Gegen Serbien: Es ist nur noch ein Fußballspiel

Eigentlich wollte ich heute einen Zettel mit Hinweisen für ZDF-Moderatorinnen, Fußballer und Funktionäre veröffentlichen: Welche Sprüche sollte man vor und nach dem Spiel gegen Serbien vermeiden? Schließlich wäre es schade, wenn in der Presse wieder mehr über einen Versprecher als über das Spiel zu lesen wäre …

Ich habe mich in den letzten Tagen über manche Überschrift geärgert. Heute zum Beispiel in der DNN: »Schweiz demütigt Spanien«. Was für ein Blödsinn! Die Schweizer haben mit Glück und geschickter Verteidigung gewonnen. Von Demütigung konnte keine Rede sein.

Ich freue mich aber auch daran, dass es bisher relativ wenig Nationalismus gibt. Wenn man die Geschichte der Beziehungen zwischen Deutschland und Serbien betrachtet: da gab es ja sehr düstere Zeiten, in denen solche Parolen gang und gäbe waren.

Wenn ich über die Google-Suche alte Kriegs- und Propagandapostkarten aus der Zeit des ersten und zweiten Weltkriegs finde, bin ich einfach nur entsetzt über soviel dummen Chauvinismus. Und die andere Seite hat ja in eine ähnliche Kerbe gehauen.

Heute ist es einfach nur ein Fußballspiel, in dem man ganz ohne Nationalchauvinismus für die eigene Mannschaft sein kann. Ich hoffe, dass wir morgen gewinnen und dass nachher niemand von Demütigung sprechen wird. Und so kann das jetzt meinetwegen bis zum Finale weitergehen ;-)


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26 Responses to Gegen Serbien: Es ist nur noch ein Fußballspiel

  1. torsten sagt:

    „Ich hoffe, dass wir morgen gewinnen…“ – Ihr spielt auch mit? Respekt!!!

    • stefanolix sagt:

      Diese Bemerkung wollte ich heute unbedingt noch lesen ;-)

      »Wir« sagt jeder Fußballfan. Die Fans der D-Jugend von Stahl Riesa, die Fans des Clubs aus St. Pauli und eben auch die Fans der Nationalmannschaft. Warum nicht? Es dauert doch nur 90 Minuten.

      • henteaser sagt:

        Es ist also quasi ein Blitzkrieg.

      • stefanolix sagt:

        Danke. Auf diese Weise bekommen wir den Zettel mit den unerwünschten Worten und Bemerkungen doch noch zusammen ;-)

      • torsten sagt:

        Vielleicht ist es für Dich nur ein Spiel. Durch verallgemeinernde Personalpronomen (wir, man, niemand), geht das aber verloren und es entsteht wiedermal der Eindruck, Du würdest in Deinem Beitrag für die Bewohner des Planeten Erde sprechen.

        Dass „es“ nur 90 minuten dauert, wird durch Dein „wir“ ja genauso wiederlegt, wie durch autofahrende Fahnen, Bewegungen der Menschen im öffentlichen Raum entlang bestimmter Linien, das Kreisen der Themen in den Medien, das Schland-Bier im Rewe …

        Und: zu leugnen, dass sport und insbesondere fußball zur konstruktion des nationalen/lokalen beiträgt und sowohl Alsdruck als auch Manifestation von Ausgrenzung ist und mehr als „nur“ ein fußballspiel ist, ist oberflächlich.

        lesenswert dazu „Blecking: Sport – Ethnie – Nation : zur Geschichte und Soziologie des Sports in Nationalitätenkonflikten und bei Minoritäten“

      • stefanolix sagt:

        Ich persönlich messe dem Fußball keine so große Bedeutung zu. Ich werde mir keine Fahne an mein Fahrrad klemmen, ich werde kein Bier trinken und ich werde auch nicht durch nationalistische Sprüche auffallen. Ich freue mich einfach an einem guten Spiel und wenn nicht »meine« Mannschaft gewinnt, dann hat es in diesem Spiel eine bessere Mannschaft gegeben.

        Das »wir« bezog sich auf die Fans, die sportlich-fair die deutsche Mannschaft unterstützen. Ob jemand anders aus seiner persönlichen Sicht heraus Bier zum Spiel bevorzugt, ob er die Öffentlichkeit zum Jubeln braucht oder ob er sein Auto mit Fahnen dekoriert, ist mir relativ egal.

        Der DFB hat über sechs Millionen Mitglieder, die Nationalmannschaft hat vielleicht zwanzig Millionen Fans. Wer wollte leugnen, dass die Fans auch eine gewisse gesellschaftliche Bedeutung haben? Wer wollte leugnen, dass es vielen Fans und DFB-Mitgliedern auch um Nationalstolz geht? Aber der aggressive Nationalchauvinismus von damals ist damit nicht mehr verbunden. Und der kam auch nicht vom Fußball …

      • torsten sagt:

        „Aber der aggressive Nationalchauvinismus von damals ist damit nicht mehr verbunden. Und der kam auch nicht vom Fußball …“

        – Dann google doch mal: Deutschland Türkei Dresden Döner

      • Antifa sagt:

        Oder hier: Ausschreitungen in Bitterfeld-Wolfen Das eine ist nicht ohne das andere denkbar.

      • stefanolix sagt:

        Ich weiß. Deshalb schrieb ich:

        Das »wir« bezog sich auf die Fans, die sportlich-fair die deutsche Mannschaft unterstützen.

        Das hatte mit sportlich-fairer Unterstützung der eigenen Mannschaft nichts zu tun.

      • torsten sagt:

        Resümee dieses Beitrags: Fußball ist nur Sport und es gibt keine Zusammenhänge zwischen Fußball, Chauvinismus und Nationalismus. Außer in Situationen und bei Personen, bei denen es diese Zusammenhänge gibt.

        Klasse Beitrag, Stefanolix!

      • stefanolix sagt:

        Es gab in Dresden /nach einem Spiel/ Ausschreitungen. Es ist noch nicht schlüssig nachgewiesen, ob die Täter überhaupt Fußballfans waren.

      • stefanolix sagt:

        PS: Ausschreitungen ohne Bezug zum Spiel sind nicht nur denkbar, sondern sie kommen häufiger vor. Beispielsweise beim Überfall auf Spiele der Amateure. Oder wenn Rechtsextreme die Zuschauer angreifen, wie in Leipzig. Das primäre Merkmal ist doch dann nicht »Fan«, sondern »Schläger«. Die brauchen doch keinen Fußball, um gewalttätig zu werden.

      • torsten sagt:

        Es gab in Dresden /nach einem Spiel/ Ausschreitungen. Es ist noch nicht schlüssig nachgewiesen, ob die Täter überhaupt Fußballfans waren. – Und die Leute, die in Fußballstadions rassistische Fan… er.. Gesänge anstimmen?

        Das Resümee wird also konkreter:

        1. Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Fußball und Chauvinismus/Nationalismus.

        2. Außer in Fällen, in denen Personen nationalistisch und chauvinistisch agieren.

        3. Und genau weil diese Personen nationalistisch und chauvinistisch agieren und es keinen Zusammenhang zwischen Fußball und Chauinismus gibt (siehe Punkt 1), sind das gar keine Fußballfans sondern Schläger, Nazis, … (wahlweise anderes diskreditierendes Schlagwort einsetzen).

        4. Ich bin raus.

    • Antifa sagt:

      Die Fans der deutschen Fußballnationalmannschaft wäre ja vielleicht ein Vorschlag zur Güte. Das Wörtchen „wir“ wird auffällig oft genutzt, wenn es (vermeintlich) positiv Verwendung findet.

    • Antifa sagt:

      Grenzwertig oder noch im Rahmen? Es geht ja um Fußball: Titelseite der Dresdner Morgenpost vom 7. Juli 2010

      • stefanolix sagt:

        Die kennen keinen Rahmen und keine Grenzen. Und außerdem ist es ein völlig dummes Titelbild.

        Die »Morgenpost« ist mir zum ersten Mal kurz nach ihrer Einführung in Dresden unangenehm aufgefallen, als sie auf der Titelseite einen Fußballspieler öffentlich mit AIDS in Verbindung brachte.

  2. stefanolix sagt:

    Noch eine weitere sinnlose Überschrift aus der heutigen Presse: Hitzfelds Alpenfestung hält Spanien-Sturm stand (»stern.de«).

    • Alex sagt:

      Stefan aber irgendwie ist doch klar, dass man im Journalismus Bilder oder manchmal auch Klischees benutzt (konkret in diesem Fall für 2 untersch. Spielsysteme bzw. gefühlte Ausrichtungen). Ich finde die Überschrift gar nicht sinnlos, im Gegenteil, sie trifft es zu 100%.

      Was wäre denn das für eine Landschaft wenn „JEDER“ schreiben würde: x gewinnt gegen y? Wie langweilig! Nee, nee.

      Dürfte man eigentlich schreiben: x „schlägt“ y oder würde das dann in die Rubrik Gewaltverherrlichung fallen? Man könnte ja drüber nachdenken ;-) Gruß Alex

      • stefanolix sagt:

        »A schlägt B« ist eine eingeführte Wendung, selbst im völlig unverdächtigen Schach. Aber das Wort »demütigen«? Ich finde das nicht sportlich.

        Bei der »Alpenfestung« lag das Problem nur darin, dass das mal ein militärischer Begriff war.

  3. Alex sagt:

    Klar , die militärische Historie kenn ich durchaus. ;-) Aber ich finds jetzt trotzdem nicht so schlimm. Es weiß definitiv Jeder WAS oder besser WIE es gemeint ist und darauf kommt es an. Da gibts für mich keine Zweideutigkeit.

    Demütigen ist für mich im Sport bei einem Wettkampf ebenfalls, zumindest erweitert, ein gängiger Begriff. Wenn der hoch gehandelte Favorit auf den WM Sieg hier von „kleinen“ Schweizern besiegt wird, dann kann das schon mal als demütigend bezeichnet werden. Na jut. Jeder tickt anders. ;-) Für mich eine normale, geläufige Wortwahl.

  4. tigger sagt:

    Jeden Tag muss ich mir von Politikfetischisten jeder Couleur Propaganda anhören, die mich verbal kollektiviert. „wir Bürger…“, „wir Wähler…“, „wir Steuerzahler…“, wir „Proletarier“, wir…“kleine Männer“. Jeder Hanswurst der sein linkes oder rechtes politisches Süppchen verkaufen möchte, benutzt das „wir“, um aus seinen Interessen, die eines nicht-existierenden Gemeinwesens zu fabrizieren.

    Aber jetzt lese ich endlich ein „wir“ im nicht-politischen Zusammenhang, ein „wir“ dem ich mich sogar anschliessen *könnte*, als Teil der Fangemeinde der Deutschen Mannschaft.

    Und AUSGERECHNET DAZU hagelt es Sprachkritik ? Das gibt es echt nur in Doitschland.

  5. Torsten sagt:

    Manmanman – welch hitzige Diskussion – dabei ist es doch wie im Titel so treffend erwähnt wurde „nur ein Fußballspiel“. Dass es immer „Idioten“ gibt, die Fußball für ihre Zwecke missbrauchen, wird man nie verhindern können. Man kann aber versuchen, offensiv und ehrlich mit dem Thema umzugehen. Die „echten“ Fangruppen stärken und Gewalt konsequent bekämpfen. Ich persönlich finde es immer wieder beeindruckend, wenn beim PublicViewing Fans beider Mannschaften gemeinsam und friedlich mitfiebern und -feiern. Klingt für Nicht-Fußballfans vermutlich ziemlich unglaublich – passiert aber immer wieder.

    Seis drum – ich bin dann mal weg – „el cheffe“ hat das Abfeiern von Stunden für den heutigen Nachmittag ausdrücklich erlaubt – das heißt für mich: ab ins Waldschlösschen zum Fussi gucken.

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