Kollegiale Wertschätzung

Gestern wurde ich via twitter auf einen Artikel bei Stefan Niggemeier aufmerksam. Jemand hatte ihm eine Notiz aus den »Dresdner Neuesten Nachrichten« zugespielt. Mit kunstvoll eingearbeitetem Schreibfehler lautete sie:

Stefan Niggemeier, der sehr überschätzter Web-Blogger, verlässt nach dem Wechsel in der Chefredaktion den Spiegel.

Was für eine Unsitte: Meinung und Meldung werden hier sogar in einem Satz vermischt. Die Meinung des Verfassers oder der Verfasserin hat aber in den Kurzmeldungen auf einer Kulturseite überhaupt nichts zu suchen. Diese Meldungen sollen informieren und nicht polarisieren.


Der Flurfunk twitterte:

Ulrich van Stipriaan ‏kommentierte:

Ein shit-störmchen weht auf!


Man muss daraus keinen Shitstorm machen. Wer solche Meldungen in die Welt setzt, liest vermutlich keine Zeitung. Stefan Niggemeier hat jahrelang für die F.A.S. geschrieben und schreibt als bekannter Medienjournalist auch für andere Printmedien.

Wer Stefan Niggemeier auf die Rolle eines »überschätzten Web-Bloggers« reduziert, könnte den Chefredakteur der »Dresdner Neuesten Nachrichten« im gleichen Atemzug als Gelegenheits-Twitterer einstufen. Beides wird den Leistungen der Genannten überhaupt nicht gerecht.

Die Chefredaktion der DNN könnte allerdings die Gelegenheit nutzen, ihre Position via Twitter oder Facebook zu erläutern. Die »überschätzten Web-Blogger« sind gespannt ;-)


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11 Responses to Kollegiale Wertschätzung

  1. Muyserin sagt:

    Die wirkliche Nachricht hier ist ja wohl: Stefanolix bei Twitter??? Where can I follow? :)

  2. Muyserin sagt:

    Übrigens: eines der ersten Dinge, die man zu meinen Zeiten an der Uni als Lektion in Sachen Creative Writing mitbekam, war, in seriösen Texten auf sog. „modifier“ zu verzichten. Im Deutschen nennt man das, glaube ich, Attribute. Im genannten Beispiel wirkt das „sehr“ nicht nur naiv, sondern nachgerade falsch. Oder sollte es wirklich eine Steigerungsform zu „überschätzt“ geben (womöglich auch noch in Form von „am überschätztesten“? ;))

    Weiteres Ungemach hätte vermieden werden können, wenn man sich an Mark Twains unschätzbaren Rat gehalten hätte: „Wenn Sie ein Adjektiv erwischen, machen Sie ihm den Garaus!“.

    Zu guter Letzt hätte sich die DNN nur noch an ihren hauseigenen Qualitätsblogger wenden müssen, um sich erklären zu lassen, dass „Web-Blogger“ einen Pleonasmus darstellt.

    • stefanolix sagt:

      Das waren noch Zeiten ;-)

      Um neben Mark Twain noch einen anderen berühmten amerikanischen Autor zu Wort kommen zu lassen – Ambrose Bierce hätte 2013 in »Des Teufels Wörterbuch« geschrieben:

      Hauseigener Qualitätsblogger: Bläst PR-Meldungen ins Netz, ohne dabei Luft zu holen.


      Ja, in diesem Satz aus der DNN stecken viele Fehler. So viele Fehler, dass ich mich frage: War es vielleicht Absicht? Wollte sich da jemand bemerkbar machen?


  3. owy sagt:

    Kleine Info am Rande: Die Medienseite der „DNN“ ist eine Durchlaufseite von der „LVZ“ – heißt, der eigentliche Autor der Zeilen über Niggemeier sitzt in Leipzig.

    • stefanolix sagt:

      Könnte er (sie) nicht sogar zentral für die Verlagsgruppe Madsack arbeiten? Solche Kurzmeldungen werden doch sicher nicht nur für LVZ + DNN geschrieben?

      • owy sagt:

        Könnte, theoretisch. So weit ist die Zentralisierung meines Wissens aber noch nicht. Auch würde die „DNN“ die Seiten dann wohl nicht aus Leipzig, sondern Berlin bekommen. Tut sie aber nicht.

      • stefanolix sagt:

        Diese Kulturseite wurde ganz sicher in Leipzig gesetzt. Aber der Inhalt kann doch zentral bereitgestellt werden. Jetzt müsste man eine der anderen Zeitungen der Madsack-Gruppe haben …

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