Was wird am 13. und 18. Februar 2012 geschehen?

Im Rückblick auf die Terroranschläge am 11. September 2001 schreiben heute manche Kommentatoren: Wir haben uns als demokratische Staaten durch die Terroristen Maßnahmen aufzwingen lassen, die früher undenkbar waren. Der Journalist Heribert Prantl hat es vor einigen Jahren in einem Buchtitel zusammengefasst: »Der Terrorist als Gesetzgeber«.

Im Rückblick auf die Dresdner Ereignisse im Februar 2011 könnte man ein neues Buch schreiben: »Der Extremist als Taktgeber«. In diesem Buch sollte die Frage gestellt werden: Lassen wir uns von Extremisten aufzwingen, was wir im Februar zu tun haben?


Wichtiger Hinweis (13.02.2012): Dieser Artikel wurde heute vormittag schon über 500 Mal aufgerufen. Doch er stammt aus dem September 2011. Ich habe mich im Dezember 2011 an der Suche nach einem Motto für diesen Tag beteiligt und heute noch einmal einen aktuellen Beitrag geschrieben.


Michael und Frank haben in ihren Kommentaren unter einem Artikel zur »Demoskopie des 13. Februar« interessante Fragen aufgeworfen:

Michael: Ich meine, es wäre ja schon etwas irrwitzig, wenn der 13. Februar in Dresden eine mehr oder minder 100pro-Gegen-Rechts-Veranstaltung werden würde statt einer Gedenkfeier.

Frank: Aber im Ernst: Ich bezweifle auch sehr, dass die Dresdner beim Gedenken namhafte geschweige denn überhaupt Redner haben wollen.


Die Dresdner Bürger müssen sich bis zum 13. Februar 2012 bewusst werden, wofür sie stehen: Dresden ist (bis auf wenige Ausnahmen) eine offene und gastfreundliche Stadt. In Dresden leben viele ausländische Studenten, Wissenschaftler, Künstler und Mitarbeiter internationaler Unternehmen. Fast jedes Jahr kommen mehr ausländische Touristen in die Stadt als im Vorjahr — und ihnen gefällt, was sie sehen.

An einem Tag im Februar könnte man diese internationalen Verbindungen zeigen und vertiefen. Man könnte mit Gästen aus aller Welt offen darüber diskutieren, wo noch Verbesserungen möglich sind. Dresden könnte jedes Jahr ein Projekt in Angriff nehmen, dessen Ergebnisse im kommenden Jahr vorgestellt werden. Man kann gemeinsam bauen, pflanzen, musizieren, lesen und tausend andere Dinge tun. Keine Diskussionen über die Vergangenheit, sondern nachhaltig wirkende Aktionen für die Zukunft.

Das ist aber nur möglich, wenn wir als Dresdner ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln und ausstrahlen. Nur wer sich selbst respektiert, kann anderen Respekt entgegenbringen.

Am 19. Februar 2011 haben wir zwei Arten von Extremisten in der Stadt gehabt. Sie stehen exemplarisch für zwei Arten der Störung des Selbstbewusstseins: Selbstüberhöhung und Selbstverachtung. Die rechten Extremisten überhöhen die eigene Nation. Sie brüllen: »Deutschland über alles!« und »Ausländer raus!«. Die linken Extremisten versinken im Hass auf die eigene Nation. Sie skandieren: »Nie wieder Deutschland!« oder »Bomber-Harris, do it again!«.

Beide Arten des Extremismus müssen wir uns vom Hals halten. Wir wollen keinen Missbrauch des Gedenkens, keine rassistischen Parolen und keine nationalsozialistische Geschichtsverfälschung. Wir brauchen aber auf der anderen Seite auch keine Studien, die mit tendenziösen Fragestellungen den Beweis erbringen sollen, dass in der Mitte der Gesellschaft irgendein obskurer Nazi-Geist existiere.

In der Mitte der Dresdner Gesellschaft ist uns heute bewusst: Dresden ist international vernetzt. Die Dresdner haben Verbindungen zu Menschen aus der ganzen Welt. Wir sind von dieser Vernetzung und von diesen Verbindungen abhängig. Kultur, Wissenschaft, Kunst und Wirtschaft können nur in einem Klima des gegenseitigen Respekts gedeihen. Dieses Klima müssen wir erhalten.

In der Mitte der Gesellschaft muss auch ein wichtiges Element des Humanismus erhalten bleiben: Menschen betrauern die Toten. Menschen trauern auch, wenn die Toten mit Fehlern behaftet waren. Für die Trauer muss der 13. Februar reserviert sein. An diesem Tag soll es in der erweiterten Innenstadt keine Politik geben, sondern nur Ruhe und Gedenken.

Am Samstag oder Sonntag nach dem 13. Februar sollte sich ein Tag etablieren, an dem Dresden stolz und selbstbewusst zum Ausdruck bringt: Wir sind eine offene und gastfreundliche Stadt. Besser kann man sich gegen Extremisten von Rechts und Links nicht zur Wehr setzen.


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23 Responses to Was wird am 13. und 18. Februar 2012 geschehen?

  1. Antifa sagt:

    Dresden ist (bis auf wenige Ausnahmen) eine offene und gastfreundliche Stadt.

    Woher nimmst Du diese Behauptung? Hast Du Dir schon einmal die Zustände in Dresdner Flüchtlingsunterkünften genauer angeschaut? Wie steht es um die Finanzierung von Vertretungen einzelner Migrantengruppen oder dem Ausländerrat? Nur weil eine Stadt behauptet, das von Dir beschriebene zu sein (Welche andere Möglichkeit hat sie denn eigentlich sonst?), bedeutet es nicht, dass das auch von Menschen die damit direkt gemeint sind, auch so aufgefasst wird.

    Wir brauchen aber auf der anderen Seite auch keine Studien, die mit tendenziösen Fragestellungen den Beweis erbringen sollen, dass in der Mitte der Gesellschaft irgendein obskurer Nazi-Geist existiere.

    Welche Studien meinst Du denn damit?

    Am 19. Februar 2011 haben wir zwei Arten von Extremisten in der Stadt gehabt. Sie stehen exemplarisch für zwei Arten der Störung des Selbstbewusstseins: Selbstüberhöhung und Selbstverachtung. Die rechten Extremisten überhöhen die eigene Nation. Sie brüllen: »Deutschland über alles!« und »Ausländer raus!«. Die linken Extremisten versinken im Hass auf die eigene Nation. Sie skandieren: »Nie wieder Deutschland!« oder »Bomber-Harris, do it again!«.

    Vereinfachter geht es ja wohl nicht oder? Sonst kommt doch immer die Demokratiekeule, heute eher auf dem tiefenpsychologischen Trip?

    • stefanolix sagt:

      Ich bezeichne Dresden als eine offene und gastfreundliche Stadt, weil erstens die Zahlen dafür sprechen und weil ich zweitens ständig meine eigenen Eindrücke sammle.

      Ich beginne mit meinen eigenen Eindrücken. Ich komme als Freiberufler in viele Unternehmen, die teilweise international aufgestellt sind, aber zumindest regen Handel mit Unternehmen aus anderen Ländern treiben. In all diesen Unternehmen wäre es erstens ein sofortiger Kündigungsgrund, wenn sich ein Mitarbeiter ausländerfeindlich oder rassistisch äußern würde. Und zweitens merkt man deutlich, dass die Mitarbeiter Sprachen lernen und Auslandseinsätze anstreben, um die Kunden besser beraten zu können und um beruflich weiterzukommen. Vom Interesse an ausländischer Kultur und Kunst ganz zu schweigen. Diese Haltung zeichnet für mich die vielbeschworene Mitte der Gesellschaft aus.

      Die Zahlen: Es arbeiten immer mehr Mitarbeiter aus anderen Staaten in unseren Unternehmen oder im Auftrag ausländischer Unternehmen in Unternehmen dieser Stadt. Es kommen immer mehr ausländische Studenten und Touristen.


      Mit tendenziösen Fragestellungen in Studien meine ich Fragestellungen wie »Sind Sie der Meinung, dass die Interessen Deutschlands in der Welt besser vertreten werden müssen?«.

      Weiterhin meine ich Studien, die anhand von de facto unerfüllbaren Kriterien zu beweisen versuchen, dass bestimmte Gruppen einer permanenten Alltagsdiskriminierung ausgesetzt seien. Ich werde mich jetzt hier nicht im Detail dazu äußern (vielleicht später).

      Dazu kommen solche tendenziösen Aussagen gegen die Pflege unserer eigenen Sprache und Kultur wie von den sogenannten Zahlpaten, die ich neulich mit deutlichen Worten kritisiert habe:

      https://stefanolix.wordpress.com/2011/08/22/patenschaft-fur-eine-zahl/


      Was ist eine Demokratiekeule? Dass Linksextremisten und Rechtsextremisten unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat verachten und bekämpfen, muss ich wohl nicht in jedem Artikel neu beschreiben?


      Zur Psychologie: Es gibt umfangreiche Literatur über Störungen des Selbstbewusstseins und deren Folgen. Man kann daraus nur nach bestem Wissen und Gewissen seine Schlüsse ziehen. Und sein Wissen kann man erweitern …

      Um noch einmal auf die Mitte der Gesellschaft zurückzukommen: Wer ein gesundes Selbstbewusstsein hat, muss sich nicht /über/ andere und auch nicht /unter/ andere stellen. Man kommt mit Menschen aus anderen Ländern immer gut klar, wenn man im Austausch einen gegenseitigen Nutzen sieht und wenn man durch einen verbesserten Austausch seinen Nutzen steigern kann.

      Manche Menschen werden vielleicht auch sagen: Der 13. Februar und das Verhältnis zu Ausländern gehen mich nichts an. Was will man dagegen einwenden, solange sie sich an Recht und Gesetz halten? Aber mein Wunsch wäre, dass sich Dresden mit möglichst vielen ideologiefreien(!) Projekten als eine Stadt des Austauschs profiliert.

      Wenn das gelingt, wird das versprengte Häuflein Neonazis nämlich jedes Jahr kleiner. Durch die Aussicht auf ein Krawall-Wochenende im Kampf mit den Extremisten von der anderen Seite ganz sicher nicht.

      • Andreas sagt:

        Ich arbeite auch in unterschiedlichen, teils großen Unternehmen in Dresden, sehr häufig mit ausländischen Kollegen und beobachte oft das Gegenteil. Im Kollegenkreis ist alles gut, aber fast alle der Gäste haben schon Konfrontationen mit Ausländerfeindlichkeit gehabt, häufig bereits auf den involvierten Ämtern.

      • stefanolix sagt:

        Auf Ämtern besteht immer ein Machtgefälle zwischen den Mitarbeitern hinter dem Schreibtisch und den Antragstellern vor dem Schreibtisch. Leider. Das trifft aber auch viele Einheimische. Das Handeln der Behörden müsste generell besser kontrolliert werden. In der Ausländerbehörde gab es bekanntlich auch Korruptionsfälle. Keine Frage, dass so etwas strengstens verfolgt werden muss.


        Auf der anderen Seite muss man aber sagen, dass »Ausländerfeindlichkeit« ein sehr weit gefasster Begriff ist.

        Im Zuge des Kampfes gegen sogenannte Diskriminierungen werden zum Teil auch absurde Forderungen aufgestellt. Ich halte es z.B. für weit überzogen, wenn jemand vor Gericht zieht, weil er in irgendeine Diskothek nicht eingelassen wurde.

        Es werden tagtäglich Leute aller Nationalitäten von irgendwelchen Türstehern vor irgendwelchen Diskotheken abgewiesen. Hierzulande trifft es wohl auch viele Deutsche (habe ich mir zumindest erzählen lassen). Offenbar werden Türsteher aufgestellt, weil der Laden schon voll ist oder weil der Betreiber ein bestimmtes Publikum ansprechen will. Mit den falschen Kleidungsstücken, der falschen Frisur oder dem falschen Alter kommt man einfach nicht rein.

        Solange wir keinen Kontrahierungszwang in Diskotheken kennen, wird sich daran wohl nichts ändern.

        Es gibt wohl auf der ganzen Welt kaum einen ideal menschenfreundlichen Ort. Mit persönlichen Enttäuschungen muss jeder Mensch fertig werden.

      • Andreas sagt:

        Ach hör doch auf mit Diskos und persönlichen Enttäuschungen. Borg Dir irgendwo ein farbiges Kind und laufe damit durch die Stadt. Ich frage mich beim Lesen Deines Blogs, ob Du absichtlich blind sein willst.

      • stefanolix sagt:

        Wenn rassistische Beschimpfungen wirklich nachgewiesen werden können, gehört die Sache vor Gericht. Das soll den Tätern eine Lehre sein und letztlich auch Nachahmer abschrecken.

        Im Kindergarten meines jüngeren Sohnes waren damals etwa 20 Kinder aus dem Ausland, darunter auch Kinder anderer Hautfarbe. Es war üblich, dass diese Kinder nach den Heimfahrten ihrer Eltern immer etwas mitgebracht und viel erzählt haben. Das ist heute immer noch so. Dabei hatten sie dort noch nicht einmal ein betont multikulturelles Konzept, es wurde einfach Respekt gegenüber jedem anderen Kind vorausgesetzt.

        Ich habe jedenfalls zwei Kinder in einem ziemlich großen Altersabstand. Ich habe oft an Spielplätzen (in Striesen, Blasewitz, an der Elbe …) gesessen und nie eine Diskriminierung von Kindern aus anderen Ländern miterlebt. Und wenn ich z.B. in den Neustadt-Blogs mitlese, scheint das dort auch kein Problem zu sein: ein rundum toleranter Stadtteil. Es gibt also durchaus Fortschritte …

      • Antifa sagt:

        Wenn rassistische Beschimpfungen wirklich nachgewiesen werden können, gehört die Sache vor Gericht. Das soll den Tätern eine Lehre sein und letztlich auch Nachahmer abschrecken.

        Das Erste, was Du als Farbiger von einem Polizisten zu hören bekommen würdest, wenn Du bspw. am Hauptbahnhof rassistisch beleidigt wirst und nach Hilfe suchst, ist die Frage nach Deinen Aufenthaltspapieren. Unternimm doch mal den Versuch und setz Dich einen Tag auf den Hauptbahnhof und beobachte die eingesetzten Beamtinnen und Beamte bei ihrer Arbeit.

      • stefanolix sagt:

        Nur mal ein kleiner Hinweis: Ich habe am 13. Februar die eingesetzten Beamten beobachtet und miterlebt, was sie sich von den Linksextremisten für Beleidigungen anhören mussten. Und das war noch die gewaltfreie Fraktion.

        Ein Polizist sagte mir, das sei auf solchen Demonstrationen die Normalität.

        Ich habe auch schon miterlebt, wie auf dem Hauptbahnhof ausländische Personen festgenommen werden mussten. Die Kraftausdrücke gegenüber den Polizisten möchte ich hier nicht wiedergeben, Wendungen mit Nazi und Faschist waren jedenfalls zur Genüge dabei.

        Alles hat eben zwei Seiten. Wenn Polizisten Tag für Tag auf die übelste Weise beleidigt werden, kann man vielleicht nicht immer die perfekte Höflichkeit erwarten.

    • Antifa sagt:

      Ich beginne mit meinen eigenen Eindrücken. Ich komme als Freiberufler in viele Unternehmen, die teilweise international aufgestellt sind, aber zumindest regen Handel mit Unternehmen aus anderen Ländern treiben. In all diesen Unternehmen wäre es erstens ein sofortiger Kündigungsgrund, wenn sich ein Mitarbeiter ausländerfeindlich oder rassistisch äußern würde. Und zweitens merkt man deutlich, dass die Mitarbeiter Sprachen lernen und Auslandseinsätze anstreben, um die Kunden besser beraten zu können und um beruflich weiterzukommen. Vom Interesse an ausländischer Kultur und Kunst ganz zu schweigen. Diese Haltung zeichnet für mich die vielbeschworene Mitte der Gesellschaft aus.

      Mal ganz abgesehen von den von mir angesprochenen Beispielen. Ich habe keine Ahnung in welchem Bereich Du direkt tätig bist, aber ich kann Dir versichern, dass in den Bereichen in denen ich bisher arbeiten durfte, Ausländerfeindlichkeit und Rassismus ein gängiges Phänomen waren. Meine persönlichen Erfahrungen reichen da von so ziemlich allen Bereichen in der Niedriglohnbranche bis hinein in global aufgestellte große Unternehmen.

      Die Zahlen: Es arbeiten immer mehr Mitarbeiter aus anderen Staaten in unseren Unternehmen oder im Auftrag ausländischer Unternehmen in Unternehmen dieser Stadt. Es kommen immer mehr ausländische Studenten und Touristen.

      Das ist zwar gut so, hat aber im Fall von Fachkräften oder Studierenden vielmehr ökonomische und nicht persönliche Gründe. Was die Touristenzahlen angeht, dann lässt sich das nur sehr wenig mit dem Thema in Beziehung setzen, denn wie hat die NPD das immer so treffend formuliert: „Gute Heimreise.“

      Mit tendenziösen Fragestellungen in Studien meine ich Fragestellungen wie »Sind Sie der Meinung, dass die Interessen Deutschlands in der Welt besser vertreten werden müssen?«.

      In welcher Studie wurde diese Frage gestellt?

      Was ist eine Demokratiekeule? Dass Linksextremisten und Rechtsextremisten unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat verachten und bekämpfen, muss ich wohl nicht in jedem Artikel neu beschreiben?

      Genau das meine ich. Solche Menschen gibt es nur an den Rändern links und rechts der über alles erhabenen Mitte. Wer hatte denn die vom Bundesverfassungsgericht kassierte Vorratsdatenspeicherung beschlossen? Wer bombt denn unter wessen Mandat in Afghanistan ungestraft Zivilisten über den Haufen? Wer war denn auf Du und Du mit Diktatoren wie Gadaffi oder Mubarak, die Extremisten von links und rechts? Ich will nicht abstreiten, dass es politischen Extremismus gibt, aber den auf einen Dualismus zu reduzieren, macht die Sache viel zu einfach.

      Aber mein Wunsch wäre, dass sich Dresden mit möglichst vielen ideologiefreien(!) Projekten als eine Stadt des Austauschs profiliert.

      Was wären denn Deiner Meinung nach Beispiele für ideologiefreie Projekte? Gerade hier in Sachsen habe ich angesichts der seit Monaten andauernden politischen Debatten über Extremismuserklärungen nicht den Eindruck, als ob das politisch unbedingt gewollt wäre.

      • stefanolix sagt:

        Zum Thema Extremismus: Ich habe die beiden Gruppen genannt, die in Dresden Gewalt ausgeübt haben. Um diese beiden Gruppen geht es schließlich. Ich werde nicht in jedem Artikel oder Kommentar einen Hinweis einfließen lassen, dass es auch andere Extremisten gibt.

        Wer als ausländischer Tourist freiwillig nach Dresden kommt, fühlt sich von der Stadt angezogen. Wenn mehr Touristen kommen, muss Dresden also eine gewisse positive Ausstrahlung haben. Das muss man sich nicht schlechtreden lassen.

  2. FGönther sagt:

    „Wer war denn auf Du und Du mit Diktatoren wie Gadaffi oder Mubarak“

    Also ich nicht – aber ein paar von Gadaffis Landsleuten habe ich in Kompaniestärke Ende der 70iger kennengelernt. Und zwar in der größten und schönsten antifaschistischen DDR aller Zeiten. Mubarak war da noch zweite Garnitur, sein Vorgänger Sadat Unperson, dafür war dessen Vorgänger Nasser der ausgesprochene Liebling aller Antifaschisten.
    Einen Schwarz-Weiß-Dualismus kann ich eigentlich nur bei der „Antifa“ erkennen, die sich für einen guten Zweck nach dem Motto, „der Feind meines Feindes ist mein Freund“, mit jedem ins Bett legt.
    Siehe das ganze Tam-Tam um den 13. Februar – was der „Antifa“ Schlimmstes passieren könnte, wäre doch der Umstand, wenn die bundesweit zusammengekarrten Haufen von Nazis, die ganz nebenbei gesagt nur die Tradition des antifaschistischen Gedenkens von 1946 bis 1989 fortsetzen, nicht mehr kommen würden.

    Als ideologiefreies Projekt könnte ich mir übrigens einen Subbotnik z.B. auf den Elbwiesen vorstellen.

    Im übrigen erinnert mich die Diskussion in ihrer „Differenziertheit“ an die Afrika-Euphorie zu Beginn der 1960iger. Nur das wir als Dresdner damals per definitionem zu den Guten gehörten. Diese Unschuld ist uns durch 89-iger Ereignisse abhanden gekommen.

    • stefanolix sagt:

      Den Subbotnik auf den Elbwiesen könnte man dadurch vermeiden, dass jeder seinen Müll ordentlich entsorgt. Unabhängig von der Nationalität ;-)

      Auf jeden Fall finde ich es falsch, im Jahr 2012 wieder zu einer Blockade wie 2011 aufzurufen. Das ist völlig sinnlos. Man hat ja gesehen, was dabei herauskommt.

      Aber man kann den Leuten ein Angebot machen. Solange es jedem freisteht, ob er teilnehmen will, wird es mich jedenfalls nicht an eine Erster-Mai-Demonstration in der DDR erinnern.

  3. Alles in allem erinnert mich hier vieles an Diskussion zum Thema „Globalisierung“ ;) … ist die nun gut oder schlecht? usw. usf.

    Genauso wird man zum Thema „Ausländerfeindlichkeit in Dresden“ argumentieren können. Einerseits lebe ich in der Neustadt und ja, hier findet man wenig Ressentissements gegenüber Ausländern/Migranten/Zugereisten. Doch wenn du als Pole mal in einem Supermarkt klaust, kannst du sicher sein, dass du den „Polen-Bonus“ bekommst, d.h. die vermutlich doppelt so hohe Geldstrafe wie ein Deutscher ;)
    Andererseits erinnere ich mich noch sehr genau an die Ermordung von Marwa el-Serbhini … und wie hilflos die Polizei damals war und erstmal auf den Ehemann geschossen hat. OB Helma Orosz’s verhaltene Reaktion fand ich auch etwas … naja.
    Und in weiten Teilen der Bevölkerung, die wenig Umgang mit anderen Kulturen haben, ist eben der Russe ein Russe, weil er eben Russe ist und immer Russe bleiben wird, und zwar nur Russe und nichts anderes.

    Natürlich haben beide Seiten recht, es gibt ein weltoffenes Dresden und es gibt eins, dass so groß im Kopf ist wie ein 50-Seelen-Bergdorf hinter den sieben Bergen, wo alle drei Jahre mal ein Fremder vorbeikommt und man froh ist, wenn der nicht auch noch anhält, sondern einfach so schnell wie möglich wieder geht.

    Was den 13. Februar 2012 anbetrifft, so würde ich dezentrale Veranstaltungen bevorzugen, im Gegensatz zu den – von wem auch immer gewollten – „machtvollen zentralen Veranstaltungen“. Wenn ich’s könnte würde ich zudem jedes Jahr Chaplin’s „Der große Diktator“ aufführen lassen. In der Schauburg kam er einige Jahre … wenn auch an anderen Tagen.

  4. om sagt:

    … Chaplin’s „Der große Diktator“ aufführen … das ist mal Gut, am besten direkt dort wo der NPD Sympathisant diesem nicht entgehen kann, wird er doch seites der Polizei mit großer Sicherheit wieder am Bahnhof gehalten und später zur Abreise bewegt. Naja, wenn es nicht so schlim wäre, soll die NPD und ähnliche doch zu Hause bleiben, dann würden die anderen vielleicht auch nicht erst kommen, dann gäb es Gedenken in Ruhe, und man braucht keinen sonstigen Zirkus. Aber leider wird wohl das genau nicht passieren.

    Die Verwaltung wird wieder irgendein unsinniges Konzept verabschieden, was realitätsfremder nicht sein kann.

    Aber scheinbar gefällt unserer Wasserkopfverwaltung genau das, ändern wird sich nichts, weil dann hätte 2011 schon anders ablaufen können, aber was erwartet man von so einer Verwaltung eigentlich. Meistens zu viel. Von Richtern möchte ich mal gar nicht sprechen.

    Der Polizei wird dann noch der schwarze Peter zugeschoben und im Anschluss daran können wir gleich mal neue Gesetze machen, weil so vielen diese Politik auf den Sack geht. Ändern wird sich aber dann erst 2014 etwas, wenn es auch dem letzten aufgefallen ist, dass wieder gewählt wurde.

    Aber zurück zu dem großen Diktator, vielleicht wäre es gut, wenn diesen nicht nur die NPD Sympathisanten sehen würden, sondern doch ein paar mehr Bürger einschließlich der Dresdner Verwaltung, welche immer noch nicht völlig begriffen hat um was es geht, und das bitte nicht erst am 13.02.2012 oder dem 18.02.2012.

    Was den Film selbst angeht, ist es leider tragisch, dass zur Drehzeit nicht völlig klar war, was der gemeine Deutsche tatsächlich alles getan hat und wie grausam Personen verfolgt und getötet wurden oder noch werden sollten.

    Per see habe ich nichts gegen die Freiheit der Meinung, jedoch betracht man sowie das 2011 gelaufen ist, hätte man 2011 schon eine gut oder besser abgrenzbare Fläche stellen sollen, statt die halbe Innenstadt verkehrstechnisch abzuriegeln. Ich war da als Geschäftsmann würde ich die Verwaltung wegen Umsatzausfall anzeigen. Wie wäre es denn mit der Flutrinne, unten die Personen welche sich zum Umfeld der NDP outen, optional umgeben vom schwarzen Peter und darum halt die, welche sich unbedingt mit dem schwarzen Peter prügeln wollen. Wenn man es so anordnet können sogar die Straßenbahnen in Dresden fahren, und viele Brücken brauchen nicht geschlossen werden. Jedoch bedeutet Freiheit auch gleiches Recht für alle, deswegen müssten anschließend oder zumindest für eine gewisse Dauer 10 bis 20 Jahre alle solche Veranstalltungen, welche unter das gleiche Versammlungsfreiheitsgesetz wie 2011 fallen unter den gleichen Bedingungen in Dresden statt finden. Die Stadt könnte also einen Ort für solche Veranstalltungen beschließen, und auch, dass je Tag halt nur eine stattfinden darf, wegen Kosten etc. Polizeischutz usw. sollte da schon eine Begründung möglich sein, es sei es gäbe zwei, drei Orte ähnlich der Flutrinne, wo es keinen stört und nur der hin möchte, welcher sich dafür interessiert. Halt einen festen Versammlungsort, am besten mal eine Umfrage machen und die Dresdner Bürger entscheiden lassen. Mit einem Ergebniss wie bei der Waldschl…brücke ;-) Man muss ja nur die richtige Frage stellen. Wollte Ihr eine blockierte Stadt ja/nein -> nein Veranstalltungen finden zukünftig in der Flutrinne statt.

  5. Tobias sagt:

    Stefan, sorry, aber Dresden mag von Deinem Wohnzimmerfenster, von der Fernsehcouch oder vom Schreibtischstuhl vor dem Rechner aus gesehen als eine offene und gastfreundliche Stadt erscheinen. Recherchier mal beim Ausländerrat der Stadt oder frag mal bei der Unileitung nach, was mit der kulturellen Betreuung von ausländischen Studenten Mitte dieses Jahres passiert ist. Als Bahn-Bus und Zugfahrer durfte ich mehrmals miterleben, wie unsere freundlichen Kontrolleure mit Menschen umgesprungen sind, die schlicht ihre Worte nicht verstanden – undenkbar in London, Leipzig, Liverpool.

    Nicht zu reden über Reflexionen zu Dresden im Ausland und unter Ausländern. Die Stadt hat eine traurige Berühmtheit und es ist erstaunlich, wie vielen Menschen im Ausland Dresden ein Begriff ist – und das nicht wegen der Frauenkirche und dem Fürstenzug. Hast Du dich mal gefragt, warum es vergleichsweise wenig Geschäfte mit leckeren ausländischen Lebensmitteln in Dresden gibt? Frag mal den Türken Ecke Albertplatz/Königsbrücker nach seiner Meinung dazu.

    Dresden ist freundlich und offen für Ausländer, die ausreichend Cash mitbringen und sich auf kurze Besuche im Stadtzentrum beschränken, alles andere ist ein frommer Traum. Wenn Du Dresden für gastfreundlich hälst, entschuldige, aber dann reicht dein Verständnis von Gastfreudnschaft nicht sehr weit.

    Mit den besten Grüßen,

    T. Strahl

  6. […] Definition nachgedacht wird. Denn Protest kann auch friedlich sein … Empfehlung: Was wird am 13. und 18. Februar 2012 geschehen? bei stefanolix.wordpress.com Etwas verpasst? Dann einfach meinen Blog über diese Links […]

  7. niklasdrude sagt:

    Unabhängig davon, ob die getätigten Tatsachenbehauptungen der Realität entsprechen, oder nicht, stimme ich dem Autor zu. Hält man sich nicht an der Prüfung auf Realitätsnähe auf, findet man im Text einen Idealismus, den ich gerne in der Realität praktiziert sehen würde.

    Meiner Meinung nach sollten wir weniger Kraft in den Kampf gegen Rechts und dafür mehr Energie in die praktizierte Integration unserer Mitmenschen mit Migrationshintergrund stecken. Ich bekomme immer mehr das Gefühl, dass bei allen Auseinandersetzungen zwischen links und rechts vergessen wird, worum es eigentlich geht.

    Es ist schon schlimm genug, sich mit der Notwendigkeit konfrontiert zu sehen, zweimal im Jahr gegen Rechts auf die Straße gehen zu müssen. Da sollten wir uns den Rest des Jahres den Menschen widmen, die unsere Aufmerksamkeit verdienen und brauchen.

    Arschlöcher gibt es auf beiden Seiten und das nicht nur in Dresden.

    • stefanolix sagt:

      Danke für die Zustimmung. Natürlich musste ich den Artikel damals mit Idealismus schreiben und natürlich ist noch lange nicht alles Wirklichkeit.

      Aber: Die Arbeit der AG 13./18. Februar hat einen großen Erfolg gehabt — die gesellschaftlichen und politischen Kräfte sind sich noch nie so einig gewesen wie vor dem 13. Februar 2012. Das kann man als Grundlage für höhere Ziele sehen: praktizierte Integration, wie in einigen anderen deutschen Großstädten, wo man den Nutzen des kulturellen und wirtschaftlichen Austauschs in den Vordergrund stellt.


      Ich hoffe und drücke die Daumen, dass die extremistischen Arschlöcher beider Seiten an den beiden Tagen 13. und 18. Februar keinen Erfolg haben werden. Von beiden Seiten gehen nur Hass und Gewalt aus. — Es soll natürlich jeder einzelne Aussteiger aus diesen Szenen willkommen sein, wenn er sich wieder in die Gesellschaft integrieren will.

  8. reaper sagt:

    Existiert dieser obskure Nazigeist wirklich nicht? Sagt dir der Begriff Judenbunker etwas? Kommt nicht von der NPD, nicht von einer Glatze sondern aus der Mitte der Gesellschaft.

    • stefanolix sagt:

      Nein, mir sagt dieser Begriff in Bezug auf die »Mitte der Gesellschaft« nichts.

      Die Mitte der Gesellschaft würde ich politisch so beschreiben: Alle Mitglieder der AG 13./18. Februar, die von Frank Richter moderiert wurde (siehe auch: Dresdner Rede). Gerade die bürgerlichen Parteien stellten sich in den letzten Jahren im Februar an der Synagoge auf und halten zu Israel. (Edit: Und die Menschenkette wurde immer bewusst an dieser Stelle aufgestellt).

      Also bitte konkret: Welcher obskure Nazigeist? Wollen Sie ernsthaft unterstellen, es gäbe in der Mitte der Gesellschaft einen Antisemitismus dieser Dimension, dass man jüdische Mitbürger verfolgen oder diffamieren würde?

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