Seit dem Beginn der Diskussion um die Salbe Regividerm gibt es auf diesem Blog eine heftige Diskussion zwischen Befürwortern und Kritikern der ARD-Sendungen zu diesem Thema.
Jetzt hat die Kommentatorin Jane hier folgende Behauptung gepostet: Der Verfasser eines Artikels auf Science-Blogs sei persönlich befangen und nicht neutral:
Zu den von dir hier verlinkten Quellen (z.B. der SienceBlog von Tobias Maier): Zumindest Tobias Maier ist u.a. im Pharma-Vertrieb für Apotheken und Praxen mit einer eigenen Firma im Geschäft – so viel vielleicht zu seinen potenziellen Motiven, die Produkte seiner Brötchengeber zu schützen. Für mich zumindest alles andere als eine neutrale, unbefangene Quelle.
Ich habe dem Blogger natürlich sofort eine E-Mail geschrieben und ihn gefragt, was er dazu sagt:
Ist da etwas dran? Ich finde es völlig unlogisch [...] aber ich wollte einfach mal unbefangen nachfragen.
Während ich auf die Antwort wartete, habe ich nach dem Namen des Bloggers gesucht. Es gibt tatsächlich eine Firma für den Vertrieb von pharmazeutischen Produkten und Pharma-Werbeartikeln — und der Geschäftsführer trägt den Namen dieses Science-Bloggers. Doch der Name ist nun nicht gerade selten und es gibt auch noch mehrere Personen aus ganz anderen Branchen mit dem gleichen Namen.
Die Spannung stieg. Da kam auch schon die Antwort und mit seiner Zustimmung zitiere ich:
Da ist selbstverständlich nichts dran. Ich bin Post-doc an einem Institut in Barcelona und werde aus EU-Mitteln finanziert. Ich habe keinerlei Firmenkontakte, weder zum Pharmavertrieb noch zu Apotheken und Arztpraxen. Meine Forschung hat nichts mit Medizinprodukten zu tun, geschweige denn mit Cremes gegen Hautkrankheiten. [edited: siehe auch: diesen Kommentar]
Die beiden Namen »Tobias« und »Maier« sind nun in der Tat relativ häufig und so ist es statistisch sehr wahrscheinlich, dass es auch die Kombination nicht nur einmal gibt. Wer Personensuchmaschinen mag, der sollte einfach mal diesen Namen eingeben.
Was kann man daraus lernen?
(1) Man sollte sich nie davon leiten lassen, was man glauben will. Man sollte sich davon leiten lassen, was man nachgeprüft hat oder was man aus vertrauenswürdiger Quelle weiß.
(2) Wenn man die Vermutung hat, dass jemand von mehreren Interessen geleitet sein könnte, sollte man ihn fragen. Schlimmstenfalls bekommt man keine Antwort oder eine ausweichende Antwort.
(3) Wenn man keine befriedigende Antwort bekommt, sollte man recherchieren. Kann denn ein Pharma-Handel wirklich ein Interesse an der Unterdrückung des Medikamentes haben? Hat das Unternehmen Verbindungen zum aktuellen Fall?
(4) Wenn man beim Recherchieren etwas findet, sollte man um so genauer prüfen, ob es nicht doch eine Namensverwechslung ist.
Was man aber auf keinen Fall tun sollte: einfach aufgrund einer Namensgleichheit eine ungeprüfte Behauptung in die Welt setzen, nur weil sie ins eigene Weltbild passt.
Ergänzung: Ich meine, man muss hier ein ganzes Stück über den aktuellen Fall hinaus denken. Wir alle müssen Informationen filtern und uns ein gesundes Misstrauen wachhalten.
Aber das Misstrauen muss auf rationalem Denken beruhen.
Wenn uns die schwarz-gelbe Regierung erzählen will, dass sie mehr Geld für Bildung ausgibt — dann misstraue ich ihr und frage: kann man die Statistik 2009 mit der Statistik der letzten Jahre vergleichen? Haben sie in allen Jahren wirklich die gleichen Ausgaben ausgewertet? Denn ich weiß, dass Regierungen sehr kreativ im Manipulieren von Daten sind.
Wenn uns die Opposition erzählen will, dass sich die Armut in Sachsen verschlimmert hat — dann misstraue ich ihr und frage: auf welcher Basis wurden die Kennzahlen wirklich ausgewertet? Auf der Basis der gesamten BRD oder auf der Basis Sachsens? Denn ich weiß, dass die Ungleichheit in Sachsen deutlich geringer ist als in anderen Bundesländern.