Die Unsitte des Freistellens von Bildern in der Lokalzeitung

Die sächsischen Lokalzeitungen »Dresdner Neueste Nachrichten« und »Leipziger Volkszeitung« haben seit dem Wochenende ein neues Layout.

Insgesamt finde ich die Überarbeitung des Layouts nicht schlecht: Die Zeitung liest sich insgesamt etwas leichter, die Schrift ist angenehmer und das Erscheinungsbild wirkt moderner.

Allerdings stört mich ganz erheblich die Unsitte, dass anscheinend pro Ausgabe ein halbes Dutzend Bilder freigestellt werden müssen. Das sieht dann ungefähr so aus:

Welchen Gewinn bringt das Freistellen für die Leser?

Welchen Gewinn bringt das Freistellen für die Leser?

Was sagt mir dieses Bild? Da steht oder hängt eine Band aus drei jungen Frauen in der Luft und die rechte Musikerin hält dabei sogar noch einen Bass in der Hand. Wenn man schon freistellen muss, dann gehört doch eine Basis zum Bild, auf der die drei jungen Frauen stehen. Natürlich braucht man dafür auch eine entsprechende Vorlage.

Das freigestellte Bild ist kein Gewinn für den Artikel, es ist kein Gewinn für das Layout und es bringt dem Leser keinen Nutzen. Es zeigt nur: Wir haben in der Redaktion ein Programm, mit dem man Figuren freistellen kann.

Leider sehen diese freigestellten Figuren meist wie das Ergebnis der ersten oder zweiten Übung in Bildbearbeitung in der siebten Klasse aus. Solche Bilder erwartet man in der Hintertupfinger Bauernzeitung – aber nicht in einer Zeitung für eine Kulturstadt mit mehr als 500.000 Einwohnern.

Haben sich die Zeitungsgestalter in Leipzig oder Dresden schon mal überlegt, warum man in einer seriösen überregionalen Tageszeitung wie der F.A.Z. solche Illustrationen nicht findet?


PS: In dem verlinkten Artikel im Medienblog »Flurfunk« wird in einem Kommentar schon die Vermutung aufgestellt, ob das Zeitungshaus Madsack damit seine Lokalzeitungen noch »gleicher« machen will. Der Hintergedanke könnte sein: Dann lassen sich Artikel noch einfacher übertragen und man kann vielleicht noch etwas mehr an den Kosten sparen.


4 Antworten zu Die Unsitte des Freistellens von Bildern in der Lokalzeitung

  1. Hm, also ich finde die neue Optik bis auf die doppelzeilige Überschriftenlösuns äußerst positiv. Die Zeitung ist nun viel besser strukturiert und nicht mehr so chaotisch. Das mit dem Freistellen der Bilder ist letztlich auch immer eine Geschmacksfrage. Ich finde, es lockert dann und wann die starre Form der Spalten und Zeilen durchaus auf. Zu oft sollte es allerdings auch wieder nicht gebraucht werden. Eine “Unsitte” kann ich darin allerdings nun nicht erblicken. Und ob eine Zeitung seriös ist oder nicht, das kann man glaube ich daran gewiss nicht festmachen (und sollte es auch nicht). Ich denke, es hat eher auch etwas mit dem Klientel zu tun, das eine Zeitung ansprechen möchte. Die FAZ spricht ein ganz anderes Klientel an (nämlich ein überregionales von eher gehobenem Anspruch) als die DNN oder die LVZ. Beide bewegen sich auf lokalem bzw. regionalem Terrain und sprechen ein Publikum quer durch die Gesellschaft an. Da darf es ruhig auch mal ein wenig illustrativer und bunter zugehen. Aber eben möglichst nicht zu oft – da gebe ich dir durchaus Recht.

    • stefanolix sagt:

      Das neue Layout ist insgesamt besser. Wenn die Texte genauso klar und strukturiert sein werden, soll es mir recht sein ;-)

      Hauptargumente gegen das Freistellen des dargestellten Bildes:
      1. Das Freistellen bringt dem Leser keinen Nutzen.
      2. es lässt die Musikerin rechts mit dem Bass [vorsichtig ausgedrückt] etwas merkwürdig dastehen.

      • Ich sag mal so: In diesem Fall hätte ich vielleicht auch nicht freigestellt. Es gibt Beispiele, da macht sich da einfach vom Effekt her unheimlich gut.
        Manchmal sind Freistellungen aber auch rein pragmatischer Natur: z.B. wenn ein spaltenkonformes Bild zu viel Platz wegnimmt, der für wertvollen Text und somit für mehr Informationsgehalt gebraucht wird.

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