Schöner die Statistik der Gemeinde – Mach mit!

Wer in der DDR zur Schule gegangen ist und die ersten Jahre des Berufslebens erlebt hat, kennt noch viele Schlagworte und Parolen der sozialistischen Planwirtschaft. Da gab es den unfreiwilligen Arbeitseinsatz »Subbotnik«, die Initiative »Schöner unsere Städte und Gemeinden — Mach mit!« oder die Bewegung »Messe der Meister von morgen«.

In diesem Artikel geht es um Vorgänge, die mich immer mehr an die DDR erinnern.

Die DDR-Bürger hatten sich seit den 1970er Jahren auf das System eingestellt: Sie gaben dem Staat seine Zahlen und wollten in ihrer privaten Nische in Ruhe gelassen werden. Der Staat vereinnahmte dafür die Initiativen seiner Bürger.

Wenn z.B. ein paar Leute aus einem Mehrfamilienhaus die Gestaltung des eigenen Vorgartens in die Hand nahmen, wurde das als Beitrag zur Stärkung des Sozialismus im Rahmen der »Volkswirtschaftlichen Masseninitiative« abgerechnet. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durften natürlich nicht hinterfragt werden.


Heute sollen die Bürger wieder mit einer Initiative zu großen und schönen Zahlen beitragen. Die Stadt Dresden hat ihre Bürger dazu aufgerufen, das Fahrrad zu nutzen und die gefahrenen Kilometer bei der Stadt abzurechnen. Dabei wird natürlich nicht hinterfragt, ob in Dresden die Rahmenbedingungen für den Radverkehr gut sind.

Wenn man das hinterfragt, stellt man sehr schnell fest: Sie sind es nicht. Die Fahrradfahrer werden meist an den Rand gedrängt, die Radwege sind oft in einem schlechten Zustand und ausgerechnet die umweltbewussten Neustädter Radler werden an der Albertbrücke abkassiert, wenn sie auf den Rad/Fuß-Wegen die falsche Richtung einschlagen.

Die Dresdner Stadtverwaltung eröffnet aber gern eine Augustus-Radroute durch die schönste Fußgängerzone der Stadt. Das kostet nur ein paar Schilder und es ändert für den Radverkehr überhaupt nichts.


Die Zahlen der »Radlerischen Masseninitiative« im Jahr 2011 können natürlich genauso wenig überprüft werden wie die VMI-Zahlen des Jahres 1981. Jeder kann irgendwelche Werte melden und niemand fragt nach, wie sie entstanden sind. Allerdings gibt es 22 Jahre nach Ende der DDR einen großen Fortschritt: Mit dem Rechner können die Zahlen viel bunter dargestellt und noch schöner aufgebauscht werden.

Das geht so: Die Stadt hat eine Website zur Erfassung der gefahrenen Rad-Kilometer verlinkt. Alle Kilometer werden erfasst. Jeder Kilometer wird mit einem CO2-Wert von 144 Gramm multipliziert, um am Ende eine Einsparung von ganz vielen Tonnen Kohlenstoffdioxid melden zu können. Hier ist die Website zur Auswertung, die Zahlen stehen heute noch auf Null. Es ist völliger Humbug, aber es sieht schön aus.

Nachdem schon die erfassten Zahlen keiner Überprüfung standhalten, sind die daraus abgeleiteten Zahlen erst recht völlig aus der Luft gegriffen. 144 Gramm Kohlenstoffdioxid werden nur eingespart, wenn man vom Auto auf das Rad umsteigt. Ich fahre z.B. jede Woche etwa 200 Kilometer mit dem Rad und ich habe kein Auto. Aus meinen Kilometern würde sich eine Einsparung von 28.8kg Kohlenstoffdioxid ergeben, die aber überhaupt nicht existiert. Und vielen anderen geht es genauso.

Wen spricht man denn mit solchen Aktionen an? Es sind die Leute, die heute schon mit dem Rad, mit der Bahn oder mit dem Bus zur Arbeit fahren. Es sind die Leute, die sich in Fahrgemeinschaften organisieren, um Autokilometer zu sparen. Passenderweise lässt die Initiative ausgerechnet einen Fahrradkurier aus Dresden werben. Der junge Mann kann nun eine Woche lang seine tägliche Arbeit als CO2-Einsparung melden.

Wenn man sich die Zielgruppen genau anschaut, wird klar: Jede Zahl zur Einsparung von Kohlenstoffdioxid ist eine reine Luftnummer. In der DDR sprach man spöttisch von »Tonnenideologie«, wenn zentral irgendwelche Plankennziffern vorgegeben und abgerechnet wurden, die mit der Realität nichts zu tun hatten. Ende der 1980er Jahre waren viele Bürger der DDR so weit, dass sie sich nichts mehr vormachen ließen. Ich würde es gern erleben, dass auch in der heutigen Zeit wieder mehr hinterfragt wird.

Ich will mich mit meinen Rad-Kilometern nicht von der Stadtbürokratie vereinnahmen lassen. Ich will nicht, dass aus meinen gefahrenen Kilometern nutzlose Zahlen abgeleitet werden. Ich will endlich Taten sehen: Dresden soll eine Stadt werden, in der Radfahren Spaß macht und in der das Rad ein anerkanntes Fortbewegungsmittel ist. Auf CO2-Tonnenideologie kann ich sehr gut verzichten.


Ergänzungen: Hier ist die offizielle Seite der Stadtverwaltung zum Stadtradeln. Auch der Blogger randOM hat sich mit der Initiative beschäftigt. Natürlich hat die Initiative auch ein eigenes Blog mit Geschichten vom Radfahren. Wenn ich den Beginn des Gesprächs lese, muss ich unwillkürlich an den Otto-Sketch von der Mülltrennung denken.


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54 Responses to Schöner die Statistik der Gemeinde – Mach mit!

  1. random sagt:

    Ich dachte schon, ich bin eine alte Meckersuse ;-)

    Aber Du hast natürlich völlig Recht – letztendlich geht’s um hübsche Statistiken und Selbstbeweihräucherung. Wenn die Stadtverwaltung ’nen Arsch in der Hose hätte, würde sie für jeden gefahrenen Kilometer eien Summe x (10 Cent?) einzahlen und mit dem Geld die Situation für die Radfahrer verbessern.
    Richtig gut wäre auch, wenn die ganzen Sesselpubser selbst das Rad benutzen würden, dokumentiert von unserer Medienelite. Vielleicht hätten sie dann mal eine Vorstellung davon, wie fahrradfreundlich die Stadt ist.

    Die Bemerkungen von Henteaser zur allgemeinen Situation der Radfahrer in meinem Blog sind übrigens auch ganz aufschlussreich: http://www.dresdner-rand.de/haftminen-fur-radfahrer-oder-es-ist-krieg-auf-den-strasen-schlagen-wir-endlich-zuruck/comment-page-1/#comment-3040

    • stefanolix sagt:

      Diese Kommentare hatten mich u.a. auch zu meinem Artikel angeregt. Ich bin sprachlos, wie sich die Stadt eine heile Radler-Welt aufbaut.


      Wenn unsere SZ- und DNN-Medienelite einen Hintern in der Hose hätte, würden sie nicht die Politiker beim Posieren auf dem Rad fotografieren, sondern mal den Sinn solcher Initiativen hinterfragen.


      Auf anderen Gebieten verhält es sich mit den Plankennziffern und der Abgehobenheit unserer Stadtbürokraten ähnlich, aber man kann ja nicht zu jedem Thema so einen langen Artikel schreiben.

    • henteaser sagt:

      Das mit der Meckersuse ging mir ähnlich. Ich will die Aktion ja gut finden, aber irgendwie hab ich wohl den Wurm gespürt, der da drin steckt. Passt auch gut zur Grünwäscherei, jährlich für ’ne gefühlte Stunde die Altstadtsilouetten-Flakbeleuchtung abzuschalten und das als Großtat anzukündigen. Wann kommt eigentlich die autofreie City?

      • stefanolix sagt:

        »Greenwashing« war der Begriff, den ich heute morgen noch gesucht hatte. Und das Gefühl »man will eine Aktion gut finden, aber man spürt, wo der Wurm stecken könnte« ist gut beschrieben.

  2. stefanolix sagt:

    Zum Thema Bewegung und Sponsoring: Ich finde es z.B. richtig, bei einem Sponsorenlauf Prämien zu vergeben und (auf der anderen Seite) zu erlaufen. Da kann man aber auch wirklich sehen, welche Läufer wie viele Kilometer gerannt sind.

    Man kann mich gern für eine Aktion »Laufen für den Radweg« vormerken ;-)

    Wenn man die Fahrten mit dem Rad nicht kontrollieren kann und trotzdem eine Geldzahlung damit verbunden ist, führt das zu unerwünschten Mitnahmeeffekten, auf Deutsch gesagt: es wird betrogen, dass sich die Balken biegen.

  3. Frank sagt:

    Jeder Kilometer wird mit einem CO2-Wert von 144 Gramm multipliziert (…) Hier ist die Website zur Auswertung

    Bevor ich mich dort mit eintrage, verlange ich ein zusätzliches Eingabefeld, wo die Werte mit 186 Gramm multipliziert werden. Immerhin atme ich aus Klimaschutzgründen beim Radfahren extra nicht so oft aus!

    • stefanolix sagt:

      Gute Idee, aber ich muss Dich enttäuschen ;-)

      Zusätzliche Eingabefelder sind nicht möglich. Die Plankennziffern werden immer zentral vorgegeben.

      • Frank sagt:

        Übrigens finde ich das Pseudonym des Teilnehmers, der sich „Asphaltschinder“ nennt, nicht sehr überzeugend, wenn bei ihm noch Null Kilometer stehen: http://goo.gl/Q0knl

        (Okay, sehr unsachlich von mir, denn bei allen anderen steht das ja auch noch)

      • stefanolix sagt:

        Das verstehst Du falsch. Er steht schon am Start und scharrt vor Aufregung Löcher in den Asphalt ;-)

      • stefanolix sagt:

        PS: Hast Du mir jetzt diesen Link ins Blog gesetzt, damit ich den ganzen Abend nicht mehr aus dem Lachen herauskomme?


        »SPD-Fraktion – Für eine starke und gerechte Stadt«

        Dieser Slogan hat mich in all seiner Schlichtheit schon immer fasziniert. »Gerecht« kann die Eigenschaft eines Richters, eines Lehrers oder eines Mediators sein — und selbst bei diesen Personen mag jeder Betrachter und Betroffene seine subjektive Meinung über deren Gerechtigkeit haben. »Gerecht« als Attribut einer Stadt ist höherer Blödsinn.


        Die unvermeidliche Firma »Sandstein« muss natürlich mitmachen, weil sie PR und Werbung für die Stadt macht.


        Und man muss natürlich gendergerecht radeln:

        »Dresden radelt – Offenes Team für alle
        Offenes Team – hier kann jede/r mitradeln, die/der sonst kein Team hat«

        Bevor man diese Teambezeichnung ausgesprochen hat, haben die anderen einen Vorsprung von 200 Metern …

  4. Lenbach sagt:

    Was mich an solchen Sachen noch viel mehr aufregt, ist der Umstand, daß anscheinend niemand die Stirn hat, diesen ganzen CO2-Unfug zu hinterfragen. Im Gegenteil: Kaum wird irgendwo von grünen Sympathieträgern so ein Wohlfühl-Aktiönchen ausgerufen, bricht unter einem beträchtlichen Teil der Personen des öffentlichen Lebens leicht hektische Betriebsamkeit aus, schließlich möchte man nicht abseits stehen, sondern möglichst in der ersten Reihe sein Renommee aufpolieren. Ansonsten könnte es nämlich sein, daß sich derjenige kritische Fragen gefallen lassen müßte, ob man denn ein Umweltfeind oder gar Klimaleugner sei.

    Ich glaube, die allermeisten machen hier aus Gruppenzwang oder aus Angst vor negativer Publicity mit, nicht aus Überzeugung. Ich würde dem Politiker Beifall zollen, der sich hinstellt und öffentlich verkündet, daß ihm der ganze grüne Aktionismus am Arsch vorbeigeht und er nicht mitmacht. Das gäbe ein großes Hallo.

    Nochwas: Ist in diese obskure CO2-Rechnerei eigentlich jemals eingeflossen, daß, wer sich körperlich betätigt, auch mehr essen muß? Muß von den Wert etwas abgezogen werden, sollte der Radler sich anschließend ein schönes Rindersteak gönnen? Oder einen extra für ihn eingeflogenen Apfel aus Chile? Oder ist dadurch womöglich die gesamte Bilanz hin?

    • stefanolix sagt:

      Mit solchen Fragen macht man möglicherweise alles noch schlimmer. Stell Dir mal vor, dass man im kommenden Jahr bei der Aktion auch noch seinen Speiseplan abgeben muss ;-)

      Aber das wird nicht geschehen. Denn sie wollen ja gar keine exakten Zahlen haben, sonst würden sie nicht solche obskuren Ergebnisse verkünden. Ich habe da noch lustige Dinge gefunden …


      Zum Hinterfragen: Ich meine, dass es nur eine einzige vernünftige Strategie gibt. Man erklärt den Leuten, dass es auf der Welt wirklich wichtigere Probleme zu lösen gibt. Und das ist auch noch die reine Wahrheit. Leider tut sie weh, weil man viele Probleme nämlich nicht mit Wohlfühl-Aktionen lösen kann.

      Und etliche Vertreter dieser Wohlfühl-Branche [Arbeitstitel] müssten es dann wohl erstmals mit richtiger Arbeit versuchen.

      • Lenbach sagt:

        Stell Dir mal vor, dass man im kommenden Jahr bei der Aktion auch noch seinen Speiseplan abgeben muss ;-)

        Nicht nur das, auch ist ausufernde Körperbehaarung wie lange Haare oder Bart sowie weite Kleidung wegen Luftwiderstand untersagt – nur keine Energie verschwenden…

    • randOM sagt:

      „Greenbashing“ ist aber auch nicht die Methode der Wahl. Dass sich etwas in Richtung Umweltschutz und Nachhaltigkeit ändern muss, wird wohl kaum Jemand bezweifeln. Einiges ist ja schon passiert aber z.B. unser Energieverbrauch ist einfach noch immer viel zu hoch.
      Dass das „Greenwashing“ plötzlich in ist, zeigt ja in erster Linie, dass die Menschen – und sei es nur zur Beruhigung ihres Gewissens – auf „grüne Themen“ mehr Wert legen. Das kann ich nur als positiv bewerten. Menschlich verwunderlich ist hingegen nicht, dass Berufsmeinungsmacher wie Politiker und Journalisten auf den Zug aufspringen und davon zu profitieren versuchen. Das macht aber die Grundidee nicht schlechter.
      Dummerweise leben wir aber in einer Welt – und das soll jetzt mal nicht explizit Kapitalismuskritik sein – in der findige Menschen immer schnell erkennen, aus welchen Trends und Entwicklungen sich Geld schlagen lässt. Das hier ist so ein hübsches Beispiel (habe ich sehr gelacht): http://wahrheitueberwahrheit.blogspot.com/2011/09/nachhaltige-vollverblodung.html.
      Dass die Leute mit solchem Mist Erfolg haben, liegt aus meiner Sicht vor allem an zwei Gründen: Zum einen an der Komplexität des Themas, zum anderen an der unserer Species immanenten Faulheit.
      Obiges Beispiel mit dem Steak nach dem Radeln zeigt ja sehr schön, dass – und darauf läuft es ja hinaus – eine Ökobilanz eine extrem komplexe Sache ist oder anders ausgedrückt – dass wir, wenn wir versuchen, die Fakten in Zahlen zu gießen, um daran unsere Entscheidung auszurichten, ob so eine Sache nun gut oder schlecht, richtig oder falsch ist, reichlich Probleme haben. Letztendlich landen wir häufig beim quasireligiösen „glauben“.
      Na und die Faulheit meint, dass es natürlich bequem ist, sich irgendwas (möglichst hübsch designtes) zu kaufen und dann das Thema abzuhaken, ganz nach dem Motto „Ich kaufe ethisch korrekt“. Dass man dies gerne tun will, ist ja an sich keine schlechte Sache. Dumm nur, wenn man sich dann nur nach der bübsch glatten Oberfläche richtet…
      Um das Ganze zusammenzufassen: Wir befinden uns gerade am Anfang einer Entwicklung und es wird sicherlich noch allerhand Schwachsinniges passieren. Wie alle gesellschaftliche Veränderung ist auch die „Ökologisierung“ ein Pendelbewegung. Mal geht’s in die eine Richtung, mal in die andere…

      • stefanolix sagt:

        Wie man an meiner Wahl der Verkehrsmittel (Fahrrad, ÖPNV-Jahreskarte, Bahncard) sieht, bin ich ganz sicher nicht in der Position, ein Greenbashing zu betreiben. Das liegt mir fern. Was ich hier betrieben habe, ist Kritik an offenkundigem Blödsinn.

        In meinem Interesse als Verkehrsteilnehmer sind folgende Dinge: eine möglichst gute Abstimmung der Interessen, wirkliche Nachhaltigkeit im Verkehrsbau, ein gut ausgebautes Eisenbahnnetz und ein gut funktionierender ÖPNV.

        Wenn die Leute privat Geld für obskure Aktionen ausgeben, ist das Privatsache. Wenn der Staat dafür Fördergeld herauswirft, darf und muss ich eine Meinung haben ;-)

      • henteaser sagt:

        Stimmt alles soweit. Nur, dass das „Steak nach dem Radeln“ zwar umweltbilanzmäßiger Mist ist, aber vermutlich täglich weitaus mehr „Steaks [und andere Fleischwaren] nach dem Autofahren“ gegessen werden, weil es eben zum typischen Erstewelt-Lifestyle gehört.

        vgl. auch: http://thegurkenkaiser.blogsport.eu/2011/04/30/mikropraktiken-des-korpers-im-kapitalismus-ein-besuch-im-einkaufszentrum/

      • stefanolix sagt:

        @Henteaser: Wenn es um das richtige Maß für den Fleischverbrauch geht, würde ich aber nicht bei der globalen CO2-Bilanz ansetzen. Die wird durch den Menschen kaum beeinflusst.

        Die Verteilung der Nahrung auf der Erde ist eine schreiende Ungerechtigkeit. Das Problem hat viele Ursachen, einige davon entstehen aus dem Verhalten der großen Mehrheit der Bürger in Europa.

        Es ist ein viel zu wichtiges Problem, um es denen zu überlassen, die viel heiße Luft um das Radfahren anderer Leute machen.


        Die verlinkte Reflexion ist interessant. Aber sie zeigt doch auch, dass jeder Mensch eine individuelle Entscheidungsfreiheit hat. Wenn möglichst viele Menschen diese Freiheit möglichst richtig nutzen, kann sich etwas ändern.

        Aber durch solche Aktionen, wie ich sie oben aufs Korn genommen habe, wird sich gerade nichts ändern. Weil es Pseudo-Aktionen mit kurzfristigem Effekt und falschem Anreiz sind.

  5. Antifa sagt:

    …und ausgerechnet die umweltbewussten Neustädter Radler…

    Also wenn ich mir den Neustadt Ticker ab und an durchlese, dann ist dem Neustädter vor allem der Parkplatz vor der eigenen Wohnung wichtig ;)

    Und etliche Vertreter dieser Wohlfühl-Branche [Arbeitstitel] müssten es dann wohl erstmals mit richtiger Arbeit versuchen.

    Wen meinst Du denn damit und was soll bitte richtige Arbeit sein?

    • stefanolix sagt:

      Auf meinen Wegen kann ich oft beobachten, dass sehr viele Radfahrerinnen und Radfahrer aus der Neustadt z.B. über die Albert- und Carolabrücke fahren. Man erkennt sie ja auch ein wenig am Stil der Kleidung und am Fahrstil (und das ist jetzt mal uneingeschränkt nett gemeint).


      Mir war schon klar, dass die letzte Bemerkung nicht nur auf Gegenliebe stoßen würde. Aber eine solche Aktion, der die einfachsten statistischen und sachlogischen Grundlagen fehlen, betrachte ich ehrlich gesagt nicht als Arbeit.

      Dass wir als Steuerzahler auch für anderen Unsinn aufkommen müssen, ist kein Grund, zu diesem konkreten Fall zu schweigen.

      Das Radfahren an sich ist eine gute Sache. Diese DDR-artige propagandistische Auswertung fremder Fahrradkilometer und das Ausrechnen fiktiver CO2-Einsparungen wirklich nicht.

      • stefanolix sagt:

        Die Aktion Stadtradeln hat mit Sachsen relativ wenig zu tun. Sie läuft ja bundesweit und wird vom Bundesministerium bezahlt. Nur die beteiligten Kommunen in Sachsen haben noch ihre Kosten zu tragen.

      • Frank sagt:

        Diesen höchst sachlichen SPIEGEL-Artikel kann man gar nicht oft genug loben …

      • KurtE sagt:

        @randOM
        Da muß ich jetzt aber heftigst widersprechen. Sachsen ist definitiv nicht mehr DDR.
        So ein links-grüner Krawalltourist aus Thüringen, der im Februar in Dresden den prikkelnden Teil seiner Jugendzeit nochmal aufleben lassen wollte und dafür zeitweilig von der Justiz verfolgt wurde, ist da wohl kein Beweis. Ganz im Gegenteil. In der DDR wäre er „zur Klärung eines Sachverhalts“ von der Stasi abgeholt worden.
        Also immer mal schön die Füße stillhalten. Nicht alles, was Linke und Grüne erzählen, ist keine Porpaganda.
        Im Übrigen debattiert der Landtag in diesem Augenblick über das „Händiegäht“ vom letzten Februar.

      • stefanolix sagt:

        Ich war ja früher auch mal in einer Evangelischen Studentengemeinde (als Mitglied) und vorher als Gast in einer Jungen Gemeinde.

        In Weimar gab es Veranstaltungen wie den Semesteranfangs-Gottesdienst, Buchlesungen, Rüstzeiten oder Gespräche über Ökumene. Wir haben Bäume gepflanzt, Geld für Bitterfeld gesammelt, aber auch verbotene Bücher abgetippt und gemeinsam vegetarisch gegessen …

        In Jena machen sie anscheinend irgendwas ganz anderes: http://jg-stadtmitte.de/

  6. stefanolix sagt:

    Hinweis: Eine ausführlichere Version dieses Artikels ist gerade als Gastbeitrag in Zettels Raum erschienen. Vielleicht sieht man dort etwas besser, warum ich eine solche Aktion nicht wirklich als ernsthafte Arbeit bezeichnen kann.

    • Lenbach sagt:

      Dein erster Beitrag dort? Glückwunsch!

      Zettel lese ich sehr gerne. Ein sehr scharfsinniger und mit einem wohltuend natürlichen Trotz ausgestatteter junger Mann. ;-)

      • stefanolix sagt:

        Es ist das zweite Mal, dass Zettel einen meiner Beiträge in sein Blog genommen hat. Vorher hat er einen Beitrag zum Kirchentag übernommen.


        Der Artikel zum Fahrradfahren war eigentlich nur ein »Rant« mit lokalem Bezug. Erst als ich auf das Blog mit den Radfahrer-Geschichten gestoßen bin, habe ich das Ausmaß begriffen. Nach Zettels Anfrage habe ich mir dann mal die Berichte aus dem Vorjahr angesehen.

        Absurderweise veröffentlicht man dort CO2-Einsparungen mit einer Genauigkeit von hundert Gramm. Ein Musterbeispiel dafür, dass oft gerade bei solchen Rechnungen eine hohe Genauigkeit mitgeführt wird, die unverstanden geblieben oder zweifelhaft sind.

  7. Hmm, um ehrlich zu sein, bin ich etwas verwundert, in der Teilnehmerliste einen meiner früheren Arbeitgeber zu sehen … vielleicht schicke ich meinem „Ex“-Kollegen mal ’nen Link zu deinem Blogartikel ;)

    Einerseits verstehe ich ja das Anliegen der Stadt, etwas tun zu wollen, andererseits sind solch quantitativen Rechenbeispiele eher kontraproduktiv – wie du schon beschrieben hast.

    Tja, letztlich leben wir wohl doch noch in einer Planwirtschaft – nur bestimmt nicht der Staat allein die Planzahlen, sondern Wirtschaft (inkl. „Shareholders“) und Staat zusammen … selbst in der Umwelt“planung“.
    Ach, schöne „neue“ Welt :)

    • stefanolix sagt:

      Wenn die anderen Beteiligten die Beiträge in Zettels Raum (ZR) lesen, dann ist das nicht nötig. Die Version in ZR ist ja ausführlicher und enthält als Untermenge den oben erschienenen Artikel. Im Diskussionsforum ist dieses Blog auch als Ursprung verlinkt.


      Ich glaube nicht, dass »die Wirtschaft« solche Zahlen braucht und solche Initiativen von sich aus beginnen würde. Es ist falsch eingesetztes Fördergeld des Staates, das solchen Unsinn erst möglich macht.

      Dass dann Unternehmen auf solche falschen Anreize reagieren und Werbung im Rahmen der Aktion machen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Die Unternehmen unterstellen: wer bei solchen Aktionen mitmacht, der kauft auch Fahrräder, Rucksäcke oder Outdoor-Bekleidung.

  8. KurtE sagt:

    1. Danke! Der Begriff VMI war mir schon völlig entschwunden. In unserer Straße bedeutete das immer, den Müllcontainerplatz zu reinigen.
    2. Da können noch keine Kilometer stehen, weil es ja erst am Freitag losgeht. Und wehe, jemand rechnet den Donnerstag schon dazu!!!
    3. Wenn wir schon bei DDR-Bezügen sind, möchte ich auch den Begriff »Wasserkopf« in die Runde werfen. Auch in der BRD gibt es einen unglaublichen Wasserkopf in unserem gesellschaftlichen Leben, der von unseren Steuergeldern genährt wird. Und diese Leute müssen natürlich einen Existenznachweis erbringen. Die Helferindustrie hat es da etwas einfacher, aber die Klimaschützer müssen sich da schon etwas einfallen lassen. Zum Beispiel so einen Quatsch.
    4.Lasset uns singen! Wir singen das Lied: „Hey Pippi Langstrumpf – Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“
    Uuuund …

    • stefanolix sagt:

      Es stimmt, dass bei Dresden noch keine Kilometer stehen können. Aber man kann sich das Prinzip bei den Städten anschauen, die schon teilgenommen haben. Und man kann sich die absurden Zahlen aus dem Vorjahr anschauen.

      Ja, es kommt einem unwillkürlich der sogenannte Wasserkopf in den Sinn, wobei ich mir gern eine andere Bezeichnung wünschen würde, weil Hydrocephalus eigentlich eine schwere Krankheit ist.

      Es wäre eine Ideenfindung wert …

      Aber viel wichtiger ist mir: Wenn schon Steuergeld eingesetzt wird, sollte es auch mit klaren Zielvorgaben eingesetzt werden und das Erfüllen der Ziele muss kontrollierbar sein.

  9. Sog. Umweltprojekte haben mitunter einen seltsamen Beigeschmack … ich bin da spätestens Ende 2004 „geheilt“ worden, als ich mal auf einer Konferenz im Kongresscenter Dresden war, als es um das 28-Mio.-Projekt „intermobil“ ging. Wen’s interessiert – mehr im Artikel Intermobil … entspannt in eine mobile Zukunft?

    Soweit ich mich erinnere, sprach man dort von 50 neuen Arbeitsplätzen, 20 würden wegfallen, machte „netto“ 30 und einer Einsparung von 1-2% CO2 … von den 28 Mio. Euro waren rund 17 Mio. Steuergelder.
    Zudem ging das Plus für den Nahverkehr mit einem Minus für Radfahrer und Fußgänger einher – die Automobil-Branche hatte angeblich vorher diese Prämisse gesetzt (sinngemäße Aussage eines Mitglieds des Evaluierungsteams). Wissenschaft ist schon lange kein Feigenblatt mehr, sie wird bewusst eingespannt für diese oder jene Zwecke.

    Ich habe mich mit dem Evaluierungs-Team (aus Hamburg) unterhalten; der Chef ist nicht angereist, da ihm die Sache überhaupt nicht recht war … und ich konnte es auch versteh’n, denn es kamen rund 500 Personen (Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Medien etc.), moderiert wurde das Ganze von MDR-Mann René Kindermann … und es gab keine Kritik, absolut „Null“.

    • Korrektur: die Autoindustrie hatte keine Verluste haben wollen – so ist es richtig. Was letztlich bedeutete, wenn Nahverkehr zulegen und der MIV (mot. Indiv.-Verkehr) nicht verlieren sollte, es folglich zu Lasten von Radfahrern und Fußgängern gehen würde.

    • stefanolix sagt:

      Dein verlinkter Artikel enthält Gedanken, die keine Dresdner Zeitung so weit ausgeführt hat. Respekt.

      Übrigens zeigt sich ja heute, was für ein Schrott solche interessengeleiteten Prognosen sind.

      Ich habe zwar dieses ALLFA-Ticket immer aus Datenschutzgründen vehement abgelehnt, aber von dem Rest habe ich mehr oder weniger gar nichts gehört.

  10. Hallo,
    sicher, ähnliche Gedanken hatten wir (ADFC) anfangs natürlich auch. Da schmücken sich gerade die richtigen mit Pseudolorbeeren. Und dass die Aktion an sich keine Verbesserungen an der Fahrrad-Infrastruktur (und zunächst auch nicht an der verkehrspolitischen Ausrichtung) Dresdens bewegt, ist klar. Aber ich denke, ein erster Schritt in diese Richtung kann es schon sein. Ich sehe die DDR-Züge dieser Aktion auch (das ist ja ähnlich wie „Mit dem Rad zur Arbeit“ u.a.). Aber es existiert nach wie vor das Bewusstsein, dass es „richtigen“ bzw „wichtigen“ Straßenverkehr, also das Auto, gibt und den „ganzen Rest“. Und um aus dem „ganzen Rest“ herauszukommen, das Rad im Bewusstsein einer immer breiteren Mehrheit als normales, ja wichtiges und in der Stadtplanung gleichberechtigtes Verkehrsmittel werden zu lassen, dafür könnten solche Aktionen schon einen (wenn auch geringen) Teil beitragen. Es ist für uns wirklich nichts neues mehr, aber der Masse der Leute einfach nicht klar, dass man nicht nur zum Spaß mit dem Rad fährt und dass viele Autofahrten mit dem Rad kompensiert werden könnten. Entsprechend richten sie ihr Wahlverhalten auch an Parteien aus, die mehr oder weniger unverhohlen die Bevorzugung des Autoverkehrs predigen.

    Und stell dir vor, niemand würde in Dresden mitmachen: Die Aussage von Politik und Stadtverwaltung könnte dann genauso lauten: „Dresden ist keine Fahrradstadt. Es fährt hier eh keiner Rad. Es lohnt sich nicht, noch mehr Geld für den Radverkehr rauszuschmeißen.“

    Bashing der Politiker und Verwaltungsmitarbeiter allein führt nicht zu „pro Rad“ veränderten einem Bewusstsein, sondern lediglich zu Abschottungsbewegungen (obwohl einem natürlich ständig danach zumute ist – klar).

    Viele Grüße,
    Konrad

    • Glaubst du, Konrad, dass durch solche Aktionen, Autofahrer zu häufigerer Fahrradnutzung bewegt werden koennten???

      Es ist eine mehr oder minder seltsame PR-Aktion, mit fragwürdigem Inhalt … ich sehe darin mehr Kontraproduktives, weil es die Sache verzerrt und lächerlich macht.

      • stefanolix sagt:

        Es ist erstens eine Aktion für überzeugte Fahrradfahrer, die muss man aber nicht mehr umwerben.

        Es ist zweitens eine Aktion für die Nutznießer, die sich das Fördergeld einstecken und dafür mehr als fragwürdige Zahlen »nach oben« melden.

        Es ist drittens eine Aktion für die Lobbyisten, die auch Fördergeld kassieren wollen. Auch für die Unternehmen, die gern Produkte rund um Rad & Umwelt absetzen möchten — auf Deutsch: subventionierte Werbeflächen.


        Es ist ganz gewiss keine Aktion, mit der man ernsthaft Menschen zum Umsteigen bewegen kann. Der Taxifahrer, der mich heute zum Bahnhof gefahren hat, sagte: »Eisenbahn? Damit bin ich zum letzten Mal in DDR-Zeiten gefahren«. Will man solche Leute von anderen Verkehrsmitteln überzeugen, dann ganz sicher nicht mit solchen Aktionen.

      • Mann, Stefan, ich wollte doch mal was ähnliches von einem Mitglied des ADFC hören ;)

      • „Glaubst du, Konrad, dass durch solche Aktionen, Autofahrer zu häufigerer Fahrradnutzung bewegt werden koennten???“

        Nö, das hab ich auch nirgends geschrieben.

      • stefanolix sagt:

        SCNR: Aber es doch /das/ erklärte Ziel dieser Aktion, Autofahrer zum Umsteigen auf das Fahrrad zu bewegen. Darauf bauen doch all die Berechnungen auf. Wenn Du daran nicht glaubst, warum machst Du dann mit?

      • stefanolix sagt:

        Siehe unten. Ich wurde durch das familiäre Mittagessen beim Antworten unterbrochen und musste erst mal zwischenspeichern.

    • stefanolix sagt:

      Nicht jede Kritik ist ein »bashing«. Staatliches Handeln und Verwaltungshandeln darf ich als Bürger kritisieren, wenn es nutzlos ist oder wenn es schadet.

      Ich erkenne keine Logik in Deiner Aussage »wenn keiner mitmachen würde, bekäme der Radverkehr weniger Geld«. Soll das heißen, dass alle Kommunen, die keine Radfahrer melden, von ihren Bundesländern und vom Bund abgestraft würden?

      Zum Glück gibt es so eine Konsequenz nicht. Im letzten Jahr hat Dresden nicht mitgemacht, in diesem Jahr macht die Stadt pro forma mit. Aber was ändert das? Glaubst Du, dass sich die Förderung für den Radwegebau nach solchen Phantasiezahlen richtet? Dann können wir doch gleich für alle Kommunen jeweils ein Web-Formular ins Netz stellen und wer die höchsten Zahlen einträgt, bekommt einen neuen Radweg.


      Es geht mir im Prinzip weniger darum, ob Dresden mitmacht oder nicht mitmacht (im erweiterten Artikel in Zettels Raum wird das deutlicher). Es geht mir darum, dass da eine völlig falsche Priorität gesetzt wird. Wir haben wirklich andere Probleme in diesem Land und auf der Welt, als dass wir mit knappem Steuergeld solche albernen Spielchen spielen sollten.

      • Du wirst dem ADFC sicher nicht unterstellen, dass er dem Verwaltungshandeln kritiklos gegenübersteht. Und ich habe auch nirgends geschrieben, dass die „Aktion“ eine silver bullitt ist, mit der man auf einen Schlag alle Radverkehrsprobleme der Stadt löst. Was dann?

        Ich sehe die Geschichte vor allem als eine Chance, dass sich Verwaltungsleute und Politiker mal dazu bekennen, dass sie für den Radverkehr sind. Dass das in einer etwas einfachen, spielerischen und meinetwegen nicht wirklich korrekten Form (hohoo, man kann betrügen…!) geschieht – geschenkt. Das habe ich selbst schon festgestellt. Ich bin nicht doof.

        Auch wird die Sache eher wenige bis keinen Autofahrer aus seinem Sessel aufs Rad locken. Das können am besten schlechtere Verkehrsbedingungen für den Kfz-Verkehr und bessere für Rad- und Fußverkehr. Klaro.

        Wenn, dann wird eher andersrum ein Schuh draus: Wenn man nicht mitmacht, vergibt man eine Chance, dass sich Politik und Verwaltung zum Radfahren bekennen. Das bedeutet natürlich nicht den Weltuntergang und es hat auch niemand behauptet, dass daraus irgendeine für das Verwaltungshandeln relevante Statistik abgeleitet würde (wo habe ich das geschrieben?).

        Schlag doch mal eine Alternative vor: Was würdest du machen mit Politikern (und Bürgern), für die der Autoverkehr absolute Priorität hat und mit einer Verwaltung, die sich hinter genau den Paragraphen versteckt, mit denen sich dieses Programm politisch umsetzen lässt (Stichworte: Schleppkurven, Ampeln, Parkplätze, Vierstreifigkeit)? Einfach ein bissel meckern und dann ist das reine Gewissen wiederhergestellt? Ich würde mir wünschen, dass mehr Leute sich mit ihrer Zeit und ihrem Wissen politisch einbringen, beispielsweise im ADFC. Leg doch einen eigenen Vorschlag vor, wie man in dieser Situation, wo die Leute mit der politischen Macht und dem Geld sich einfach nicht für den Radverkehr entscheiden wollen, weiterkommt. Das wär mehr, als an so einer (sicher nicht besonders weltbewegenden) Aktion rumzumeckern (was du natürlich darfst – dies ist ein freies Land. Ich darf aber auch zurückmeckern).

      • stefanolix sagt:

        Ich möchte dem ADFC überhaupt nichts unterstellen. Es war eine Ich-Aussage, in der ich »bashing« verneint und Kritik für notwendig erklärt habe.


        In der DNN ist ein Bild, auf dem eine Stadtverordnete der Grünen mit ihrem Wahlkampffahrrad demonstrativ für die Fotografen ein Stück radelt. Auch der Chef des Straßen- und Tiefbauamts ist beim Stadtradeln eingetragen. Über die Rolle dieses Amtes bei der Entwicklung des Radverkehrs in Dresden möchte ich diskret den Mantel des Schweigens breiten.

        An beiden Personen sieht man ganz deutlich: Es ist eine Aktion der Schein- und Symbolpolitik. Die Teilnahme von Politikern ist letztlich nichts als ein PR-Gag für den nächsten Wahlkampf.

        Die Teilnahme von Verwaltungsvertretern ist nichts anderes als Ablenkung vom Versagen der Stadt in der Radverkehrsplanung. In meinem ausführlichen Artikel bei Zettel zitiere ich die Aussage der Stadtverwaltung:

        Hinsichtlich der Anforderungen des Klimaschutzes stellt die Erhöhung des Radverkehrsanteils einen wichtigen Baustein in den Bemühungen der Landeshauptstadt dar. Dabei genügt es nicht, für gute Radverkehrsbedingungen zu sorgen, sondern es bedarf ebenso einer unterstützenden Öffentlichkeitsarbeit. Das Stadtradeln zielt genau in diese Richtung.

        Ich erwarte von der Stadtverwaltung keine symbolischen Handlungen, sondern eine ordentliche Planung und Umsetzung.

        Du hast natürlich recht, dass meine Artikel polemisch sind. Ich werde zum Verkehr in Dresden noch mehr schreiben und dann auch gern ganz sachlich. Aber das war kein Meckern, sondern die angemessene Reaktion auf eine völlig sinnentleerte Aktion.

        Ich widerspreche Dir teilweise in Bezug auf die Auto-Fixiertheit der Dresdner, aber dazu in einem späteren Artikel mehr. Soweit ich weiß, ist der Anteil der Nicht-Autofahrer in Dresden für eine deutsche Großstadt relativ hoch.

      • @ Konrad
        Eine Idee meinerseits, bewegt die SZ oder die DNN doch mal dazu, einen Artikel über Fahrrad fahrende (Stadtrats- bzw. Landtags-)Politiker zu machen/bringen – vielleicht hat Denni Klein (SZ) Interesse an so einem Artikel; der schreibt häufiger ueber Verkehr(splanung etc.) … ist preiswerter diese Art der PR. Was hältst du denn von dieser Idee?

        Zu deiner Frage bzw. deiner Anmerkung: nein, du hattest nirgends geschrieben, dass diese Aktion mehr Menschen vom Auto aufs Rad bringt bzw. bringen sollte … das war mein „Fehler“, denn ich hatte dies aus deiner Antwort vom 16.09. 2011 (9:52 Uhr) wohl so rausgelesen bzw. rauslesen wollen … kommt wahrscheinlich nicht wieder vor, sorry ;)

      • Korrektur: wollte eigentlich gar nicht preiswerter, sondern effektiver schreiben, zudem sinnvoller. Zahlenspielerei verzerren den Sinn der Aktion und sprechen auch niemanden an. Keiner kann sich z.B. etwas darunter vorstellen, wenn 31 Mitglieder des ADFC in einer Woche 1560 km geradelt sind und damit 225 kg CO2 „eingespart“ haben.
        Das IOER hat z.B. über 100 Mitarbeiter, nur 5 machen momentan an der Aktion mit, doch es fahren dort einige mehr mit den Rad … hast du/habt ihr das mal hinterfragt?

        Wenn der ADFC etwas sinnvolles mit Politikern etc. machen will, dann sollte man diese auch konkret/(in)direkt ins Boot holen. Fragt doch Peter Lames mal von der SPD, der radelt immer mal zum Rathaus.

        Und komme mir jetzt bitte nicht „Wir wollen keine Werbung für Partei XYZ machen …“ ;)

      • @ Konrad (Krause)
        Noch etwas … als Pressesprecher des ADFC Dresden stehst du natürlich etwas in der „Schusslinie“, nicht immer ein netter Job, ich weiß ;)

        Hmm, du schriebst u.a. Ich würde mir wünschen, dass mehr Leute sich mit ihrer Zeit und ihrem Wissen politisch einbringen, beispielsweise im ADFC..
        Genau da ist einer der Punkte, den ich für besonders kritikwürdig halte. Warum immer gleich politisch werden müssen? Warum kann’s nicht einfach nur ums Radfahren gehen? Jaja, ich weiß … Politiker umstimmen, Einflussnahme, Lobby-Bildung usw. usf.
        Doch warum geht’s nicht einfach mal nur um die Sache an sich? … auch beim ADFC …

  11. […] lieber Konrad Krause vom ADFC, solche Zahlen will ich mir als denkender Fahrradfahrer nicht gefallen lassen, nur weil sie mit […]

  12. worstenbrood sagt:

    Ich finde das Stadtradeln durchaus gut. Obwohl die Kritikpunkte, die bisher geäußert wurden, durchaus alle richtig sind.

    Hier ein paar Gedanken von mir:
    CDU noch FDP nehmen nicht teil, obwohl die Stadträte ja die Hauptadressaten sind. Ihnen ist also auch diese „Feigenblatt“-Aktion schon zuviel Radförderung.

    DIe Aktion motiviert zum Radfahren meiner Meinung nach hauptsächlich dadurch, das man merkt, dass da auch andere fahren. Z.B. hat sich eine Bekannte gewundert, wieviele Kollegen auf einmal in ihrem Team mitmachen wollen. Bei einigen wird auch der Ehrgeiz angestachelt und vielleicht fährt auch der ein oder andere mit, der das Rad sonst nur am Wochenende bei sonnigem Weter rausgeholt hat.

    Es bringt sicher auch einige Radfahrer dazu, Verbesserungen einzufordern. Die Stadt fordert mich zum Radfahren auf, da kann ich auch von der Stadt Verbesserungen für den Radverkehr verlangen.

    Prinzipiell müsste man sehr viele Aktionen ablehnen, ob Elbwiesenreinigung, Verschönern des Vorgartens oder eben das Stadradeln, weil immer die Möglichkeit besteht, dass so etwas als Feigenblatt benutzt wird. Ich denke aber, dass die meisten Menschen das dann auch durchschauen.

    Worstenbrood

    • stefanolix sagt:

      Schön, dass sich ein Befürworter der Aktion hier eingefunden hat und sachliche Argumente mitbringt.

      Sie sprechen auch die einzige positive Auswirkung an: Viele Radfahrer zeigen Flagge und sagen ganz klar, was in Dresden mit dem Radverkehr nicht stimmt. Das hat mich positiv überrascht.

      Aber gerade weil so viele überzeugte Radfahrer teilnehmen, sind die Kohlendioxid-Zahlen zur sogenannten Einsparung ein einziger Blödsinn. Wieviel CO2 spart wohl ein Fahrradkurier-Team?

      Schauen Sie sich bitte mal die PR-Meldung der Stadt zur Zwischenbilanz an. So ein Umgang mit unsinnigen Jubel-Zahlen steht in der Tradition des »Neuen Deutschland« aus der DDR-Zeit.


      Radfahren sollte weder in positiver noch in negativer Hinsicht politisch ausgeschlachtet werden. Es gibt für manche Politiker eine ungeschriebene »Pflicht«, sich bei solchen Aktionen zu zeigen, z.B. für eine grüne Abgeordnete, die ihr grünes Wahlkampfrad mal wieder bewegen will.

      Andere Politiker sagen sich: An einer Aktion mit so zweifelhaftem Zahlenwerk nehme ich nicht teil. Man kann keinen Politiker dafür verurteilen, dass er sich einer Feigenblattaktion verweigert, die doch in Wahrheit gar keine Fahrradförderung ist.

      Ich kann beide Seiten (Grüne, SPD bzw. CDU, FDP) verstehen. Die einen sind es ihrer Klientel schuldig. Die anderen sagen ganz nüchtern: Es bringt uns nichts. Die Radfahrer wählen sowieso keine bürgerlichen Parteien ;-)

      Ich bin überzeugter Radfahrer, wie man in meinem Artikel sieht, und ich würde niemals an solchen Aktionen teilnehmen.

      Was ich mir als Radfahrer nicht nur wünsche, sondern dringend fordere, wäre ein Ausbau des Radweg-Netzes, mehr Rechte für Radfahrer im Dresdner Straßenverkehr und natürlich Maßnahmen zur Erhaltung der bestehenden Radwege.


      Ich habe gar nichts gegen das Verschönern des Vorgartens und die Reinigung der Elbwiesen, solange die jeweilige Aktion nicht propagandistisch ausgeschlachtet wird. Ich habe nämlich aus DDR-Zeiten eine tiefe Allergie gegen das Ausschlachten und Schönreden von Zahlen ;-)

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