Ist es nicht nur noch eine Frage der Zeit,

bis Wahlplakate so aussehen?

Model an einem Bauzaun der Centrum-Galerie.

Model an einem Bauzaun der Centrum-Galerie.

Das fragte ich mich, nachdem ich in der Innenstadt oft genug an Plakaten mit dem Bild dieses Herren vorbeigelaufen bin.
Patrick Schreiber: Auch ein Kandidat mit einem schönen Kinn.

Patrick Schreiber: Auch ein Kandidat mit einem schönen Kinn.


PS: Könnte mir bitte jemand sagen, was es mit dem schemenhaft dargestellten Gesicht auf sich hat, das man auf den Plakaten einiger CDU-Kandidaten erkennen kann? Ist das eine Volksnähe-Simulation?

20 Responses to Ist es nicht nur noch eine Frage der Zeit,

  1. Da man auf Wahlplakaten keine Inhalte rüberbringt muss man sich eben andere Dinge suchen, mit denen man auf sich aufmerksam macht. – Allerdings liegt das vielleicht daran, dass man keine Inhalte zu vermitteln hat, denn mit markigen Sprüchen könnte man doch zumindest ein bisschenwas ausdrücken. Ich traue mich kaum diesen Satz zu schreiben, aber so schlimm es auch ist, die NPD macht es vor. Auf deren Wahlplakaten kommen eindeutige Inhalte zum Ausdruck. „(Kriminelle) Ausländer raus!“ ist deutlich aussagekräftiger als „Mit kluger Kraft.“ Bei ersterem weiß ich sofort, dass ich die nicht wähle, wohingegen der letzte Spruch überhaupt nicht weiter hilft.

    Ich schätze der vermatschte Kopf im Vordergrund soll wohl darstellen, dass der Kandidat immer im Gespräch mit seinen Wählern ist. (Allerdings sind CDU-Wähler dann grundsätzlich Anzugträger?!)

  2. Claudia sagt:

    Die kollektive Aussagelosigkeit der Wahlplakate hat mich von der Europawahl abgehalten. Bei der nächsten Bundeswahl werde ich zähneknirschend mein Zettelein ausfüllen – und denen meine Stimme geben, die ich für das geringste Übel halte. Eigentlich sollte Demokratie anders funktionieren.

    • stefanolix sagt:

      Bei mir fallen gerade immer mehr Parteien aus der engeren Wahl. Das geringste Übel scheint mir gerade noch wählbar, aber viel darf nicht mehr passieren. Sonst: Proteststimme für die »Piraten« oder ungültige Stimme. In diesem Wahlkampf werden wir offensichtlich schlimmer verar***t als je zuvor.

      PS: Im nächsten Beitrag gibt’s musikalischen Trost.

      • foster sagt:

        Was soll eigentlich eine absichtlich ungültige Stimme bringen? (gegenüber Nicht-Wählen)
        Ein etwaig hoher Anteil an ungültigen Stimmen ist doch aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht interessanter als ein hoher Nichtwähleranteil.

        Was mich aber wirklich ärgert, ist, dass mich zwar keine Partei wirklich anspricht, ich mich bei der Landtagswahl aber wegen der Gefahr einer NPD bei >= 5 Prozent halb genötigt fühle, eine (gültige) Stimme für eine der Nichtüberzeugenden abzugeben.

  3. […] aber keine kluge oder unkluge Kraft. [Mit Dank an den Hinweisgeber Koloradokäfer, der mich in einem Kommentar am Rande auf dieses Plakat […]

  4. Claudia sagt:

    Dieser Herr Schreiber mit seinem geckenhaften Bärtchen sieht so unsäglich selbstzufrieden aus, daß ich Zweifel hege, ob er schon jemals irgendetwas an sich selbst in Zweifel gezogen oder gar bereut hat. Das wiederum läßt auf vollständige Realitätsferne schließen.
    E.T.A. Hoffmann hat für solche Gesichter den unübertrefflichen Ausdruck „ein glaues Männlein“ (glau = glatt, fein).
    Das schemenhafte, wohl lächelnde Gesicht im rechten Bildrand symbolisiert m.E. die bewundernde Masse der Wähler. Im ersten Entwurf war es etwa in Schulterhöhe des Herrn Schreiber, um die kniende Position des Oranten anzudeuten; besagter Entwurf wurde jedoch vom psychologischen Berater der CDU als „allzu deutlich“ gerügt.

    • stefanolix sagt:

      Aber die CDU-Kandidaten schauen konsequent an der Wählerin(?) vorbei! Ich will gern weitere Beispiele fotografieren, aber heute bin ich leider über den ganzen Tag ausgebucht.

      @henteaser und Claudia: Schön ist, dass wir jetzt zur Rezeptionsästhetik kommen! Das war eigentlich auch der Sinn hinter dem Artikel.

    • Patrick Schreiber sagt:

      Liebe Claudia S.,

      vielelicht sollten Sie sich mal die Mühe machen und den Herrn Schreiber einfach mal fragen, ob er denn in seinem Leben schon mal etwas bereut hat, so unsäglich selbstzufrieden ist und wie realitätsfern er vielleicht sein könnte oder eben auch nicht…

      Also ich jedenfalls empfinde des Plakatmotiv wesentlich ansprechender als Ihre Wahlkampfrede, die man sich auf Youtube anschauen kann und das liegt nicht nur am Inhalt… ;-)

  5. henteaser sagt:

    Das ist sogar ein Bart?! Ich dachte, dass wäre ein Kinngrübchen. (Das angeschnittene Gesicht hatte ich auch erst dank Stefanolix‘ Hinweis bemerkt.)

    • stefanolix sagt:

      Wahrscheinlich ist es mein ganz großer Fehler, dass ich zur Zeit zu aufmerksam durch die Straßen gehe. Ja, mir fallen solche Sachen auf. Auf den Plakaten gibt es auch noch viele Beispiele für schlechtes Layout, schlechtes Deutsch, schlechte Typografie — »es schüttelt einen Hund mitsamt der Hütte« sagt man in einigen Teilen Sachsens ;-)

      Aber dieses Stück blondes Gesicht ist beabsichtigt und darüber wird noch zu reden sein.

  6. Die FDP hat das mit Silvana Koch-Mehrin bundesweit betrieben; darüber hast Du Dich aber nicht beschwert, wenn ich mich nicht irre. ;)

    • foster sagt:

      Bei Männern fällt es aber noch auf, bei Frauen ist man(n) schon zu sehr daran gewöhnt, das der Fokus auf Präsentation liegt. Wobei die Wahlplakate von Angela aus 2005 in dieser Hinsicht wohl noch lange unerreicht bleiben werden, bei denen hat der Photoshop- oder GIMP-Guru, der sie fabriziert hat, vermutlich für alle Zeiten ausgesorgt, was Referenzen angeht.

      • stefanolix sagt:

        Ich sehe das etwas anders: gerade weil die Plakate gar keinen Bezug zur Realität mehr hatten, hat er (oder sie) sich damit keine Referenz geschaffen.

    • stefanolix sagt:

      Lieber Christian,

      Du kennst mich sicher nicht als Vertreter des Silvana-Koch-Mehrin-Fanclubs. Aber was hätte es gebracht, ihr Bild neben das eines männlichen Models zu stellen? ;-)

      Hier in meinem Blog habe ich schon vor den Kommunalwahlen grundsätzlich Plakate aller Parteien kritisiert und hinterfragt. FDP-Lokalpolitik und FDP-Plakate nehme ich besonders unter die Lupe. Mir geht es dabei um Inhalt, Sprache und Gestaltung.

      Herzlichen Gruß an Dich und die SPD;
      vielleicht kommt Ihr ja in Sachsen mal über 10% ;-)

      Stefan

      .

  7. […] vor dem Tag, wo  sich der Guido und der Frank-Walter derselben Methoden bedienen, und wir statt kantiger Kinne plötzlich auf die gute, alte Hasenpfote […]

  8. julia sagt:

    warum wird sich denn hier permanent über die etablierten parteien aufgeregt und nur von einer stimme wage in betracht die piraten zu wählen bzw vll doch lieber gar nicht zu gehen????
    da hat sich endlich mal eine durchaus sinnvolle alternative gebildet und dann seid ihr immernoch nicht zufrieden und regt euch lieber über sowas, nicht unbedingt überraschend entäuschendes, auf???

    • stefanolix sagt:

      Vielleicht, weil es zu den Piraten bei einigen Wählern doch noch einige Unsicherheiten gibt?

      Vielleicht, weil viele zwischen Protestwahl (also Piraten) und notgedrungener Wahl des Kleinsten Übels schwanken?

      Die Piraten sind momentan eine Partei mit einem Thema, ich sympathisiere teilweise mit ihnen. Ich sehe sie aber 2009 noch eher als eine Protestpartei, nicht als eine politisch gestaltende Partei.

      Grüne, FDP, CDU, SPD und LINKE sind halt etablierte Parteien und die meisten Leute, die hier kommentieren, haben schon eine dezidierte politische Meinung.

      Aber bringt mir gern Argumente pro Piraten, es ist noch etwas Zeit bis zur Wahl ;-)

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