und ob sie es letztlich nicht auch opferten, das wird die Zeit zeigen. Spätfolgen radioaktiver Kontamination zeigen sich oft erst Jahre später.

    • stefanolix sagt:

      Ich bin mir bewusst, dass diese Mitarbeiter ihr Leben riskiert haben und in diesem Sinne sollen sie auch gewürdigt werden. Aber man kann sie nicht einfach für tot erklären.

      Die Frage ist jetzt: Stammt die Information in dem Artikel aus der dpa-Meldung oder von der Künstlerin selbst? Es ist ja durchaus möglich, dass die Künstlerin unter dem Eindruck der Berichterstattung wirklich geglaubt hat, dass 50 Todesopfer zu beklagen waren.

      Dann müsste es aber in der ersten Stufe der Berichterstattung die dpa besser wissen: Schließlich haben Nachrichtenagenturen auch die Aufgabe, verantwortungsbewusst mit Informationen umzugehen.

      In der zweiten Stufe ist der Journalist selbst noch einmal verantwortlich, seine Quellen zu prüfen, bevor er sich eine Aussage zu eigen macht — ob die Quelle nun dpa oder Sandra Collee heißt …

      • tuuli22 sagt:

        “Aber man kann sie nicht einfach für tot erklären.”

        Tendenziell würde ich dir da zustimmen. In diesem Fall war es aber so, dass die Künstlerin selbst den Fehler machte – und wir ihn halt mitgeschleift haben. Aber du hast recht: optimal ist das nicht.

      • stefanolix sagt:

        Das ist aber schon erstaunlich: Dass eine Künstlerin von 50 Toten gehört zu haben glaubt und einfach Bilder von ihnen malt, ohne sich jemals davon überzeugt zu haben, um welche Menschen es überhaupt geht.

        Ich hatte bisher eher einen Übersetzungsfehler bei der dpa vermutet (die Künstlerin kommt ja aus den Niederlanden).

  2. tuuli22 sagt:

    Das bin übrigens ich (Jane). Ich habe jetzt herausgefunden, warum ich unter meinem alten Namen plötzlich nicht mehr auf wordpress posten konnte. WordPress hat Gravatar geschluckt. Man muss sich erst neu anmelden, dann klappt’s wieder. Mit dem Manko, dass ich jetzt mit meinem WordPress-Usernamen, den ich vor Urzeiten mal eingegeben hatte, posten muss :(

  3. Wolf sagt:

    Richtig, man kann diese Männer nicht einfach für tot erklären. Ob die Künstlerin mehr weiß als wir? Meines Wissens ist 50 die Besetzung einer Schicht, es gab wohl mehr als 50 Arbeiter. Zumal die Reaktoren offenbar nach wie vor nicht unter Kontrolle sind, es wird weiterhin auf dem Gelände gearbeitet. Wie es wirklich aussieht, ist von hier aus schwierig zu beurteilen.

    Ruf nach ausländischen Experten (veröffentlicht am 11.8.2012):

    http://enenews.com/fukushima-chief-yoshida-we-must-bring-in-foreign-experts-to-help-reactors-not-stabilized

    Einige Meldungen zu Todesfällen (leider nur englischsprachig):

    Zwei vermisste Fukushima-Arbeiter tot aufgefunden

    http://enenews.com/alert-two-fukushima-nuclear-workers-found-dead

    Dritter Fukushima-Arbeiter tot

    http://enenews.com/3rd-fukushima-nuke-worker-dead

    Arbeiter stirbt bei Dekontaminierungsarbeiten in Fukushima

    http://enenews.com/report-worker-dies-while-decontaminating-in-fukushima

    http://ex-skf.blogspot.de/2011/12/unconfirmed-info-decon-volunteer-in.html

    Anwohner: In den am stärksten kontaminierten Gebieten arbeiten unregistrierte Arbeiter (“unlisted”), sie werden gefangen gehalten, bis sie sterben, und als vermisst gemeldet

    http://enenews.com/interview-local-says-unlisted-fukushima-workers-who-cleanup-highly-radioactive-debris-are-held-captive-until-they-die-then-marked-as-missing-police-guards-also-dying-video

    Reporter: Krankenwagen kamen mindestens 10 mal täglich nach Fukushima

    http://enenews.com/shukan-asahi-reporter-says-he-heard-ambulances-come-to-fukushima-plant-at-least-for-10-times-a-day-video

    Gerüchte via Twitter in Japan: viel mehr Fukushima-Arbeiter tot als öffentlich bekannt

    http://enenews.com/strange-rumor-circulating-via-twitter-in-japan-many-more-fukushima-workers-dead-than-revealed-bodies-may-be-kept-at-medical-school

    http://topsy.com/megalodon.jp/2011-1107-1305-15/blogs.yahoo.co.jp/chikako_5155/7006995.html

    • stefanolix sagt:

      Die ersten beiden Toten waren Erdbeben- oder Tsunami-Opfer. Der erste Tote im Verlauf der Aufräumungsarbeiten ist m. W. an einer Herzattacke gestorben. Die Zahl von 50 toten Arbeitern ist wirklich nirgends belegt.

      Es ist bekannt, dass in Tschernobyl unmenschlich mit den Liquidatoren umgegangen wurde und dass viele von ihnen gestorben sind:

      http://de.wikipedia.org/wiki/Liquidator

      Wenn man es von dort (aus der vergleichsweise abgeschotteten UdSSR) weiß, dann müsste es doch aus Fukushima erst recht bekannt sein. In Japan können doch nicht einfach so viele Menschen verschwinden.

    • Klaus W. sagt:

      Manchmal hat man den Eindruck, daß einige regelrecht enttäuscht sind, daß das Reaktorunglück bisher sehr glimpflich abgelaufen ist. In dem Zusammenhang fällt mir ein Herr R. aus Potsdam ein, der 2002 in einem Fernsehinterview geradezu glücklich wirkte, daß so viel Schaden durch das Hochwasser in Dresden entstanden war.

    • Bei enenews selber ist von Gerüchten die rede, die man das verbreitet. Man findet auch Webseiten, welche “die Wahrheit” über den 11. September verbreiten…

      Wird das nun die neue Verschörungstheorie. Die Atom-Men-in-Black? http://de.wikipedia.org/wiki/Men_in_Black

  4. [...] Stefanolix weist zurecht darauf hin, dass man diese Menschen nicht einfach für tot erklären kann. Hier eine Diskussion in Zettels kleines Zimmer. [...]

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