Pathologisierung

In diesem Artikel geht es um die Pathologisierung von Menschen als psychisch krank und um das totale Absprechen der Diskussionsfähigkeit. Pathologisierung kann auch andere Bedeutungen haben: etwa dass die sexuelle Orientierung als krankhaft eingestuft wird oder dass jemandem eine Krankheit eingeredet wird, die es so gar nicht gibt. Darum geht es hier nicht.

Ein Gastautor des Mediums »Tichys Einblick« hat unter der Überschrift

Warum Sie mit psychopathologisch gestörten Gutmenschen nicht diskutieren sollten

einen Beitrag verfasst, der mir sehr missfällt und dem ich entschieden widersprechen muss. Der Autor beginnt:

Normalerweise liegt es mir vollkommen fern, Menschen zu pathologisieren. Damit sollte man äußerst vorsichtig sein und wenn immer möglich davon absehen. In diesem speziellen Fall erscheint es mir aber notwendig, da ansonsten nicht verständlich wird, was in nahezu allen westlichen Gesellschaften seit einigen Jahrzehnten so gewaltig schief läuft.

Die rhetorische Figur »normalerweise tue ich das nicht, aber hier erscheint es mir notwendig« ändert nichts an der Tatsache, dass bereits die Überschrift für ein bürgerlich-konservatives Medium völlig inakzeptabel ist. Dazu komme ich gleich.

Der zweite Satz des zitierten Abschnitts soll vermutlich aussagen: Ohne die Pathologisierung der Gutmenschen kann man nicht erklären, was in westlichen Gesellschaften schief läuft.

Es wird nicht erläutert, was da »schief läuft«. Es wird auch nicht begründet, warum eine einfache Erklärung für komplexe gesellschaftliche Entwicklungen reichen soll. Ich bin zu höflich, um an dieser Stelle schon grob zu werden, aber es kocht in mir.


Die Geschichte der Pathologisierung ist lang. In allen totalitären Herrschaftssystemen haben die Machthaber gesunde Menschen in die Psychiatrie gesteckt, so z. B. in der UdSSR der Stalinzeit, in China unter Mao, in der DDR oder auch in der ČSSR. Es geschah, um sie zu brechen, um sie in Vergessenheit geraten zu lassen, oder um sie besonders heimtückisch zu bestrafen.

Am Anfang stand dabei immer: Die Machthaber erklären jemanden als »psychopathologisch gestört«. Diese Wendung hat demzufolge in einem Medium der konservativen Mitte und überhaupt im Werterahmen des Grundgesetzes nichts zu suchen.


Der Autor fährt fort:

Und da ich hier keine Einzelpersonen anspreche respektive diagnostiziere, sondern ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, möchte ich mir heute diese Freiheit nehmen, von meinem Grundsatz ausnahmsweise abzurücken.

Grün-linke Gutmenschen (eigentlich nur Gutmeiner, weil gute Menschen etwas anderes meint) erscheinen mir – und ich sage das nicht einfach so dahin – krank. Nicht körperlich, sondern geistig-psychisch.

Wir haben in Deutschland eine Partei »Die Grünen« und sie steht mir politisch normalerweise recht fern. Aber sie besteht, verdammt noch mal, aus knapp 60.000 erwachsenen Menschen. Und es ist kaum vermeidbar, dass sich die meisten davon als »grün-links« angesprochen fühlen.

Vermutlich ist das im rechtlichen Sinne keine Beleidigung. Aber es ist eine Ungeheuerlichkeit, allen Personen, die sich als Grün/Links definieren, pauschal die Diskussionsfähigkeit und die geistige Gesundheit abzusprechen. Um das zu erkennen, muss man nicht so viel studieren:

Jürgen Fritz studierte Philosophie (Schwerpunkte: Erkenntnistheorie und Ethik), Erziehungswissenschaft (inklusive Lern- und Entwicklungspsychologie), Mathematik, Physik und Geschichte (Lehramt).

Dafür braucht man nur den gesunden Menschenverstand und den absolut grundlegenden Anstand.


Wenn ein Autor aber so viele Fächer studiert hat, dann sollte er in der Lage sein, eine schlüssige Argumentation aufzubauen. Ich erkenne in dem Artikel keine Antwort auf die rhetorische Frage in der Überschrift

Warum Sie mit psychopathologisch gestörten Gutmenschen nicht diskutieren sollten

Da steht im Grund nur: Das ist so, weil das so ist. Der links-grüne Gutmensch ist psychopathologisch gestört, weil er sich psychopathologisch gestört von der realen Welt abgekoppelt hat – und mit psychopathologisch Gestörten kann man nicht reden.

Der Artikel lässt also auch jegliche Argumentationskette oder auch das Abwägen von Argument und Gegenargument vermissen. Und spätestens an dieser Stelle platzt jeder Kragen:

Sie können Differenzierungen und Bewertungen von Menschen, die immer auch mit Negationen einhergehen, auch solche rein sachlicher Art, innerlich nicht ertragen, weil sie rein gefühlsgesteuert agieren und ihnen die Vorstellung, dass Menschen unterschiedlich, auch für die Gesellschaft unterschiedlich wertvoll, ja, viele sogar schädlich sind, unangenehme Gefühle bereitet und dies für sie der höchste und im Grunde einzige Maßstab ist, wie sich etwas anfühlt. Ganz wie beim Tier oder beim Kleinkind.

Jetzt werden also die kognitiven Fähigkeiten von erwachsenen Anhängern der links-grünen politischen Richtung auf eine Stufe mit den kognitiven Fähigkeiten von Tieren und Kleinkindern gestellt. Ja, hackt es jetzt?

Allein die absurde Idee, erwachsene Menschen, Tiere und Kleinkinder auf diese Weise in einen Zusammenhang zu bringen, hätte in der Redaktion Alarm auslösen müssen. Ganz abgesehen von dem Versuch, bei Unbekannten (wörtlich) ein »tief gestörtes Verhältnis zum eigenen Ich« zu diagnostizieren. Oder von der Überweisung zum Facharzt:

Mit derart gestörten Personen sollte man nicht großartig diskutieren. Man muss sie behandeln. Aber das müssen spezialisierte Fachärzte machen.

Der Artikel hätte so nie veröffentlicht werden dürfen und auch die Diskussion ist überflüssig. Mit Verlaub, Herr Präsident, mit Verlaub, Herr Tichy: Wie kann ein Mann so viele wunderbare Fachgebiete (inklusive Philosophie und Ethik!) studieren und dann so eine Scheiße schreiben?


Weil die Anfrage von »Tichys Einblick« kam und weil auch andere angefragt haben: Alle meine Artikel können in jedem beliebigen Umfang sinnerhaltend zitiert oder »re-bloggt« werden. Als Quelle bitte einfach mein Blog verlinken. Weil es manchmal das Missverständnis gibt: »stefanolix« ist ein Pseudonym. Ich heiße nicht Stefan Olix und das Pseudonym ist auch nicht so gemeint.


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25 Responses to Pathologisierung

  1. Paul sagt:

    Hallo, lieber stefanolix,
    mit spitzer Feder hast Du wieder etwas aufgespießt oder sollte ich besser schreiben: erdolcht?

    Auf Grund Deines Beitrages habe ich den Artikel und auch die Kommentarauswertung, nein, nicht gelesen, aber überflogen.
    Wäre ich diesem Artikel vorher begegnet, hätte ich die Lektüre nach etwa 10 Zeilen eingestellt, weil er für mich Quatsch ist, den ich nicht lesen muss. Wegen Deiner Kritik habe ich ihn anfangs gründlicher gelesen. Als das nicht mehr ging, weil alles in mir rebellierte, habe ich ihn nur noch überflogen.

    Habe es schon öfter erlebt, dass Menschen der Hybris ihrer Bildung verfallen sind. Sie produzieren dann „gebildeten“ Unsinn, ich könnte auch Sinnlosigkeit schreiben.

    Vor hundert Jahren wurde jemand, der etwas sagte, was der Gegenüber argumentativ nicht entkräften konnte mit folgendem Spruch bedacht: „Was weiß der schon? Der hat doch nur Volksschule.“ Das war dann die Entgegnung des „Bildungsbürgers“.

    Heute sagt der allseits gebildete Herr Fritz: „Mit dem diskutiere ich nicht, der ist krank.“

    Vor 100 Jahren war es „Volksschule“; heute ist es „krank“. Soll bloß jemand sagen, es habe sich in den 100 Jahren nichts geändert.

    Zum Schluss noch eine Anmerkung zu psychopathologisch.

    Lt. Wiki (https://de.wikipedia.org/wiki/Psychopathologischer_Befund) hat es folgende Wortbedeutung:

    „Der psychopathologische Befund ist ähnlich wie ärztliche Untersuchungen in anderen medizinischen Fachgebieten eine standardisierte Zusammenfassung von bedeutsamen Einzeltatsachen und dient der schnellen Information dessen, „was der Arzt oder Psychologe herausgefunden hat“. Er besitzt insofern einen fachlich objektiven Charakter.“

    Demnach ist „psychopathologisch“ noch kein Krankheitsbild. Deshalb kann es nach der Wortbedeutung auch keinen „psychopathologisch“ gestörten Menschen geben. (Niemand ist an einem ärztlichen Befund“ erkrankt.)
    Oder habe ich etwas falsch verstanden; weil ich nur Grundschule habe?

    Meines Erachtens hat dieser Herr Fritz sich selbst ad absurdum geführt. Ob das schon krankhaft ist, kann ich nicht beurteilen.

    Alles Gute für das Neue Jahr, lieber stefanolix und WEITER SO,

    herzlich, Paul

    • stefanolix sagt:

      Ja, diesmal war die spitze Feder etwas größer ;-) Ich sollte vielleicht vorher warnen, aber ich war zur Jahreswende noch bei WMF und habe meine Küchenmesser schärfen lassen. Es könnte also im Januar generell etwas schärfer zugehen.

      Der Punkt ist: Ich möchte ein Medium wie Tichys Einblick grundsätzlich nicht missen. Auch wenn es am Ende etwas deutlich wird, geht es mir wirklich nur um diesen Artikel. Eine Generalverurteilung wird aber von linker Seite kommen (und beginnt ja schon).

      Ich habe Ende der Woche heftig gegen die (frühere) Aufführung von Tichys Einblick auf einer Liste bei »Netz gegen Nazis« protestiert und auch mit einem Vertreter der ZEIT darüber gestritten. Ein bürgerliches Medium darf niemals auf einer Liste »rechtspopulistischer Hassquellen« und zumal auf einer Seite »gegen Nazis« landen. Aber mit Artikeln wie diesem macht man sich angreifbar.


      Der Dünkel eines »Gebüldeten« gegenüber der Schulbildung eines Facharbeiters ist schon unerträglich, das geht überhaupt nicht. Auch ein Hochgebildeter darf nie vergessen, woher er kommt und dass er (vielleicht) mit seinen Veranlagungen und Startbedingungen auch Glück hatte.



    • stefanolix sagt:

      Ich erkläre mir als Laie in Sachen Medizin die Sache mit dem Befund so: Der Gesunde ist »ohne Befund«. Sobald ein Befund erstellt werden muss, ist irgend etwas nicht in Ordnung.

      • Paul sagt:

        Jetzt werde ich mal spitzfindig, lieber stefanolix. :-) Auch als medizinischer Laie.
        Neulich hatte ich auf Grund einer ärztlichen Untersuchung den Befund, dass alles in Ordnung ist: Keine Anzeichen von Alzheimer oder Demenz. Die von mir dargestellte Vergesslichkeit ist normal.

        Kann der psychopathologische Befund nicht auch darin bestehen, dass er feststellt, dass mit dem Untersuchten alles in Ordnung ist?

        Herzlich, Paul

  2. Mela sagt:

    „Jürgen Fritz studierte Philosophie (Schwerpunkte: Erkenntnistheorie und Ethik), Erziehungswissenschaft (inklusive Lern- und Entwicklungspsychologie), Mathematik, Physik und Geschichte (Lehramt).“

    Die Frage ist eher: Was hat er davon auch abgeschlossen? Man kann ohne Probleme durch die Fächer hüpfen, ohne je wirklich zu studieren und ohne je gezwungen zu sein, ein Argument schlüssig aufzubauen. So deutet es eher auf einen Howie Munson hin, der auch alles mal ausprobiert, aber nichts über einen Laienstatus hinaus durchgezogen hat.

  3. Anna Brach sagt:

    Das Magazin hat sich bereits distanziert.

    Der Beitrag
    “Warum Sie mit psychopathologisch gestörten Gutmenschen nicht diskutieren sollten“

    hätte hier nicht erscheinen dürfen.

    Unterstellung von Pathologie ist für TE keine politische Diskussionsbasis. Davon distanzieren wir uns ausdrücklich.

    Roland Tichy und Redaktion bedauern das und bitten um Entschuldigung.

  4. Horst sagt:

    Der Artikel ist offline. Hier der erklärende Text für die Maßnahme:

    Der Beitrag

    “Warum Sie mit psychopathologisch gestörten Gutmenschen nicht diskutieren sollten“

    hätte hier nicht erscheinen dürfen.

    Unterstellung von Pathologie ist für TE keine politische Diskussionsbasis. Davon distanzieren wir uns ausdrücklich.

    Roland Tichy und Redaktion bedauern das und bitten um Entschuldigung.

    Es ist innerhalb kurzer Zeit der zweite Beitrag, der offline genommen wurde. Auch bei dem Beitrag, den Mirko Lange ausführlich besprochen hat, ist das passiert.
    https://www.facebook.com/notes/mirko-lange/frust-oder-keule-was-ist-der-richtige-umgang-mit-rechtspopulismus/10155471535699237

    Ich mag diesen Blog nicht. Aber diese Handhabung nötigt mir Respekt ab.

  5. Demonstrant sagt:

    Der Artikel wurde unterdessen von der Redaktion gelöscht. Was ich nicht gut finde. Shit happens, und man sollte zu seinen Fehlern stehen.
    Sage ich mal bei aller Wertschätzung für TE (habe auch schon gespendet).

    Ansonsten kann ich mich Deiner Wertung in der Sache anschließen, allerdings nicht im Ausmaß.

    Es war die Merkel-Administration und ihre HiWis, die von Anfang an die Andersdenkenden (PIdioten, Pegidioten usw.) pathologisiert haben.

    Am Anfang hatte ich noch mitgeschrieben. Bis zum 29. 12.2014 war der Stand:
    – eine Schande für Deutschland
    – eine Mischpoke
    – unverschämter
    – Transformationsverlierer
    – fremdenfeindlicher Chaoten
    – Idioten
    – Ratten
    – Nazis in Nadelstreifen
    – potenzieller Breiviks
    – Nationalisten und Rassisten
    (Links in meinem Post im Blog Frankshalbwissen)

    Das ging dann so weiter, nur hatte ich keine Lust, als Protokollant staatlicher Verbalinjurien zu arbeiten. Einen Teil hat Manfred Haferburg auf der Achse des Guten notiert:
    “Den Journalisten ist es zwar recht, wenn der stellvertretende Bundeskanzler dem „Pack“ den Stinkefinger zeigt oder der Bundespräsident den Andersdenkenden das „dunkle Deutschland“ zuweist. Auch sind Titulierungen wie „Nazis in Nadelstreifen“ oder „Nazis aus der Mitte“ von Politikerseite scheinbar salonfähig. Dass es hier und da aus dem Wald genauso – oder zumindest ähnlich – heraus schallt, wie man hinein ruft (Gabriel: „Pack“, Tauber: „Arschlöcher“, Bartsch: „Idioten“, Stegner: „Hohlköpfe“) scheinen die Damen und Herrinnen vergessen zu haben.“

    Koryphäus Harald Welzer pathologisiert
    Die Debatte mit Pegida-Akteuren ist daher nutzlos“.
    und Pöbel-Ralle natürlich auch:
    Wer vor der Islamisierung Deutschlands warnt, braucht medizinischen Rat,

    Das ist die Vorgeschichte.
    Diese macht Fritz´ Artikel nicht zum journalistischen Meisterstück.
    Doch man könnte konzedieren, dass er nicht weiter getan hat als sich auf das Niveau unserer Nomenklatura zu begeben (was schlimm genug ist).

    • @ stefanolix Ich hab beim Lesen Deines Textes ebenso wie der „Demonstrant“ daran gedacht, dass Herabwürdigungen und Pathologisierungen von Gegnern in einem rot-grünen Spektrum (eigentlich meine eigene politische Heimat) zum Alltag gehören. Das betrifft nicht nur Rechte oder Menschen, die für rechts erklärt werden – das betrifft auch Väter, die ihre rechtliche Benachteiligung ablehnen – Eltern, die mit guten oder schlechten Gründen die rot-grüne schulische Sexualerziehung ablehnen – Kritiker von Gender-Ansätzen oder feministischen Standpunkten – und zugleich betrifft es gegebenenfalls auch Feministinnen selbst, die z.B. das islamische Kopftuch ablehnen.

      Wenn Sozialdemokraten oder Grüne Pathologisierungen und massive Abwertungen politischer Gegner ablehnen, dann haben sie bei sich selbst genug Gelegenheit, sich dagegen zu engagieren.

      Trotzdem geht es mir auf die Nerven, wenn von „Rot-Grün-Versifften“ geschrieben wird, oder wenn weitere hetzerische Sprache gebraucht wird. Ein wesentliches Problem gegenwärtiger politischer Debatten ist in meinen Augen, dass es auf allen Seiten an liberalen Grundhaltungen fehlt: Dem politischen Gegner ein Mindestmaß an Achtung entgegenzubringen, auch wenn man seine Positionen ablehnt und dafür gute Gründe hat.

      Wer hingegen den Gegner pathologisiert, braucht überhaupt keine Gründe mehr, weil die Positionen des Gegners ja ohnehin krank wären. So etwas kann nur in Sackgassen führen, egal, ob es von rot-grüner oder von konservativer Seite kommt.

      • Demonstrant sagt:

        (eigentlich meine eigene politische Heimat)“

        Ich gestehe … vor 20 Jahren habe ich rot-grün gewählt.

        Die vorgestellten Ziele sind ja in Ordnung.
        Natürlich will man Vielfalt.
        Natürlich ist man gegen Rassismus.
        Natürlich will man Gleichberechtigung.

        Das Problem ist nur, in der Praxis bedeutet rot-grün
        – Gleichschaltung
        – Rassismus
        – Sexismus
        – Ungleichbehandlung in einem Ausmaß, das von Apartheid nicht mehr zu unterscheiden ist.

      • luisman sagt:

        Mist, ich haette ein Gebrauchsmuster Schutzrecht auf „Rot-Grün-Versiffte“ anmelden sollen. Inzwischen benutzt den Begriff ja jeder…

    • Demonstrant sagt:

      Und weiter geht´s mit Pathologisierung

      Wieso Klimaskeptiker mit ihrer Blindheit durchkommen

      lautet die rhetorische Frage, welche die ehemals konservative FAZ u.a. so beantwortet:

      Sie glauben nur, was ihrer Meinung entspricht

      Ein ganz maßgeblicher Grund, warum die Gegner der Klimapolitik ihre Zweifel am Köcheln halten und sich in der politischen Landschaft am Rand festgesetzt haben, ist die Informationsblase, in der sie sich bewegen.

      Sie verstärken ihre Ansichten, indem sie ihre Informationen aus immer denselben Quellen beziehen und sich in denselben Kreisen bewegen. Psychologen nennen das „Echoräume“.

      Sie glauben auch nur ganz bestimmten Wissenschaftsquellen, die sie allein für glaubwürdig halten.

  6. Sven Kuchary sagt:

    Ich habe den Gast-Artikel bei Tichy auch gelesen, und habe dabei an die Parallelen gedacht: Umgekehrt unterstellen „links-grüne Gutmenschen“ auch der Opposition pathologische Störungen. Die Konstruktion ist immer folgende: diejenigen mit anderen politischen Meinungen haben die andere Meinung nicht aus Vernunftgründen, sondern aus a) „Hass“, z. B. die katholischen Polen sind „Islamhasser“, b) „denken nicht“ – die Briten stimmen „unüberlegt“ für den Brexit, c) „Dummheit, z. B. die Amerikaler sind eben „dumm“, dass sie auch „Fake-News“ reinfallen sollen. Ich bin etwas gespalten, ob ich den Artikel wegen der dieser Mittel schlecht finden sollte, oder gerade deshalb als Retourkutsche wegen der gleichen Mittel gut finden sollte.

  7. Demonstrant sagt:

    Die Konstruktion ist immer folgende: diejenigen mit anderen politischen Meinungen haben die andere Meinung nicht aus Vernunftgründen, sondern …

    Zur Hölle mit den Populisten
    http://www.hannah-arendt.de/2016/12/zur-hoelle-mit-den-populisten/

  8. Petra Ristow sagt:

    Der Artikel ist nichts weiter als eine weitere Verwurstung eines Michel Mannheimer-Blog-Beitrages aus 2012, wo er einen Artikel eines Dr. Lyle Rossiter bespricht. Der wird jedes Jahr einmal wieder hervorgeholt, frisch aufpoliert und für Hetzkommentare genutzt.
    http://archive.is/7xc5q – Link über archive. Der Nazi Mannheimer (Bezeichnung gerichtlich erlaubt ^^) wird schon ausreichend vom Angstbürger geklickt.

  9. C. Jochmann sagt:

    In der rechten Bewegung der USA ist die Pathologisierung und Diskursverweigerung stramme Methode, mit der Begründung einer Art eingebildeter Notwehr und dem Ziel, die allgemeinen Diskursregeln auszuhebeln, um daraus einen taktischen Vorteil zu ziehen (s. Link). Vielleicht war’s ja ein Versuchsballon? http://www.the-niceguy.com/contributors/SurvivalGuide.html

    • Apodikt sagt:

      In der rechten Bewegung von China ist die Pathologisierung und Diskursverweigerung stramme Methode, mit der Begründung einer Art eingebildeter Notwehr und dem Ziel, die allgemeinen Diskursregeln auszuhebeln, um daraus einen taktischen Vorteil zu ziehen. Vielleicht war’s ja ein Versuchsballon?

    • Apodikt sagt:

      Diskursverweigerung

      Die Frage treibt mich schon lange um. Es sind ja nicht nur die Rechten. Genaugenommen verweigern seit 1933 hier alle den Diskurs, die von den Machthabern zu Unpersonen erklärt wurden.

      Warum haben in den Tausend Jahren die Juden, Kommunisten, Sozialdemokraten, Homosexuelle, Bibelforscher usw. den Diskurs verweigert?

      Warum waren in den besagten 40 Jahren danach die Andersdenkenden ums verrecken nicht bereit, in den Diskurs einzutreten?

      Und warum ist das heute wieder so?
      Zum Beispiel wurde Lutz Bachmann zig, wenn nicht hunderte Mal in die Talk-Shows eingeladen.
      Er hat alle Diskursangebote abgelehnt.
      Andere, wie Matthias Matussek, Nikolaus Fest und Thomas Hartung, verweigern sogar die Arbeit, um nur ja nicht in einen Diskurs zu geraten.
      Aber warum?

      Ich verstehe das nicht. Hast Du eine Antwort?

  10. […] und die Kritik am Boykottaufruf. Ich habe einen Artikel des Mediums »Tichys Einblick« vehement kritisiert und ich kritisiere den Boykottaufruf gegen Roland Tichy ebenso vehement. Roland Tichy hat den […]

  11. […] [1]Mehr zum Blogbeitrag selbst bei stefanolix. […]

  12. Fidel sagt:

    Ich kann Deine Kritik am Artikel auf TE nur sehr bedingt nachvollziehen, Stefanolix.

    1. benutze ich die Ausdrücke „links-grün-versifft“ und „Gutmensch“ (auch in Kombination) selbst gerne…. als Pendant zu „Nazi“, „Rassist“ o.ä.

    2. bin ich für weitestgehende Meinungsfreiheit

    3. sieht man an dem #shitstorm gegen TE sehr gut, wie getroffene Hunde nicht nur bellen, sondern auch beißen können

    4. Obwohl ich TE und den Tichy selbst sehr schätze, traue ich ihm durchaus zu, damit einen famosen, wohlkalkulierten coup zur Auflagensteigerung der Papierausgabe gelandet zu haben.

    Wir leben in einer #Massengesellschaft, wie Sie Hannah Arendt schon vor über 50 Jahren beschrieben hat… mit allen Konsequenzen. Dieses Gejammer von linker Seite und das Abkanzeln von Hass, Gewalt & Hetze als „rechte Methode“ ist ja geradezu lächerlich.

    Ich persönlich wurde „öffentlich“ (auf Twitter) von einem Grünen-Politiker als Klimaleugner, Frauenhasser und – mit Umschreibungen – als „Lateznazi“ bezeichnet bzw. betitelt.

    All die Hetze, die von (vermeintlich) linker Seite kommt, zieht idR keinen #aufschrei nach sich, sondern führt eher zum #victimblaming.

    Aber wehe, jemand zahlt mit „gleicher Münze“ zurück. Dann ist es (wieder) eine Nazimethode. Und ruckzuck wird man in #Sippenhaft genommen, wenn man sich nicht davon distanziert.

    Von daher dominiert bei mir das Empfinden(!) einer #Gerechtigkeitslücke.

    #goTichygo

    • Thomas sagt:

      Also ich finde es erschreckend, das Sie anscheinend immer einen Gegenpol bilden müssen – Das Gegenteil des Rassisten ist übrigen ein anständiger Mensch – und sonst gar nichts. Es muss auch nicht immer, wenn jemand sich öffentlich zum Thema Hass, Gewalt & Hetze äussert noch eine ausgleichende Gerechtigkeit a la „die haben aber auch und überhaupt sind die ja noch viel schlimmer etc…. hergestellt werden – sondern schlechte Menschen dürfen, wenn sie schlechtes tun oder sagen auch so genannt werden.

  13. […] war sehr ein­ver­stan­den mit der star­ken Kri­tik an Fritz’s Bei­trag bei Tichys Ein­bli­ck. Aber — dort […]

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