Die meisten Dresdner wohnen nicht allein

Die »Sächsische Zeitung« übt sich heute in Statistik und titelt im Lokalteil:

Die meisten Dresdner wohnen allein

Das stimmt nicht. Diese Überschrift soll auf der Basis folgender Zahlen zustandegekommen sein: Es gibt in Dresden 520.000 Einwohner in 295.000 Haushalten. Von diesen 295.000 Haushalten sind 50.5 Prozent Ein-Personen-Haushalte.

Aus den gegebenen Zahlen kann man die Anzahl der Einwohner in Ein-Personen-Haushalten berechnen: Es sind rund 148.000 Menschen.

Wenn von den 520.000 Dresdnern aber nur 148.000 in Ein-Personen-Haushalten wohnen, dann bedeutet das: 372.000 Dresdner wohnen nicht allein.

Aufteilung der Einwohner Dresdens

Aufteilung der Einwohner Dresdens
auf Ein- und Mehr-Personen-Haushalte.


Es ist ja nicht so, dass wir dieses Problem zum ersten Mal behandeln würden: Vor zwei Jahren hat die »Sächsische Zeitung« den gleichen Interpretationsfehler in Bezug auf die Anzahl der Ein-Personen-Haushalte in Sachsen gemacht.


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14 Antworten zu Die meisten Dresdner wohnen nicht allein

  1. E-Haller sagt:

    Ach Mensch – es sollte halt eine griffige Schlagzeile werden. Jetzt kommst du wieder mit Fakten ;)

    P.S.: Was sind Dresder? ;)

  2. Rayson sagt:

    83% der Journalisten können nicht so gut rechnen, 10% einigermaßen. Die restlichen 17% machten keine Angaben. ;-)

  3. UVS sagt:

    Falsche Überschriften/Einstiegssätze gehören zum Standard dieses Blattes. Qualjournalismus…

  4. Mal wieder wachsam beobachtet. Das ist ein ganz klassischer Fehler, den Walter Krämer in „So lügt man mit Statistik“ beschrieben hat, dort heißt die Überschrift „Jeder zweite lebt allein“.

    • stefanolix sagt:

      Ja, aber gerade weil das ein klassischer Fehler ist, sollte es doch irgendwann mal zum journalistischen Handwerk gehören, nicht mehr darauf hereinzufallen.

      Es gibt ja viel ernstere Themen: Wenn sich z. B. Patienten aufgrund falsch interpretierter Statistiken vor einer Behandlung fürchten. Wenn ich also zu anderen Themen Zeitung lese, wäre es für mich hilfreich, zu wissen, dass meine Zeitung nicht an der Interpretation von drei einfachen Zahlen scheitert.

  5. […] ich gestern einen berichtigenden Artikel über die Fehlinterpretation einer Statistik in der »Sächsischen Zeitung« geschrieben habe, wollte ich eigentlich noch hinterfragen, mit […]

  6. […] recherchierte lokale Zeitung – übrigens den zweiten Tag in Folge, wie stefanolix mal wieder treffend aufgespießt hat – einen ziemlichen Bock geschossen. Und das erfährt man als Normalo-Leser ausgerechnet bei […]

  7. okapi sagt:

    Selbst wenn der Journalist zwischen Werten, Prozenten und Prozentpunkten unterscheiden und rechnen könnte. Quälend sind allein schon die journalistischen Aufbereitungen in Prosa. Da wird nicht interpretiert sondern nacherzählt. Endloser Text, um kleinste Aussagen zu umschreiben, die in eine klitzekleine Tabelle oder Diagramm gepasst hätten. Warum nicht einfach gleich die Tabelle und dann gezielt die springende Punkte erläutert?

    • stefanolix sagt:

      Ich denke, dass man mündigen Bürgern und Zeitungslesern wirklich die eine oder andere Kreuztabelle und das eine oder andere Diagramm zumuten kann.

      Ich habe auch kein Problem damit, wenn die Meldung erst ein paar Tage später kommt, dafür aber ordentlich gemacht ist. Man muss nicht umgehend reagieren, wenn in Kamenz neue Zahlen veröffentlicht werden.


      Der kritisierte Artikel ist ja hinter der »Bezahlschranke«, sonst könnte man daran sehr gut erklären, wie man es nicht machen sollte.

      Diese Redundanz! Diese Füllwörter! Es ist überhaupt nicht »überraschend«, dass es wieder mehr Haushalte gibt, in denen drei oder mehr Personen leben: Dresden ist nun mal eine Stadt mit sehr vielen Geburten. Folglich steigt die Anzahl der Haushalte mit Kindern …

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