In den Diskussionen über die Waldschlößchenbrücke fiel in letzter Zeit manchmal der Begriff »Fördermitteldiktatur«. Damit wird die Tatsache umschrieben, dass der Freistaat Sachsen die Entscheidungen zum Bau der Brücke allein schon durch die Zusage von Steuergeld und die Ablehnung jeglicher Alternative entscheidend beeinflusst hat.
Ich war mit dem Begriff nicht so richtig zufrieden, denn er trifft die Mentalität der Dresdner nicht. Diktatur bedeutet ja, dass den Menschen die Möglichkeit zur freien und verantwortlichen Entscheidung gewaltsam genommen wird.
Doch viele Dresdner wollen eigentlich gar keine Verantwortung übernehmen. An der Abstimmung über die Brücke haben sich etwa 50% beteiligt und an der Stichwahl über das Amt des Oberbürgermeisters noch deutlich weniger. Wenn man ein Kreuz im Wahllokal als aktive Unterstützung einer Sache, einer Partei oder einer Person wertet, hatte also die Oberbürgermeisterin noch viel weniger aktive Unterstützung als eine hässliche Betonbrücke.
Die Dresdner brauchen wohl doch wieder einen König und im Grunde wird ja heute die Politik der sächsischen Könige mit anderen Mitteln fortgesetzt: Nimm das Geld der Sachsen und baue in Dresden. Dass das Land heute Freistaat heißt, ist im Grunde nur ein Betriebsunfall der Geschichte, die Krone ist ja noch überall zu sehen.
Als die Dresdner mal selbst Verantwortung übernahmen, da beauftragten sie den Ratszimmerermeister George Bähr und bauten sich die Frauenkirche. Als die Frauenkirche in Trümmern lag, haben die Dresdner sie wieder aufgebaut. Aus der ganzen Welt bekamen wir Unterstützung, weil das Projekt so faszinierend war.
Wenn die Dresdner Glück haben, dann bekommen sie von ihren Monarchen solche Bauwerke wie den Dresdner Zwinger, die Kathedrale oder das Schloss Pillnitz. Diese Bauwerke werden bis heute bewundert, weil Auftraggeber und Baumeister mit Sinn für Ästhetik am Werk waren. Aus der ganzen Welt wird Dresden dafür Interesse entgegengebracht.
Aber wenn die Dresdner mal so richtig Pech haben, dann bekommen sie eben ein Bauwerk wie die Waldschlößchenbrücke. Dort haben weder Auftraggeber noch Baumeister diesen Sinn für Ästhetik entwickelt. Es gibt bis heute keinen anerkannten Fachmann, der sagt: »Ich finde diese Lösung überzeugend«. Aus der ganzen Welt wurde Dresden mit Spott und Unverständnis bedacht.
Das Ergebnis spricht nicht nur gegen Auftraggeber und Baumeister, obwohl beide ihrer Rolle offensichtlich nicht gewachsen waren. Es sagt viel mehr über die Dresdner selbst aus, weil sehr viele von ihnen ihre Rolle gar nicht erst annehmen wollten.
Danke an Silvia, die mich in dieser Diskussion auf den Begriff »Fördermitteldiktatur« und damit zum Nachdenken über diesen Beitrag gebracht hat.

Verfasst von stefanolix 
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