Spargel mit Rotem Hering

Die Brandenburger Grünen haben auf den bevorstehenden Beginn der Spargelzeit reagiert und wollen den Spargelanbau unter Folie verbieten. Angeregt durch einen bissigen Beitrag der »Salonkolumnisten« habe ich dazu einige Fakten recherchiert und mir über die Auswirkungen eines solchen Verbots Gedanken gemacht.

Die Brandenburger Grünen fordern ein fast vollständiges Verbot des Spargelanbaus unter Folie.

In einem Antrag für die kommende Landtagssitzung im April soll die Landesregierung aufgefordert werden,

  1. über eine Anbauverordnung zu regeln, dass höchstens zehn Prozent einer Anbauregion unter Folien liegt.
  2. die unteren Naturschutzbehörden zu unterstützen, insbesondere in Europäischen Vogelschutzgebieten das Verbot der erheblichen Beeinträchtigung nach Bundesnaturschutzgesetz (§ 34 BnatSchG) durchzusetzen.
  3. die Mittel für freiwillige Kompensationsmaßnahmen der Landwirte wie das Anpflanzen von Hecken oder Blühstreifen deutlich aufzustocken.
  4. den Anbau unter beheizten Folien im Freiland nicht zuzulassen.
  5. mit gutem Beispiel voranzugehen und in öffentlichen Kantinen Spargel anzubieten, der nachweislich keine erhebliche Beeinträchtigung mit sich bringt. Dies schafft einen stabilen Absatzmarkt für diesen Anbau.

Die folgenden Fakten sind dank der Statistik des Bundes und der Länder via Destatis-Pressemitteilung zum Spargelanbau in Brandenburg bekannt:

Auf einer Anbaufläche von 4.410 Hektar wird in Brandenburg Spargel angebaut. In ganz Deutschland sind es etwa 27.000 Hektar. Das klingt erst einmal nach sehr großen Zahlen. Aber ein Hektar entspricht einem Quadrat der Seitenlänge 100 Meter und davon passen 100 in einen Quadratkilometer.

Umgerechnet auf Brandenburg ergibt sich aus dieser Fläche also großzügig aufgerundet ein Quadrat von sieben mal sieben Kilometern, noch einmal aufgerundet sind das 50 Quadratkilometer. Das Land Brandenburg hat insgesamt eine Fläche von 29.479 km². Es sind also ganze 0,17 % von Spargelanbauflächen bedeckt.

Nun behaupten die Grünen, dass von dieser Spargelanbaufläche (7×7 Kilometer) negative Auswirkungen auf die Umwelt ausgehen:

Zugleich geht der massive Anbau unter Folie zu Lasten von Natur, Tierwelt und Landschaftbild. Der Wettbewerb um den ersten Spargel im Jahr darf nicht auf den Rücken der Natur ausgetragen werden. Um eine Überbeanspruchung des Bodens zu verhindern, die Schäden für Flora und Fauna einzudämmen und den Tourismus vor einer zu starken Beeinträchtigung des Landschaftsbildes zu schützen, ist die Begrenzung der Anbaufläche unter Folie nötig.“


Brandenburg hat Waldflächen in einer Größenordnung von etwa 1.100.000 Hektar. Die Waldfläche ist also etwa 250 mal so groß wie die Spargelanbaufläche. Der Waldzustand hat sich seit der Wende stark verbessert.

Es gibt also überhaupt keinen Grund zu der Annahme, dass seltene Vögel oder andere Tiere ausgerechnet durch den winzigen Anteil des Spargelanbaus an der Brandenburger Natur zu Schaden kommen – zumindest bleiben die Brandenburger Grünen jeden Beweis für die folgende Behauptung schuldig:

Im Europäischen Vogelschutzgebiet „Mittlere Havelniederung“ beispielsweise sind durch den Anbau unter Folie 21 Vogelarten nicht mehr vorhanden – darunter der streng geschützte Rotmilan und die Sperbergrasmücke.


Beim Aussterben des Rotmilans denkt man dann auch an ganz andere Eingriffe in die Natur: Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass den Windkraftanlagen, die durch Grüne und EE-Lobby in noch viel größerer Anzahl gefordert werden, bereits heute sehr viele Greifvögel zum Opfer fallen:

Eine 2013 im Fachblatt Journal for Nature Conservation veröffentlichte wissenschaftliche Untersuchung berechnete, dass allein im Land Brandenburg jährlich vermutlich um die 320 Rotmilane an Windkraftanlagen tödlich verunglücken. [Quelle: NABU]

Mit statischen Hindernissen können Vögel dagegen sehr gut umgehen: Als beim Umbau der Dresdner Albertbrücke Netze gespannt wurden, um Schwalben am Brüten zu hindern, bauten diese ihre Nester einfach auf der anderen Seite der Brücke. Auch die Sperbergrasmücke dürfte schlau genug sein, ihr Nest nicht gerade auf schwarzer Folie zu bauen ;-)

Es scheint also neben den bisher bekannten Spargelgerichten (Spargel mit Butter, Spargel mit Crêpe oder Spargel mit dünnen Schinkenscheiben) ein ganz neues Gericht zu geben: Spargel mit Rotem Hering. Aber dieses Gericht ist nicht sehr appetitlich. Um es deutlicher zu sagen: Diese Ablenkung von den wirklich relevanten Eingriffen in die Natur stinkt wie ein stark verdorbener »Roter Hering«.


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11 Responses to Spargel mit Rotem Hering

  1. keddy1992 sagt:

    Hat dies auf Udos Blog rebloggt.

  2. Paul sagt:

    Lieber Stefan,
    vielen Dank für diesen Beitrag. Er hat sosehr meine Zustimmung, dass ich nur noch eine kleine Anmerkung dazu habe.

    Die Grünen hatten in Brandenburg 2014 einen Stimmenanteil von 6,2%. Dieser Antrag ist ein geeignetes Mittel dieses Wahlergebnis gegen 0 zu führen. Insofern begrüße ich diesen Antrag.

    Herzlich, Paul

    • stefanolix sagt:

      Es ist auch bundesweit noch Luft nach unten. Leider wird es in den Bundesländern nicht funktionieren, in denen sich schon eine Klientel gefunden hat, die von den Grünen profitiert. Aber Aufklärung über ihre Machenschaften ist ein erster Schritt.

  3. luisman sagt:

    Ich wuesste nicht wann sich die Grünen jemals fuer Fakten interessiert haetten.

  4. stedi sagt:

    und das wichtigste; Deutsche spargel sind nun mal weltmeisterlich, fast noch mehr als eure elf

  5. VincentGdG sagt:

    Hat dies auf Was mich bewegt rebloggt.

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